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Meldungen:


Februar 2024

Pitch Perfect

Nach erfolgreichem Pitch: Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und KORION sichern sich Projektförderung des BMBF für Computerspiel gegen Antisemitismus

Während der Begriff Pitch für eine Kurzvorstellung im Projektmanagement üblich ist, sorgt er in der Hochschullandschaft noch für Stirnrunzeln. Auf der Roadshow in Freiburg konnte indes die Projektidee von Rabb. Prof. Birgit Klein beim Pitch bei einer Konkurrenz von 25 Mitbewerber:innen überzeugen.

Vorausgegangen war eine Vorauswahl aus rund 3000 Projekten, die sich auf die Ausschreibung der Innovationssprints im Rahmen der DATIpilot-Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) beworben hatten. Dank der Fördersumme von EUR 300.000.- wird nun das Team von Hochschule und KORION, Softwareentwickler:innen aus Ludwigsburg, innerhalb von 18 Monaten den Prototyp eines Computerspiels gegen Antisemitismus entwickeln.

Als blinden Fleck bezeichnet die Forschung Antisemitismus in der Gaming-Szene, da Verschwörungstheorien und antisemitischen Stereotypen nichts entgegengesetzt werde. „Wir dürfen den Rechtsextremen dieses Medium nicht überlassen!“, betont Dr. Désirée Schostak, die das Projekt in Freiburg vorstellte. Dem Projektteam ist bewusst, dass sich Jugendliche in ihrer Freizeit eher nicht mit diesem schwierigen Thema auseinandersetzen wollen. Daher setzt es an einer anderen Stelle an: "Unser Game werden wir im Schulunterricht und in der politischen Bildungsarbeit einsetzen", so Klein.
Das Spiel knüpft an die historische Gestalt des Joseph Süß Oppenheimer ("Jud Süß") an, der schon vor 300 Jahren antijüdische Anfeindungen erfuhr und als Opfer eines Justizmords erhängt wurde. Indem es über die Spielfigur eines jungen Außenseiters die beiden Ebenen, Damals und Heute, verbindet, können Jugendliche im Game üben, Antisemitismus in ihrem heutigen Alltag zu erkennen und zu bekämpfen. Denn, so Klein, „nur eine politisch wache Jugend ist der Garant für eine offene Gesellschaft“.


Januar 2024

Ein Leuchtturm in einer sorgenvollen Zeit

Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Prof. Dr. Stephan Harbarth, zu Besuch in der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg

„In dieser sorgenvollen Zeit und vor allem nach den Ereignissen am 7. Oktober, die uns alle betroffen gemacht haben, möchte ich mit meinem Besuch ein kleines Zeichen der Verbundenheit setzen,“ so startet der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Prof. Dr. Stephan Harbarth, seinen Besuch der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg. Gleich zu Beginn wurde klar, wie wichtig ihm sein Kommen war – als ganz persönliches Anliegen, dem Antisemitismus etwas entgegenzusetzen. Die Hochschule bezeichnete Harbarth als „besonderen Leuchtturm des blühenden Jüdischen Lebens in Deutschland“.

Von Seiten der Hochschule startete Professor Ronen Reichman, Inhaber des Lehrstuhls Talmud, Codices und Rabbinische Literatur, die Vorstellungsrunde. Er sprach als Mitglied des Forums für den Vergleich der Rechtsdiskurse der Religionen. Dessen Ziel ist es, wissenschaftliche Gespräche zu Grundfragen der unterschiedlichen Rechtstraditionen, zu fördern und vergleichende Perspektiven zu ermöglichen. Gegründet bereits 2015, wird das Forum geleitet von Vertreter:innen der drei monotheistischen Religionen: Islam, Christentum und Judentum. Gerade das Thema des letzten Treffens im Jahr 2023: Die interne Sicht und Positionierung von Religion in Bezug auf weltliche/politische Macht, knüpfte aus Reichmans Sicht an den aktuellen Bezugsrahmen in Israel an. Dort gingen die Menschen gegen die geplanten, so genannten Justizreformen auf die Straße, bewies sich Israel über ein ganzes Jahr hinweg als „wehrhafte Demokratie“ und die Relevanz und Gefahr sei noch aktuell, so Reichman: „Diese demokratiegefährdende Maßnahme zeigt einen Versuch, den Grundsatz der politischen Gewaltenteilung durch die radikale Schwächung der judikativen Instanz zu brechen.“ Die Zukunft Israels hänge auch davon ab, welche Interpretation der rechtlichen Definition als Jüdisch-demokratischer Staat sich im gesellschaftlichen, politischen und rechtlichen Diskurs durchsetzen werde.

Professor Harbarth fügte hinzu, dass Besucher:innen des Israelischen Hohen Gerichts just zu dieser Zeit der Demonstrationen zu Gast beim Bundesverfassungsgericht waren, jedoch am Tag nach der Verabschiedung des ersten Teils der Justizreform ihre Reise abbrachen und nach Israel zurückkehrten, um sich den Eilfällen widmen zu können. Ebenso betonte er, wie essenziell die Judikative für das System der Gewaltenteilung in Israel sei.

Die Zusammensetzung seines noch recht neuen Graduiertenkollegs Ambivalent Enmity erläuterte Professor Becke, der den Lehrstuhl für Israel- und Nahoststudien leitet, und gemeinsam mit Wissenschaftler:innen der Universität Heidelberg das Kolleg letztes Jahr ins Leben gerufen hat. So steht der Begriff „Enmity – Feindschaft“ zwar stets im Mittelpunkt, doch die Blickrichtungen kommen aus den unterschiedlichsten Disziplinen. Das Kolleg vereint Wissenschaftler:innen für Osteuropa und den Nahen Osten mit Ansätzen aus der Geschichte, Linguistik, Literaturwissenschaft, Philosophie, Psychologie und Kunstgeschichte. Vielfach sei auch eine Faszination für den Feind / die Feindin zu beobachten, die zum Beispiel von Sprache und Kultur ausgehe, so Becke. Ziel der Forschungen sei es, ein vielschichtigeres, inklusiveres Verständnis für Konflikte, aber auch deren Lösungen zu erhalten.

Nicht zum ersten Mal dagegen stellte Rawan Osman ihr Projekt ArabsAsk vor, das sie gemeinsam mit Lukas Stadler und David Lüllemann ins Leben gerufen hat. Jedoch scheint der Zeitpunkt nie brennender und Osman nie überzeugter von der Notwendigkeit ihres Handelns: ArabsAsk besteht aus kurzen Videos auf TikTok und Instagram, in denen Osman aktuelle politische und gesellschaftliche Themen auf Arabisch erläutert: den Nahostkonflikt, Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus – Themen die polarisieren und schlimmstenfalls auch radikalisieren. Gemeinsam mit Ihren Kommilitonen gründete sie nun am 18. Januar nun den Trägerverein Post7October e. V., um sich auf ein stabiles Fundament für alle weiteren Schritte verlassen zu können. Der Verein wird von der Hochschule und deren Freundeskreis aktiv unterstützt.

Ob mit oder ohne Unterstützung: Die Studierendenvertretung der Hochschule ist seit dem 7. Oktober noch aktiver als zuvor. Überregionale Netzwerke werden geknüpft und Veranstaltungen gemeinsam bestritten, neue Formate diskutiert und im nächsten Semester ausprobiert. Über die vielen Aktivitäten berichtete die Studierende Cornelia D’Ambrosio, die zusätzlich ihre eigene Zerrissenheit in der eigenen Heimat Deutschland beschrieb. Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts fragte, hörte zu und hakte nach, ging über vom Sachlichen ins Persönliche und ließ so den Studierenden den Raum, auch ihre ganz subjektiven Erfahrungen zu schildern.

Bei einem Rundgang durch die Hochschule stellte Bibliotheksleiterin Angelika Stabenow die Bibliothek mit ihren etwa 50.000 Büchern vor, darunter ein Buch aus dem Bestand der 1801 gegründeten Jakobson-Schule Seesen. Stabenow leitete über zum Heidelberger Talmud. Dieser war bereits 1948 von der Heidelberger Druckerei Carl Winter im Auftrag der U.S.-Armee gedruckt worden, um den befreiten Juden in der amerikanischen Zone mehrere Ausgaben aushändigen zu können. Als Vorlage diente der der Wilnaer Talmud. Das Titelblatt zeigt eine Zeichnung eines verlassenen Konzentrationslagers auf der einen und dem Land Israel als Zukunftshoffnung auf der anderen Seite.

