Maria Seidel M.A.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Bibel und Jüdische Bibelauslegung
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Anschrift:
Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg
Landfriedstraße 12
D-69117 Heidelberg

Tel.: (+49) (0) 6221 / 54-192-34
E-Mail: maria.seidel@hfjs.eu

Raum A2.10 (Altbau, 2. Stock)

 

Akademischer Werdegang

  • Seit 2018: Dissertationsprojekt »Der masoretische Kommentar des R. Yaʿaqov ben ͗Asher in seinem Verhältnis zur aschkenasischen Masora-Tradition« bei Prof. Dr. Hanna Liss (im Rahmen des DFG-Langzeitvorhabens Corpus Masoreticum)

  • 2014: Auslandsstudium in Leiden (Niederlande, 1 Semester)

  • 2013–2017: Studium Jüdische Studien an der Universität Potsdam (M.A.)

  • 2009–2013: Studium Jüdische Studien/Allgemeine Geschichte an der Universität Potsdam (B.A.)

 

Berufliche Tätigkeiten

  • Seit 2018: Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Langzeitvorhaben Corpus Masoreticum, Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (Projektleitung Prof. Dr. Hanna Liss)

  • 2013–2017: Studentische/wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Jüdisches Denken, Universität Potsdam (erst bei PD Dr. Lucia Raspe, dann bei Prof. Dr. Sina Rauschenbach)

  • 2011–2013: Studentische Hilfskraft im Projekt »Portal Digitales Brandenburg« der Universitätsbibliothek Potsdam (bei Dr. Andreas Kennecke; Digitalisierung von Judaica-Beständen und den Geologischen Karten Brandenburgs)

  • 2008–2009: Au-pair in Birmingham und London, UK

 

Akademische Selbstverwaltung

  • Seit Mai 2019: Vertreterin der wissenschaftlichen Mitarbeitenden im Senat der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg

 

Stipendien und Auszeichnungen

  • 2019: Stipendium der World Union for Jewish Studies für einen Sommer Ulpan an der Hebrew University, Jerusalem

  • 2017: Gender-Preis für herausragende studentische Abschlussarbeiten zu Gender- und Differenz-Themen für die Masterarbeit (»Van goede getuigen voorzien… Historische Stellenanzeigen als Quellen in der Geschichtswissenschaft. Das Beispiel niederländisch-jüdischer Dienstmädchen«)

 

 

Promotionsprojekt im Rahmen des DFG-Langzeitvorhabens Corpus Masoreticum

 
Der masoretische Kommentar des R. Yaʿaqov ben ͗Asher Baʿal ha-Ṭurim in seinem Verhältnis zur aschkenasischen Masora-Tradition

In meinem Dissertationsprojekt soll der Torakommentar des Yaʿaqov ben ͗Asher (ca. 1270–1340) anhand der auf uns gekommenen mittelalterlichen Handschriften untersucht werden. Ein Schwerpunkt wird dabei auf solchen Auslegungen liegen, die sich auf masoretische Notizen zur Schreibung bestimmter Worte (etwa plene/defektiv-Schreibungen oder qere/ketiv) bzw. masoretische Zählungen beziehen. Ziel des Projektes ist es, das Masoraverständnis des Yaʿaqov ben ͗Asher zu ergründen und zu klären, ob auch der Torakommentar vom Umstand beeinflusst ist, dass sein Autor eine Grenzgestalt zwischen den beiden kulturellen Räumen Sepharad und Aschkenas war. Um diesen Fragen nachgehen zu können, werden punktuelle Unterschiede zwischen sephardischer, orientalischer und aschkenasischer Masoratradition in mittelalterlichen Bibelkodizes herausgearbeitet werden. Des Weiteren soll das Projekt die Frage beantworten, wie stark Yaʿaqov ben ͗Asher seinen Kommentar an seine historischen Vorbilder Yehuda he-Ḥasid und Me ͗ir miRothenburg anlehnte, die ihrerseits masoretische Auslegungen verfasst haben. Es gilt auch zu beleuchten, bis zu welchem Grad das mystische Wissen der Ḥaside Ashkenaz sowie ihre prononcierten ethischen Vorstellungen in Yaaqovs Kommentar hineinspielten oder ob es sich bei seinem Werk, welches „das Herz vorantreiben“ (להמשיך הלב) soll, nicht eher um leichte Unterhaltungsliteratur eigenen Rechts handelt.

Der zunächst in Köln ansässige Yaʿaqov ben ͗Asher kam gegen 1305 mit ca. 35 Jahren nach Toledo. In Aschkenas hatte er ein Leben im Sinne traditioneller Gelehrsamkeit geführt. In der neuen Heimat sahen er und seine Familie, die auf Grund politischer Verstrickungen aus ihrer Heimat geflüchtet war, sich mit neuen Lebensrealitäten konfrontiert: Während in Aschkenas nach wie vor der Talmud wichtigster Lehrgegenstand war, übten sich Sephardim in der Kunst der Poesie, den Wissenschaften wie Grammatik und Astronomie und setzten sich mit der arabischen Literatur auseinander. Yaʿaqov ben ͗Asher wurde hier in erster Linie als Verfasser des epochalen halachischen Werks ’Arba ʿah Turim bekannt, das sämtliche Fragen jüdischen Lebens und Rechts behandelt und eine Integration zwischen aschkenasischer und sephardischer Rechts- und Kodifikationstradition darstellt. Die Forschung zu Inhalt und Verbreitung des Werkes hat gezeigt, dass dieses definitiv auf der iberischen Halbinsel entstanden ist (hierzu einschlägig Judah Galinsky).

Daneben ist Yaʿaqov ben ͗Asher aber auch Autor eines Torakommentars, der die von mir untersuchten masoretischen Notizen enthält. Dieser Kommentar ist heute vor allem in streng religiösen Kreisen beliebt und ist als Teil zahlreicher (später) Miqra ͗ot Gedolot-Ausgaben gedruckt worden. Er enthält neben den masoretischen Notizen Auslegungen zu paläographischen Besonderheiten des biblischen Texts sowie zu Zahlen- und Buchstabenspielen. Trotz seiner Popularität ist nur wenig über die kulturgeschichtlichen Aspekte und die Entstehungsgeschichte des Kommentars bekannt. Da sich die in dieser Zeit in Aschkenas und Spanien verwendeten Bibelkodizes in Bezug auf paläographische Phänomene, masoretische Zählungen und selten sogar in Schreibweisen einzelner Wörter unterscheiden, ist es möglich, den Ort der Entstehung des Kommentars zu ermitteln, was in der Forschung bisher nicht geschehen ist. Anhand eines Vergleichs seines Kommentars in seinen unterschiedlichen handschriftlichen Überlieferungen mit zeitgenössischen Bibelkodizes beider Räume, sollen Kongruenzen und Unterschiede zwischen den verschiedenen Masoratraditionen ausgelotet und der Kommentar innerhalb dieser verortet werden. Das Dissertationsprojekt leistet somit seinen Beitrag zum DFG-Langzeitvorhaben Corpus Masoreticum, dessen Aufgabe es ist, die masoretische Tradition Westeuropas zu beschreiben, die sich von der sephardischen, aber auch der bereits breit erforschten orientalischen Tradition in Bezug auf philologische und kunstgeschichtliche Inhalte unterscheidet.
 

Letzte Änderung: 07.10.2020