Den Ausklang bildete das Gespräch mit Rabbi Shaul Friberg, der von seiner regulären Arbeit, seinen interreligiösen Dialogen und Trialogen, aber auch dem exorbitant angestiegenen seelsorgerischen Bedarf seit dem 7. Oktober berichtete. Es war Friberg, der nach dem 7. Oktober darauf bestand, die monatliche Schabbatfeier nicht ausfallen zu lassen und der trotz eigener Betroffenheit dazu aufrief, nicht kleinbeizugeben.

Mit seinem Besuch und seinem ehrlichen Interesse ermunterte auch der Präsident des Bundesverfassungsgerichts die Hochschule auf indirekte Weise zum Weiterdenken, Weiterentwickeln und Weiterwachsen.


Januar 2024

Nie wieder ist jetzt? Und jetzt?

Projekt gegen Antisemitismus gründet Verein

Aktiv unterstützt von Angehörigen der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (HfJS) und deren Freundeskreis gründeten die Projektmitglieder von ArabsAsk in der Hochschule am 18. Januar 2024 den Trägerverein Post7October e. V..

Mit den Terrorangriffen der Hamas in Israel, geriet auch das Leben einiger Studierender in Heidelberg aus den Fugen. Zwar waren und sind sie alle unterschiedlich betroffen, doch in einem waren sie sich drei Studierende der HfJS einig: Wir müssen etwas tun. Die Idee von ArabsAsk reifte und wurde nun handfest umgesetzt in die Gründung des dazugehörigen Trägervereins Post7October e. V..

Worum es bei ArabsAsk geht, ist schnell erklärt: Rawan Osman, eine syrisch-libanesische Studentin der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, die bereits mehrere Jahre als Friedensaktivistin tätig ist, erstellt aufklärende Kurzvideos für TikTok und Instagram, die sich einzelnen Aspekten umstrittener Themen, wie zum Beispiel dem Nahostkonflikt, muslimischem Antisemitismus, Verschwörungstheorien, aber auch antiislamischem Rassismus widmen. Diese trägt sie vor der Kamera auf Arabisch vor. Unterstützt wird sie dabei von David Lüllemann, Masterand an der HfJS, der langjährige Erfahrungen in Schulungen zur Sensibilisierung für Antisemitismus mitbringt, und Lukas Stadler, Historiker und Judaist an der HfJS, der bereits für die jüdische Gemeinde Graz eine Broschüre gegen Antisemitismus verfasste.

„Araber:innen fragen“, so der Projektname – und erhalten Antworten auf Arabisch. Denn darum geht es: niedrigschwellige Informationsangebote, die akademisch fundiert und ansprechend gestaltet werden. Zusätzlich liefert die Beschreibung der Videos Verweise auf wissenschaftliche Literatur in arabischer, deutscher und englischer Sprache.

Das Projektteam erhofft sich dadurch auch einen Mitmacheffekt unter arabischsprechenden Menschen in Deutschland, die bisher schweigen. 

Mit der Vereinsgründung, die sowohl von Angehörigen der Hochschule als auch dem Freundeskreis der Hochschule aktiv unterstützt wurde, erfolgte nun der nächste Schritt, das Projekt auf tragende Säulen zu stellen. Zweck des Vereins ist laut Satzung „die Förderung der Erziehung, Volks- und Berufsbildung, die Förderung der internationalen Gesinnung, der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungsgedankens, und die Förderung des Andenkens an Verfolgte, Kriegs- und Katastrophenopfer“.

Aufklärende Videos stehen ebenso auf dem Programm wie die Teilnahme an Veranstaltungen, um die deutsch-europäisch-israelischen und die jüdisch-muslimisch-christlichen Beziehungen zu stärken.

Die finanzielle Unterstützung des Antisemitismusbeauftragten der Landesregierung verweist auf die Wichtigkeit des Vereins und soll anderen Geldgeber:innen als Anreiz dienen, hoffen die Akteur:innen. Für Werbung bleibt jedoch gerade wenig Zeit: Weitere Videos warten in der Pipeline und auch eine offizielle Website ist im Aufbau – erfreuliche Aussichten für alle Interessierten auch jenseits der Sozialen Medien.

 


 

Dezember 2023

Nach dem 7. Oktober - Wissenschaft und das Prinzip Hoffnung

Am Mittwoch besuchten der Staatssekretär Arne Braun aus dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, und Alexander Salomon, Vorsitzender des Arbeitskreises für Wissenschaft, Forschung und Kunst und Sprecher für Wissenschaft und Hochschule der Fraktion Die Grünen die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg. Begleitet wurden sie von Mitarbeiter:innen aus dem Ministerium und dem Arbeitskreis.

Neun Politiker und Politikerinnen aus Baden-Württemberg besuchten am Mittwoch die Hochschule für Jüdische Studien (HfJS) in Heidelberg, um sich nach dem 7. Oktober ein eigenes Bild über die Aktivitäten, aber auch über die Sorgen der Hochschulangehörigen zu machen.

Shaul Friberg, Rabbi der HfJS Heidelberg, berichtete der Gruppe vom enormen Anstieg an seelsorgerischer Tätigkeit seit den Terrorangriffen der Hamas auf Israel. Auch beobachtete er eine Zunahme israelischer Teilnehmender an der allmonatlichen Schabbatfeier, die er für alle Interessierten aller Religionen in der Hochschule organisiert.
„Wir dürfen auch nicht aufhören zu reden. Dialog, Trialog – wir müssen miteinander im Gespräch bleiben,“ so Friberg. Er freue sich besonders über das große Interesse und die offenen Solidaritätsbekundungen von Seiten der Politik. Alexander Salomon äußerte, dass er stolz und dankbar sei, „die Hochschule für Jüdische Studien als europäisches Kompetenzzentrum und weitere Zentren des jüdischen Lebens hier in Baden-Württemberg zu haben. Die Einschätzungen und Stimmen aus der Hochschule geben Orientierung und stärken alle, die sich informiert engagieren. Und hiervon braucht es gerade derzeit besonders viele.“

Nachdem die Gruppe ein wenig in der Bibliothek stöbern konnte und über die Bestände ebenso staunte wie über den geschichtsträchtigen Heidelberger Talmud, setzte man sich gemeinsam an den großen Tisch, um die momentane Situation zu diskutieren. Vorgestellt wurden auch Projekte, die aktueller sind denn je.

Nicht nur von Forschungsinteresse ist beispielsweise, das Projekt von Rabb. Prof. Dr. Birgit Klein. Hierbei sammeln und analysieren Wissenschaftler:innen jüdische Reaktionen auf Antisemitismus. Da sich die christlich-jüdische Annäherung bisher vor allem auf theologische Fragen beschränkte und auch die Ritualpraxis nach christlichen Begriffen gemessen wurde, zielt das Projekt auf mehr Verständnis und Akzeptanz durch eine ganz persönliche Annäherung. In Kurzvideos erklären Jüdinnen und Juden ihre persönlichen Gründe für bestimmte Rituale – sei es das Tragen einer Kippah, Kaschrut oder Observanz von Schabbat und Feiertagen. Jüdische Praxis und Religiosität erhalten Gesichter und sollen somit (be-)greifbarer werden.   

Philipp Zschommler, Mitarbeiter im Team Klein, leitet das Provenienzprojekt. Bereits seit 2019 widmet es sich der Erforschung der Herkunft von Büchern aus dem Bestand der Hochschulbibliothek. Unter den vor 1945 erschienenen Bände finden sich zahlreiche Exemplare, für die ein zu Unrecht erfolgter Entzug während des Naziregimes rekonstruiert werden kann. Die Eigentümer und Eigentümerinnen werden erforscht und deren Lebenswege mit dem Ziel nachgezeichnet, die Bücher an Nachkommen oder Nachfolgeeinrichtungen zurückzugeben.

Neben der Landesrabbinerschule in Budapest, so die frühere Bezeichnung des heutigen Rabbinerseminars, konnten schon über 200 Personen und Institutionen als rechtmäßige Eigentümer und Eigentümerinnen von Büchern, die vor allem über Schenkungen und antiquarische Ankäufe in den Besitz der Hochschule kamen, identifiziert werden. „Die Projekte werden zwar immer wieder gefördert, doch wäre eine Verstetigung sinnvoll, um langfristig Strategien entwickeln zu können“, so Zschommler.

Strategien entwickelt momentan auch die Studierendenvertretung der HfJS, „um dem besorgniserregenden Antisemitismus an Hochschulen und unter Studierenden etwas entgegensetzen zu können,“ so Cornelia D’Ambrosio. Neben dem ohnehin üblichen gesellschaftlichen Engagement wie beim jährlichen Mitzvah Day, dem Tag der guten Tat nach Jüdischem Glauben – den die Gruppe gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde Heidelberg dieses Jahr ukrainischen und israelischen Kindern widmete, habe man seit dem 7.Oktober überregionale Allianzen und Kooperationen geschmiedet. Zukünftig werden gemeinsam mit anderen jüdischen Organisationen Diskussionen und Vorlesungen organisiert und auch das Uni-Kino möchte man einbinden, so Anna Gazarian, ebenfalls von der Studierendenvertretung. „Wir wollen Filme von israelischen Filmemacher:innen zeigen, um Stigmata durch Berührungen im kulturellen Kontext abzubauen.“ Gerade in der jetzigen Zeit sei es wichtig, dass die sogenannte Gegenseite als Mensch wahrgenommen wird. Michael Joukov, Sprecher für studentische Belange und akademischen Nachwuchs der Landtagsgrünen, ergänzt: „Dass Jüdinnen und Juden an deutschen Hochschulen Hass ausgesetzt sind und bedroht werden, nehmen wir nicht hin, sondern kämpfen dagegen. Antisemitismus hat nirgends einen Platz, erst recht nicht auf dem Campus. Hochschulen sind Hüterinnen von Freiheit und Toleranz. Gemeinsam suchen wir daher den Schulterschluss mit den Verantwortlichen unserer Hochschulen und allen Hochschulangehörigen, die Antisemitismus aktiv entgegentreten und dadurch deutlich machen: Hochschulen sind Teil der Lösung und nicht Teil des Problems.“

Dem Antisemitismus aktiv entgegentreten, ist auch das Motto von drei Studierenden, die besonders das Problem des Israelbezogenen Antisemitismus in und aus den arabischen Ländern umtreibt. „Wir dürfen nicht vergessen, dass viele geflüchtete Kinder und Jugendliche aus islamisch geprägten Ländern mit antidemokratischer Desinformation und einem tief verwurzelten antisemitischen Weltbild aufgewachsen sind“, so Lukas Stadler, Historiker und Judaist an der HfJS, der bereits für die jüdische Gemeinde Graz eine Broschüre für Antisemitismusprävention verfasste. Die antiisraelischen Stereotypen können oft nicht bekämpft werden, wenn Wissen nur in Schulen und vornehmlich auf Deutsch vermittelt werde, pflichtet ihm auch David Lüllemann bei. Lüllemann ist Masterand an der HfJS und bringt langjährige Erfahrungen in Schulungen zur Sensibilisierung für Antisemitismus mit. Gemeinsam mit Rawan Osman, einer syrisch-libanesische Studentin der HfJS, die bereits mehrere Jahre als Friedensaktivistin tätig ist, konzipieren sie Videos für Tiktok: Niedrigschwellige Informationsangebote, akademisch fundiert, ansprechend gestaltet und vor allem: auf Arabisch vorgetragen. Einzelne Aspekte umstrittener Themenkreise wie zum Beispiel dem Nahostkonflikt, muslimischem Antisemitismus, Verschwörungstheorien, aber auch antiislamischem Rassismus werden aufgegriffen und auf ansprechende Weise in arabischer Sprache erklärt. Alle drei Studierende erhoffen sich einen Mitmacheffekt unter arabischsprechenden Menschen in Deutschland, die bisher schwiegen.

Staatssekretär Arne Braun zeigt sich besonders von diesem Projekt angetan: „Davon möchte ich gerne anderen erzählen: es ist praktisch und könnte als Vorbild für weitere Initiativen dienen.“

Indessen ist das Trio mit der Vereinsgründung beschäftigt und sucht weiter nach finanzieller Unterstützung, um endlich durchstarten zu können: „Ohne das Prinzip Hoffnung kämen wir momentan nicht weiter.“


November 2023

Bildung gegen Antisemitismus?

Aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung kam der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Jens Brandenburg, an die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (HfJS Heidelberg) zu Besuch.

Dass das deutsche Bildungssystem mit dem Thema Antisemitismus ein Problem hat, ist sicherlich nichts Neues. Dass es aber auch zahlreiche Verbesserungsvorschläge und innovative digitale Ideen gibt, diesem offensichtlichen Missstand entgegenzuwirken, davon konnte sich Dr. Jens Brandenburg, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, am Dienstag während seines Besuchs der HfJS Heidelberg überzeugen. „Es ist mir ein persönliches Anliegen, hier direkt vor Ort Ihre Eindrücke und Stimmung aufzunehmen. In Berlin habe ich am 9. Oktober bereits mit dem israelischen Botschafter gesprochen, in den folgenden Tagen mit der jüdischen Studierendenunion und weiteren Akteuren. Aber Antisemitismus ist auch hier in meiner Heimat, der Kurpfalz, ein Problem“, so Brandenburg.

Nicht nur von Forschungsinteresse ist beispielsweise der Projektverlängerungsantrag von Rabb. Prof. Dr. Birgit Klein. Hierbei sammeln und analysieren Wissenschaftler:innen jüdische Reaktionen auf Antisemitismus. Da sich die christlich-jüdische Annäherung bisher vor allem auf theologische Fragen beschränkte und auch die Ritualpraxis nach christlichen Begriffen gemessen wurde, zielt das Projekt auf mehr Verständnis und Akzeptanz durch eine ganz persönliche Annäherung. In Kurzvideos erklären Jüdinnen und Juden ihre persönlichen Gründe für bestimmte Rituale – sei es das Tragen einer Kippah, Kaschrut oder Observanz von Schabbat und Feiertagen. Jüdische Praxis und Religiosität erhalten Gesichter und sollen somit (be-)greifbarer werden.   

Begreifbarer machen und näherbringen möchte auch Rawan Osman, eine syrisch-libanesische Studentin der HfJS, die bereits mehrere Jahre als Friedensaktivistin tätig ist, das Thema, das nicht nur sie momentan umtreibt: Israelbezogener Antisemitismus in und aus den arabischen Ländern. „Wir dürfen nicht vergessen, dass viele geflüchtete Kinder und Jugendliche aus islamisch geprägten Ländern mit antidemokratischer Desinformation und einem tief verwurzelten antisemitischen Weltbild aufgewachsen sind“, so Osman. Die antiisraelischen Stereotypen können oft nicht bekämpft werden, wenn Wissen nur in Schulen und vornehmlich auf Deutsch vermittelt werde. „Wir brauchen niedrigschwellige Informationsangebote, akademisch fundiert und ansprechend gestaltet. Und vor allem: auf Arabisch vorgetragen.“ Gemeinsam mit Lukas Stadler, Historiker und Judaist an der HfJS, der bereits für die jüdische Gemeinde Graz eine Broschüre für Antisemitismusprävention verfasste, und David Lüllemann, Masterand an der HfJS, der langjährige Erfahrungen in Schulungen zur Sensibilisierung für Antisemitismus mitbringt, entwickelte Osman „ArabAsk“. Ein Projekt, bestehend aus aufklärenden Kurzvideos für TikTok und Instagram, das sich einzelnen Aspekten umstrittener Themenkreise wie zum Beispiel dem Nahostkonflikt, muslimischem Antisemitismus, Verschwörungstheorien, aber auch antiislamischem Rassismus widmet, und diese auf ansprechende Weise in arabischer Sprache erklärt. Zusätzlich liefert die Beschreibung der Videos Verweise auf wissenschaftliche Literatur in arabischer, deutscher und englischer Sprache. Alle drei Studierende erhoffen sich einen Mitmacheffekt unter arabischsprechenden Menschen in Deutschland, die bisher schwiegen.

Dass die Wissenschaft alleine jedoch nicht vor Antisemitismus und dessen gewaltsamen Auswirkungen schützen kann, weiß Irina Kissin, Ehefrau des Heidelberger Gemeinderabbiners. Sie beklagt, dass die Polizei sich nicht an Sicherheitsvereinbarungen hält. „Ich frage mich, ob die Situation bei den ausführenden Personen grundsätzlich durchgedrungen ist.,“ habe sie doch das Gefühl, nicht ganz ernst genommen zu werden. Nach dem Motto: Bisher lief doch alles gut. So wurde beispielsweise Lehrkräfte einer jüdischen Religionsklasse, deren Schulgebäude komplett ungeschützt ist, geraten, sie sollten doch den Unterricht online halten.

Aus Überforderung oder Angst weichen, ist vielerorts die Antwort oder auch der Rat: aufgrund fehlender Schutzmöglichkeiten für jüdische Schüler:innen, für Universitäten, die aus Angst vor Unruhen, auf öffentliche Veranstaltungen zum Thema Nahostkonflikt verzichten und auch vom Hissen der israelischen Flagge abraten. Studierende der Universität Heidelberg scheuen vor Seminaren an der HfJS, damit sie nicht in die Räumlichkeiten der Hochschule betreten müssen. So mögen Konflikt- und Gewaltpotenzial für den Moment begrenzt bleiben, dass diese Taktik jedoch komplett in die falsche Richtung geht, darin sind sich alle Anwesenden einig.

Während Irina Kissin allgemein für mehr Zivilcourage plädiert, rät Prof. Dr. Johannes Becke, Inhaber des Ben-Gurion-Lehrstuhls für Israel- und Nahoststudien an der HfJS, zu einem umfassenderen Geschichtsunterricht an Schulen. „Gerade die Region südlich des Mittelmeers ist in vielen Schulklassen sehr präsent, die Lehrkräfte jedoch sind hilflos.“ Im akademischen Bereich muss die Interdisziplinarität mehr genutzt werden, so Becke, „man muss über Israel-Palästina, den Elefant im Raum, sprechen.“ Klein stimmt ein, es sei nicht nur wichtig, dass dieses Wissen an wenige Lehramtsstudierende vermittelt werde, die Geschichte des Jüdischen Volkes solle auch grundsätzlich bundesweit in deren Curricula verankert sein, „nicht nur in Geschichte, sondern auch in der Theologie. Das sollte ein bundesweiter Appell an das Verantwortungsbewusstsein der Universitäten sein, um Antisemitismus vorzubeugen.“

Der Parlamentarische Staatsekretär zeigte sich bestürzt von den Schilderungen der Hochschulmitglieder: „Es ist erschreckend, dass sich Jüdinnen und Juden an deutschen Schulen und Hochschulen nicht mehr sicher fühlen. Wir müssen als Staat und Gesellschaft die Bedenken vor Ort ernst nehmen und die Sicherheit in den Einrichtungen gewährleisten.“ Auch müsse Antisemitismus bereits früh in den Schulen bekämpft werden, ergänzte Brandenburg. Hierzu habe sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung zum Ziel gesetzt, Lehrkräfte bei der Präventionsarbeit ganz konkret zu unterstützen. „Diese Arbeit wollen wir in enger Abstimmung mit den Ländern weiter ausweiten und vertiefen“, versicherte er und verwies auf bereits bestehende Projekte wie EMPATHIA, bei dem ein Kerncurriculum zur Antisemitismusprävention für angehende Polizistinnen und Polizisten sowie Lehrkräfte entwickelt wird. Des Weiteren fand hierzu Ende Oktober im Bundesministerium für Bildung und Forschung ein Fachgespräch zu „Antisemitismusprävention in der Bildung“ statt, an dem neben der Kultusministerkonferenz und dem Zentralrat der Juden auch Vertreter aus Forschung, Praxis und Zivilgesellschaft teilgenommen hatten.

Das überwiegende Gefühl im Raum jedoch bleibt, es gibt noch viel zu tun.
 


November 2023

Malen nach Zahlen

Der Innenminister Baden-Württembergs, Thomas Strobl, und der Antisemitismusbeauftragte der Landesregierung, Dr. Michael Blume, besuchen die Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg

Das Medieninteresse für den Besuch des Innenministers Thomas Strobl und des Antisemitismusbeauftragen von Baden-Württemberg Dr. Michael Blume am 3. November war so groß, dass auf etwa sechs eingeschriebene Studierendeetwa eine Pressevertretung, Fotograf oder Redakteur, kam.

Zynisch kann gesagt werden, dass sich nach dem 7. Oktober sämtliche Politiker:innen des Landes aufmachten, um sich vor jüdischen Einrichtungen oder Institutionen, die sich mit dem Judentum beschäftigen, ablichten zu lassen. Der Vorwurf zieht allerdings dann nicht ganz, wenn die Delegation mit dem ausdrücklichen Wunsch anrückt, sich im Beisein der Presse unzensiert mit Studierenden unterhalten zu wollen.

Statistiken sollen helfen, eine gefühlte Realität mit Zahlen zu untermauern oder eben, sie mit Fakten zu widerlegen. Laut Strobl wurden dem Landeskriminalamt Baden-Württemberg seit den Terroranschlägen der Hamas am 7. Oktober bis zum 23. Oktober antisemitische Straftaten und Aktionen im niedrigen dreistelligen Bereich gemeldet, die jedoch nicht strukturiert erfasst wurden. „Ich bin mir dessen bewusst, dass die Dunkelziffer natürlich höher ist,“ so Strobl. Das besänftigende Bild, das z.B. die SZ in ihrem Artikel zu Strobls Besuch, „Wenige antisemitische Vorfälle an Schulen“, anhand von Zahlen für Baden-Württemberg zu malen versucht, ist also tatsächlich ein beunruhigendes – und das nicht nur gefühlt.
Umgerechnet wurden in knapp zwei Wochen seit dem 7. Oktober bereits mehr als sieben Straftaten oder Aktionen pro Tag gemeldet. Ungezählt bleiben die Vorfälle, bei denen die Betroffenen nicht um Hilfe baten. Und ja, „an vielen Schulen gibt es auch Beratungslehrkäfte und insgesamt 28 schulpsychologische Beratungsstellen zum Umgang mit Diskriminierung“.
Das Problem bei diesen Zahlen ist die Tatsache, dass fast alle Maßnahmen erst dann in Kraft treten, wenn bereits etwas passiert ist. Und hier trifft gefühlte Realität  ̶  nämlich die Angst ums eigene Leben  ̶  auf Statistik: Ich muss erst zum Opfer werden, bevor etwas getan wird.

Jüdische Studierende der HfJS berichteten Strobl und Blume von ihren eigenen Erfahrungen; sei es bei einer Mahnwache in Mannheim zu den Terroranschlägen der Hamas, während derer einer Studentin gesagt wurde, dass Hitler „alles richtig gemacht“ hätte, sei es bei einem tendenziösen, anti-israelischen Vortrag im WeltHaus Heidelberg, während dessen über 50 Sympathisanten des selbsternannten Palästina-Aktivisten Georg Steins eine derart  angespannte Stimmung erzeugten, dass drei anwesende Studierende aus gutem Grund ihre Zugehörigkeit zur HfJS für sich behielten. Eine Polarisierung greift um sich – oder mit den Worten von Blume: „Dualismus erzeugt immer Extremismus, das ist das Gefährliche“.

Dabei mangelt es nicht an Ideen, radikalisierende Entwicklungen rechtzeitig zu verhindern: Angelika Stabenow, Leiterin der HfJS-Bibliothek, schlägt beispielsweise vor, mehr Ausflüge von Schulklassen zur Hochschule zu organisieren, um den Kindern so den Raum zu geben, sich mit dem Unbekannten auseinanderzusetzen. Auch der Hochschulrabbiner Shaul Friberg bestätigt: „Es ist das Fremde, das Angst macht. Ich bin ständig im Dialog, mit Studierenden, Jüdinnen und Juden, Muslimas und Muslimen wie auch Christinnen und Christen – treffe aber meistens auf die Menschen, die diese Scheuklappen gar nicht tragen.“

Auch beim Projekt des Zentralrats „Meet a Jew“ nähmen Menschen teil, die ohnehin bereits eine bemerkenswerte Offenheit an den Tag legten, so Blume, und fügt hinzu, dass Lehrkräfte oftmals beim Thema Nahostkonflikt, Antisemitismus oder der Geschichte Israels überfragt seien.

Diesem Problem will man durch ein weiteres Projekt Herr werden: Prof. Dr. Johannes Becke, Inhaber des Ben-Gurion-Lehrstuhls für Israel- und Nahoststudien an der HfJS, setzt sich gemeinsam mit der Abteilung Islamwissenschaft der Universität Heidelberg für eine Abordnung einer Lehrkraft an den Standort Heidelberg ein, „um in Abstimmung mit dem Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung in Baden-Württemberg schulische Fortbildungen zur Geschichte und Politik Israels und des Nahen Ostens zu organisieren“. Anders als beim bereits existierenden Pilotprojekt in Bayern, wo die Stelle an der Abteilung Jüdische Geschichte angesiedelt ist, zielt das Heidelberger Projekt auf eine Begegnung der zwei Fächer auf Augenhöhe. So solle ein Angebot für Schülerinnen und Schüler geschaffen werden, sich mit den wichtigsten Themen der Region auseinanderzusetzen. „Heidelberg ist für dieses Projekt ideal,“ so Becke: „Der Wissenstransfer von Jüdischen Studien und Islamwissenschaft ist bereits erprobt. Die Masteranden der Nahoststudien profitieren genau von dieser Verknüpfung, die der Vielfalt der israelischen Gesellschaft, aber auch der Nachbargesellschaften gerecht werden soll.“ Gemeinsam mit Lehramt-Studierenden könnte Unterrichtsmaterial entwickelt und vom Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung getestet werden. Die Idee ist, Wissenstransfermöglichkeiten für alle Schulformen zu entwickeln und auch auf potenziell emotionale Verflochtenheit eingehen zu können – etwas, womit aktuell viele Lehrkräfte überfordert seien.

Emotional verflochten ist auch Rawan Osman, eine syrisch-libanesische Studentin der HfJS, die bereits mehrere Jahre als Friedensaktivistin tätig ist. „Wir dürfen nicht vergessen, dass viele geflüchtete Kinder und Jugendliche aus islamisch geprägten Ländern mit antidemokratischer Desinformation und einem tief verwurzelten antisemitischen Weltbild aufgewachsen sind“, so Osman. Die antiisraelischen Stereotypen können oft nicht bekämpft werden, wenn Wissen nur in Schulen und vornehmlich auf Deutsch vermittelt werde. „Wir brauchen niedrigschwellige Informationsangebote, akademisch fundiert und ansprechend gestaltet. Und vor allem: auf Arabisch vorgetragen.“ Gemeinsam mit Lukas Stadler, Historiker und Judaist an der HfJS, der bereits für die jüdische Gemeinde Graz eine Broschüre für Antisemitismusprävention verfasste, und David Lüllemann, Masterand an der HfJS, der langjährige Erfahrungen in Schulungen zur Sensibilisierung für Antisemitismus mitbringt, entwickelte Osman „ArabAsk“. Ein Projekt, bestehend aus aufklärenden Kurzvideos für TikTok und Instagram, das sich einzelnen Aspekten umstrittener Themenkreise wie zum Beispiel dem Nahostkonflikt, muslimischem Antisemitismus, Verschwörungstheorien, aber auch antiislamischem Rassismus widmet, und diese auf ansprechende Weise in arabischer Sprache erklärt. Zusätzlich liefert die Beschreibung der Videos Verweise auf seriöse, wissenschaftliche Literatur in arabischer, deutscher und englischer Sprache. Alle drei Studierende erhoffen sich einen Mitmacheffekt unter arabischsprechenden Menschen in Deutschland, die bisher schwiegen. Mit einem privaten Video erreichte Osman bereits über eine halbe Million Aufrufe in verschiedenen sozialen Medien, nachdem es vom Außenministerium Israels und einem syrischen Oppositionsmedium geteilt wurde.

Noch steckt das Projekt jedoch in Kinderschuhen und wartet auf finanzielle Mittel zur Unterstützung.

Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit? (Tocotronic)

Während der Innenminister mit seinem Besuch vor allem ein Zeichen der Solidarität setzen wollte und davon überzeugt ist, dass wir alle aufgerufen sind, uns Hass und Hetze entgegenzusetzen, Stichwort: „Der Antisemitismus war nie weg“, zeigte Dr. Blume sich tatsächlich begeistert von den verschiedenen Ansätzen, die sowohl dem hausgemachten als auch dem migrierten Antisemitismus entgegen wirken können. Es bleibt abzuwarten, wie nachhaltig sich diese Begeisterung auf die Bereitstellung von Geldern zur Umsetzung der verschiedenen Projektideen auswirkt.

Das wichtigste Zeichen bei all diesen Besuchen scheint, den Worten auch gemeinsame Taten folgen zu lassen, damit anhand von Zahlen ein wirklich positives Bild gemalt werden kann.


Juli 2023

Die Heidelberger Hochschulrede,

oder: Carolin Emcke und das unbedingte Ringen um Wahrheit

Nach über vier Jahren sollte sie nun wieder stattfinden, die Heidelberger Hochschulrede in der Aula der Alten Universität Heidelberg. Ins Leben gerufen wurde diese Veranstaltungsreihe von Prof. Dr. Salomon Korn, zu der Zeit Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Vorsitzender des Kuratoriums der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, im Jahr 2005 und sie konnte schon viele namhafte Rednerinnen und und Redner locken: angefangen mit dem Literaturkritiker und Autor Marcel Reich-Ranicki über die ehemalige Kanzlerin Dr. Angela Merkel und die Schauspielerin Iris Berben bis hin zum Schauspieler und Moderator Harald Schmidt sowie der Sozialwissenschaftlerin und Autorin Dr. Necla Kelek.

Carolin Emckes gestrige Präsentation war eine Veranstaltung der besonderen Art. Zum Thema Zeugenschaft und Krieg – Über die Ethik des Erzählens nahm die Autorin und Publizistin die Zuhörenden mit auf eine Reise: Anhand von Fotos durften sie die Rednerin auf der Suche nach der Wahrheit begleiten. Zugegeben, einige der gezeigten Bilder von Kriegsschauplätzen, versehrten Menschen und zerstörten Städten, wühlten ob ihrer dargestellten Grausamkeit auf – wobei Emcke stets rechtzeitig warnte, die Augen zu schließen, wollte man sich diese Darstellungen nicht zu Gemüte führen. Im Kontext mit den sensiblen und bedachten Worten der Vortragenden jedoch halfen sie dem Publikum dabei, die Schwierigkeiten der Zeugenschaft zu (be)greifen.

„Zeugin“ statt distanzierter, objektiver Beobachterin: Der Unterschied ist durchaus wichtig, so Emcke, da sich niemand für unfehlbar halten sollte. Stattdessen müsse sie als Zeugin, die eigene Subjektivität, die eigenen Irrtümer, die eigenen Grenzen reflektierend, stets um die Wahrheit ringen. Anders als die Menschen, von deren Leid sie berichtet, anders als die Überlebenden von Gewalt in Kriegsgebieten, kann sie wieder abreisen und ist sich dieses Privilegs bewusst.

Das Trümmerfeld in Port-au-Prince (Haiti) nach dem Erdbeben 2010 kommentierte sie mit den Worten: „Zuerst lässt sich dieser Anblick nicht verstehen, dieses Ausmaß. Das Bewusstsein hinkt der Erfahrung hinterher.“ Zum Nicht-Verstehen-Können aus Überforderung käme oft ein Nicht-Glauben-Wollen, Aspekte, die vielmals in Kriegsberichten und Reportagen unerwähnt blieben. Gerade wenn versehrte Menschen ihre Leidensgeschichten erzählten, so die Rednerin, besteht die Gefahr, dass in uns ein moralischer Widerstand erregt wird: Es könne einfach nicht sein, dass Menschen einander so etwas antun.

Innerhalb von mehr als einer Stunde begleitete das Publikum Carolin Emcke auf ihrer Reise durch die Kriegs- und Trümmergebiete der Welt, gleichzeitig jedoch auch auf ihrer inneren Reise, die eigenen ideologischen und kulturellen Sichtblenden sowie normativen Erwartungen reflektierend, stets auf der Suche nach einer Beschreibung der Wahrheit.

Die Trägerin des Carl-von-Ossietzky-Preises sprach frei, präzise und unaufgeregt. Nach der Präsentation lud sie zu Fragen aus dem Publikum ein, für die sie sich offen und interessiert zeigte. Und während der Rektor der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, Prof. Dr. Werner Arnold, sie bereits in seiner Begrüßungsrede für ihren Mut bewunderte, zeigte Carolin Emcke während ihres Vortrags vor allem eines, ihre eigene Wahrhaftigkeit.


Juli 2023

"Blut ist ein ganz besonderer Saft" - Medizinische, historische, ethisch-religiöse Betrachtungen aus jüdischer Sicht und mehr

Workshop an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg

Der interdisziplinäre Workshop zum Thema „Blut ist ein ganz besonderer Saft“ am 14. Juli an der Hochschule für Jüdische Studien lockt mit einer wissenschaftlich breitgefächerten Herangehensweise an die faszinierende Körperflüssigkeit.

Referentinnen und Referenten nutzen den gesamten Tag, beginnend um 11 Uhr, um in kurzen Vorträgen die Bedeutung von Blut aus der Perspektive ihres jeweiligen  Forschungsgebietes zu erläutern.
So wird unter anderem dem Begriff in jüdischen und christlichen Kontexten der Vergangenheit und Gegenwart nachgegangen, aber auch dem Nutzen von tatsächlichem Blut in der modernen Medizin. Während der Rektor der Hochschule, Prof. Dr. Werner Arnold, sich dem Thema Blut im Modernen Vorderen Orient widmen wird, greift Dr. Andreas Brämer, stellvertretender Direktor des Hamburger Instituts für die Geschichte der deutschen Juden, den Komplex Schächten und die Schächt-Debatte in Deutschland seit 1945 auf. Aus Rom wird Rav Riccardo di Segni, Oberrabbiner von Rom und selbst Arzt mit dem Spezialgebiet der Radiologie, zugeschaltet sein, der auf „Genes, Genius and Blood in Ashkenazi Communities“ eingehen wird.

Der Workshop ist Teil eines Forschungsprojektes von Rav Prof. Dr. Birgit Klein (Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg), das sie gemeinsam mit ihrem Projektpartner, dem Hämatologen und Onkologen Prof. Dr. Michael Schmitt (Universität Heidelberg), durchführt. Gerade der interdisziplinäre Ansatz des am Marsilius-Kolleg der Universität Heidelberg angesiedelten Projektes macht es möglich, die ethisch-religiösen Implikationen im Umgang mit Blutprodukten, Transplantation und Gentechnik zu erörtern.

Die Teilnahme am Workshop ist kostenfrei und offen für alle. Zur anschließend stattfindenden karibischen Schabbatfeier um 19 Uhr wird um Anmeldung gebeten (registration@hfjs.eu).


Mai 2023

Strukturen, die stützen und Menschen verbinden

Der israelische Botschafter Ron Prosor zu Besuch bei der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg

„Wir haben uns gefragt, warum Sie sich mit uns treffen möchten“ – Während bei dieser Direktheit oder auch Chuzpe der Studierenden nun wahrscheinlich sämtliche Anwesenden im Raum die Luft anhielten,  zeigte sich der israelische Botschafter Ron Prosor nicht nur gelassen, sondern hatte auch noch eine kluge Antwort parat. Beim gemeinsamen Gespräch mit Studierenden der Hochschule für Jüdische Studien (HfJS) betonte er die Wichtigkeit von Strukturen: „Ich liebe Strukturen. Menschen erschaffen diese Strukturen, die verbinden. Es gibt jetzt eine neue Verbindung der Hochschule mit Israel, die Amtszeiten überdauert.“ Während Prosor sich für Austausch- und Fördermöglichkeiten der Studierenden interessierte, fragten diese ihn wiederum nach seinen Erfahrungen bei den Vereinten Nationen, die er teils ernst, teils spaßend, doch immer um die Wichtigkeit der Einrichtung wissend, kundtat.

Im Rahmen seines Besuchs bekam der Botschafter auch die Bibliothek der HfJS zu sehen, wo Lena Bindrim, Bibliotheksangestellte und Judaistin, ihm auch den Heidelberger Talmud zeigte. Dieser war bereits 1948 von der Heidelberger Druckerei Carl Winter im Auftrag der U.S.-Armee gedruckt worden, um den befreiten Juden in der amerikanischen Zone mehrere Ausgaben aushändigen zu können. Vorlage hierfür war der Wilnaer Talmud. Das Titelblatt zeigt eine Zeichnung eines verlassenen Konzentrationslagers auf der einen und dem Land Israel als Zukunftshoffnung auf der anderen Seite.

Ein weiterer Abstecher galt der Mensa der HfJS. Das ist der Ort in Heidelberg, an dem nicht nur koscher, sondern auch lecker gegessen werden kann. Dies prüfte Prosor beim gemeinsamen Gespräch mit Rektor Prof. Dr. Werner Arnold, Vizerektor und Studiendekan Prof. Dr. Viktor Golinets und Dr. Mirjam Wilhelm, zuständig für die Internationalisierung der Hochschule.
 


April 2023

Blut Im Kleinen ganz groß - die Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg

Wissenschaftsministerin Petra Olschowski, verantwortlich für Hochschulen, Forschungs- und Kunsteinrichtungen in Baden-Württemberg, zu Besuch bei der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg  

Hoher Besuch wirkt stets etwas zurückhaltend oder abwartend, wenn er die Sicherheitspforte der Hochschule für Jüdische Studien (HfJS) in der Heidelberger Landfriedstraße passiert hat. Diese Unsicherheit weicht jedoch schnell einem Gefühl des Willkommenseins in diesem kleinen akademischen Kosmos. So erging es auch Ministerin Petra Olschowski, die sich begeistert zeigte vom herzlichen Miteinander. Während ihres Besuchs der Hochschule am Donnerstagmorgen erfuhr sie, dass die HfJS heute mit über 100 eigenen Studierenden und mindestens genauso viel Teilnehmenden in Programmen der Universität, sowie 20 Dozierenden europaweit die größte Einrichtung ihrer Art ist, und auch über ein gemeinsames Promotionsrecht mit der Universität Heidelberg verfügt. Das Spektrum der Lehrstühle reicht von Bibel und Talmud über Geschichte, Philosophie, Literaturen, Kunst und Sprachwissenschaft bis hin zu den Israel- und Nahoststudien.

Wissenschaftsministerin Petra Olschowski betonte: „Die Hochschule für Jüdische Studien ist in ihrer Struktur und Ausrichtung einzigartig in Deutschland. Kein anderer Ort bietet Studierenden und Forschenden eine so umfassende und intensive Beschäftigung und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit allen Facetten jüdischer Religion, Geschichte, Kulturen und Gesellschaften. Die Landesregierung ist dankbar, dass Baden-Württemberg Sitzland dieser wichtigen Hochschule ist!“


„Wir profitieren vom Kleinen im Großen,“ so Rektor Professor Dr. Werner Arnold. „Fernab von der Anonymität großer Einrichtungen geht es bei uns um ein tägliches Miteinander, während unsere Studierenden gleichzeitig von den vielen Kooperationen mit ausländischen akademischen Einrichtungen und nicht zuletzt der Universität Heidelberg schöpfen können.“

Interessiert zeigte sich Olschowski auch gegenüber den Erfahrungen des Campus-Rabbiners Shaul Friberg. Er ist bereits seit 2008 an der HfJS tätig, und seine monatlichen Schabbat-Feiern sind mittlerweile so beliebt, dass er um Anmeldungen bereits im Voraus bitten muss, um die Räumlichkeiten nicht zu sprengen.

Nach einem ausführlichen Gespräch mit Studierenden und zum Abschluss des Besuchs erläuterten zwei Professorinnen ihre aktuellen Forschungsprojekte, die neue Perspektiven und Ansätze für ein breites Spektrum an Fachrichtungen bieten.

Professorin Dr. Hanna Liss stellte zwei Editions-Langzeitprojekte vor und erklärte ihre Einbindung in den Bereich der Digital Jewish Studies und Digital Humanities. Das erste Projekt beschäftigt sich mit der masoretischen Glossierung nordfranzösischer und deutscher mittelalterlicher Bibelmanuskripte und dem an ihnen erkennbaren Einfluss christlicher Buchmalerei und Architektur. Das zweite Projekt bearbeitet hebräisch-französische Bibelglossare als exzeptionelle Zeugen für eine sich zeitgleich entwickelnde (jüdische und christliche) französische (Bibel-)Lesekultur im mittelalterlichen Westeuropa. Die hier gezeitigten Ergebnisse werfen schon jetzt ein neues Licht auf die europäische Geschichte des Bibeltextes und seiner jüdischen Auslegung und liefern wichtige wissenschaftliche Impulse nicht nur für die Jüdischen Studien, sondern auch für die verschiedenen Theologien, die mittelalterliche Kunstgeschichte sowie die mittelalterliche Wissensgeschichte.

Um das Thema „Blut“ geht es bei dem Forschungsprojekt von Rabbinerin Prof. Dr. Birgit Klein: „´Blut ist ein ganz besonderer Saft!´ – Medizinische, historische und ethisch-religiöse Betrachtungen aus Sicht des Judentums“, das sie gemeinsam mit ihrem Projektpartner, dem Hämatologen und Onkologen Prof. Dr. Michael Schmitt, am Marsilius-Kolleg der Universität Heidelberg durchführt. Seit dem Ende der kultischen Opfer infolge der Tempelzerstörung 70 n. chr. Z. habe im Judentum das Blut seine rituelle Funktion verloren. Nachweislich seit dem Spätmittelalter sei Blut therapeutisch als Heilmittel in einer Weise eingesetzt worden, die nach heutiger Kenntnis als medizinisch gerechtfertigt zu beurteilen ist. Wie Klein betonte, sei es daher aus jüdischer Perspektive vertretbar, wenn gentechnisch veränderte T-Zellen und Stammzellen aus Blutpräparaten zur Behandlung von Leukämie und anderen Krebserkrankungen eingesetzt würden, so an der Universität Heidelberg durch den Projektpartner. Der interdisziplinäre Ansatz des Projektes ermögliche es auch, die ethisch-religiösen Implikationen im Umgang mit Blutprodukten, Transplantation und Gentechnik zu erörtern.
 


April 2023

Blut NS-Raubgut aus dem Rabbinersemeinar Budapest in der Bibliothek der Hochschule für Jüdische Studien

Restitution und Abendvortrag an der HfJS

Das Projekt der Herkunftsforschung von Büchern an der Hochschule für Jüdische Studien (HfJS) erfährt am Abend des 26. Aprils einen denkwürdigen Moment. Forscher und Forscherinnen der Hochschule überreichen Gästen der Budapester Universität für Jüdische Studien vier seltene Drucke aus dem 16. Jahrhundert, die als NS-Raubgut nach Heidelberg gelangten: eine Ausgabe des Talmuds, zwei Mischne Tora Bände von Maimonides und ein Sefer Mekor Chajim (ein Buch, das sich mit alten und neuen Fragen beschäftigt).

Neben der Landesrabbinerschule in Budapest, so die frühere Bezeichnung der Einrichtung, konnten schon über 200 Personen und Institutionen als rechtmäßige Eigentümer und Eigentümerinnen von Büchern, die vor allem über Schenkungen und antiquarische Ankäufe in den Besitz der Hochschule kamen, identifiziert werden.

 Bereits seit 2019 widmet sich das Projekt an der HfJS der Erforschung der Provenienz von Büchern aus dem Bestand der Hochschulbibliothek. Unter den vor 1945 erschienenen Bänden finden sich zahlreiche Exemplare, für die ein zu Unrecht erfolgter Entzug während des Naziregimes rekonstruiert werden kann. Die Eigentümer und Eigentümerinnen werden erforscht und deren Lebenswege mit dem Ziel nachgezeichnet, die Bücher an Nachkommen oder Nachfolgeeinrichtungen zurückzugeben.

Eine dieser von den Nationalsozialisten beraubten Einrichtungen ist die Rabbinerschule in Budapest, aus deren Eigentum bisher 17 Bücher in Heidelberg ausfindig gemacht werden konnten.

Die Rückgabe der Bücher an die Budapester Institution, die älteste noch existierende Rabbinerschule der Welt, wird begleitet von einer Ausstellung der Bücher und einem öffentlichen Abendvortrag, in dem Dr. Tamási Balázs, der Leiter der Budapester Bibliothek des "Jewish Theological Seminary - University of Jewish Studies", einen historischen Überblick über die Einrichtung darstellt: "The Library of the Jewish Theological Seminary - University of Jewish Studies, Hungary: Past and Present".

Das von Rabbinerin Prof. Dr. Birgit Klein geleitete Projekt zu NS-Raubgut wird gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste sowie der Lilli und Michael Sommerfreund Stiftung.

Weitere Informationen zum Projekt: https://www.hfjs.eu/provenienzforschung/start.html

 

Die Veranstaltung findet am 26. April ab 18 Uhr im Foyer der Hochschule für Jüdische Studien statt.


November 2022

Und nach dreitausend Jahren: das kulturelle Erbe der Juden aus Syrien und dem Libanon

Vortrag von Prof. Dr. Aharon Geva-Kleinberger zum Gedenktag an die Vertreibung der Juden aus den arabischen Ländern

Zum Gedenktag an die Vertreibung der Juden aus den arabischen Ländern hält Prof. Dr. Aharon Geva-Kleinberger (Universität Haifa) am 30.11.2022 einen Vortrag an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (Landfriedstraße 12) mit dem Titel „Und nach dreitausend Jahren: das kulturelle Erbe der Juden von Syrien und Libanon“. Im Anschluss findet eine Gedenkzeremonie mit Hochschulrabbiner Shaul Friberg statt sowie ein kleiner Empfang in der koscheren Mensa der Hochschule. Die Veranstaltung beginnt um 18.15 Uhr und wird ebenfalls online via Zoom übertragen.

In seinem Vortrag gibt der Sprach- und Kulturforscher Prof. Dr. Aharon Geva-Kleinberger einen kurzen Überblick über das syrische und libanesische Judentum. Er lässt wichtige zeitliche Stationen des jüdischen Erbes der zum Teil weit voneinander entfernten Gemeinden im arabischsprachigen Nahen Osten Revue passieren. Gleichzeitig wirft er auch die dringlichen Fragen der Bewahrung auf. Es besteht dringender Handlungsbedarf - bevor die Dinge verschwinden, als ob sie nie existiert hätten.

Die jüdischen Gemeinden im Raum Syrien und Libanon gehören zu den ältesten außerhalb des Heiligen Landes und sind etwa dreitausend Jahre alt. In den letzten Jahrzehnten haben jedoch die meisten einheimischen Juden in diesen Ländern ihre traditionellen Siedlungsorte verlassen und sind in alle Teile der Welt emigriert. Die meisten von ihnen haben inzwischen die Sprache der Auswanderungsländer übernommen und sich der neuen Kultur- und Sozialformen angepasst. Die Fortführung dieses uralten Erbes ist daher akut gefährdet. Gleichzeitig sind viele Synagogen und andere Überbleibsel jüdischen Lebens in Syrien und Libanon in schlechtem Zustand oder zerstört. Umso wichtiger ist es, die noch lebenden Zeugen und Vertreter dieser Tradition des Judentums im Nahen Osten zu Wort kommen zu lassen, ihre Kultur und Sprache wissenschaftlich zu dokumentieren und damit für die Nachwelt zu erhalten.
Prof. Dr. Aharon Geva-Kleinberger ist Sprach- und Kulturforscher an der Abteilung für Arabische Sprache und Literatur an der Universität Haifa. Er ist Experte für Dialekte in der arabischen Welt, insbesondere auf dem Gebiet der palästinensischen Dialekte und Forscher für moderne semitische Sprachen. Geva-Kleinberger promovierte an der Universität Erlangen-Nürnberg unter der Leitung des weltbekannten Prof. Otto Jastrow (Semitische Philologie) zusätzlich zu Islamwissenschaft und Assyriologie. Seine aktuelle Forschung konzentriert auf die Erforschung jüdisch-arabischer Dialekte.

Anlass der Veranstaltung ist der „Gedenktag an die Vertreibung der jüdischen Gemeinschaften aus den arabischen Ländern und dem Iran im 20. Jahrhundert“, der in Israel am 30. November begangen wird. Dieses Datum wurde am 23. Juni 2014 symbolisch von Israels Parlament festgelegt, weil es auf den 29. November folgt, den Tag, an dem im Jahr 1947 der Teilungsplan der Vereinten Nationen für Palästina verabschiedet wurde. Die Staatsgründung Israels hatte die Vertreibung von Jüdinnen und Juden aus arabischen Ländern zur Folge. Lebten 1948 noch rund 850.000 Jüdinnen und Juden in arabischen Ländern, sind es heute nur noch wenige Zehntausend. Von den einst uralten, blühenden jüdischen Gemeinden gibt es heute nur noch wenige Spuren.

Da die Plätze begrenzt sind, wird um Anmeldung gebeten bis zum 25.11. unter registration@hfjs.eu. Die Veranstaltung wird auch online via Zoom übertragen, unter folgendem Link kann man teilnehmen: shorturl.at/bnrKX bzw. über die Webinar-ID 662 7884 4255 (Kenncode: 204493).


November 2022

Bibelglossare als verborgene Kulturträger. Judäo-französischer Kulturaustausch im Hochmittelalter
Forschungsprojekt von Prof. Dr. Hanna Liss in Akademieprogramm 2023 aufgenommen

Ab 2023 startet ein neues Forschungsvorhaben der Heidelberger Akademie der Wissenschaften unter der Leitung von Prof. Dr. Hanna Liss von der Hochschule für Jüdische Studien gemeinsam mit dem Romanisten Dr. Stephen Dörr. Das Langzeitvorhaben Bibelglossare als verborgene Kulturträger. Judäo-französischer Kulturaustausch im Hochmittelalter“ wurde jüngst nach dem Beschluss der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz neu in das gemeinsame Forschungsprogramm der Wissenschaftsakademien aufgenommen. Das judaistisch-romanistische Forschungsprojekt ist ein Beitrag zur judäo-französischen Sprach- und Literaturtradition, die in ihrer kulturwissenschaftlichen, linguistischen und theologiegeschichtlichen Bedeutung erstmals und inter­disziplinär aufgearbeitet werden soll.

Mit Prof. Dr. Hanna Liss wurde in diesem Jahr erstmalig eine Professorin der Hochschule für Jüdische Studien in die Heidelberger Akademie der Wissenschaften aufgenommen. An der Hochschule für Jüdische Studien leitet sie seit 2003 den Lehrstuhl für Bibel und Jüdische Bibelauslegung. Seit dem 16. Juli 2022 Prof. Liss ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

Nähere Informationen zum Forschungsprojekt können Sie der Pressemittelung der Heidelberger Akademie der Wissenschaften entnehmen.


Juli 2022

Jüdische Studien: Ein Fach mit politischer Sprengkraft?
Workshop „The Politics of Jewish Studies” mit öffentlichem Vortrag von Professor Dr. David N. Myers (UCLA)

Heidelberg, 5. Juli 2022 - Vom 11. bis zum 13. Juli findet an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg der Workshop „The Politics of Jewish Studies” statt. Als Einstieg dient der öffentliche Keynote-Vortrag „The Politics of Jewish History: Definitional, Historical, and Personal Reflections“ von David N. Myers (UCLA) am 11. Juli um 19.00 Uhr in der Aula der Alten Universität (Grabengasse 1). Der Vortrag ist in englischer Sprache.

Die Beschäftigung mit jüdischer Geschichte und Gegenwart erhitzt die Gemüter – kein anderes Thema produziert mit ähnlicher Regelmäßigkeit tief polarisierte Debatten über Erinnerungskultur, Antisemitismus-Definitionen oder die Grenzen vermeintlicher „Israelkritik“. Aber wie sollte sich das Forschungsfeld der Jüdischen Studien angesichts solcher Debatten positionieren? Und unter welchen politischen Bedingungen operiert das Fach, das keineswegs überall in den Kanon deutscher Universitäten integriert ist? Mit anderen Worten: Wie politisch ist jüdische Geschichte? Diesen Fragen widmet sich der dreitägige Workshop, der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler u.a. aus Deutschland, Israel, den USA, Dänemark und den Niederlanden nach Heidelberg bringt, um sich mit der politischen Dimension der Jüdischen Studien auseinanderzusetzen: Wie kann israelische bzw. palästinensische Geschichte in die Jüdischen Studien integriert werden – und welche Zugänge bieten die Jüdischen Studien für die Erschließung der jüdisch-muslimischen Beziehungen? Wie kann mit der Herausforderung der postkolonialen Theorie umgegangen werden – und warum sind immer noch Judaistik-Lehrstühle an Instituten für christliche Theologie angesiedelt? Wie sollten die Jüdischen Studien mit der Tatsache umgehen, dass sich mit der postsowjetisch-jüdischen Einwanderung die jüdische Gemeinschaft in Deutschland grundlegend gewandelt hat – und wie beeinflussen gesellschaftliche Debatten über Nahostkonflikt und Antisemitismus das Fach selbst?

Der Workshop findet in Kooperation mit dem Heidelberger Centrum für Transkulturelle Studien der Universität Heidelberg, dem Moses Mendelssohn Zentrum für Europäisch-Jüdische Studien und dem Institut für Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin statt und wird unterstützt von der Alfried Krupp von Bohlen-Halbach Stiftung.

David N. Myers ist Professor für jüdische Geschichte an der University of California in Los Angeles (UCLA) und Vorsitzender des Stiftungsrates des New Israel Fund (NIF), einer Stiftung, die sich für die Förderung der israelischen Zivilgesellschaft einsetzt. Neben Publikationen zur deutsch-jüdischen und europäisch-jüdischen Geistesgeschichte ist Prof. Myers nicht zuletzt für sein Buch The Stakes of History: On the Use and Abuse of Jewish History for Life (Yale University Press, 2018) bekannt.


Juni 2022

Buchvorstellung: „Otto Meyerhof – Ein Forscherleben zwischen Ruhm und Vertreibung“

Am 28. Juni um 18.30 Uhr stellt Prof. Dr. med. Michael Schmitt sein kürzlich erschienenes Buch „Otto Meyerhof – Ein Forscherleben zwischen Ruhm und Vertreibung“ in der Hochschule für Jüdische Studien (Landfried-Str. 12, Heidelberg) vor. Prof. Dr. med. Michael Schmitt ist Professor für Zelluläre Immuntherapie an der Universität Heidelberg und neuer Vorsitzender des Freundeskreises der Hochschule für Jüdische Studien. Im Rahmen der Buchvorstellung spricht Prof. Dr. Frederek Musall, stellvertretender Rektor der Hochschule für Jüdische Studien zum Thema „Nach Halle: Einige Gedanken zur Lage der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland“. Ein Artikel mit gleichem Titel ist in Prof. Schmitts Sammelband erschienen.

Der Sammelband „Otto Meyerhof – Ein Forscherleben zwischen Ruhm und Vertreibung“, erschienen 2022 im Hentrich & Hentrich Verlag, widmet sich dem jüdischen Arzt Otto Meyerhof und dessen Leben zwischen Erfolg und Vertreibung. Vor genau 100 Jahren, 1922, erhielt er den Nobelpreis für Medizin, später wurde er als Direktor an das neu geschaffene Kaiser-Wilhelm-Institut (KWI) für Medizinische Forschung nach Heidelberg berufen. Die Verdichtung des Nationalsozialismus führte zu zahlreichen Entlassungen von jüdischen Lehrbeauftragten der Universität Heidelberg. So verlor auch Otto Meyerhof seine Lehrberechtigung und musste wie alle jüdischen Mitglieder aus der Heidelberger Akademie der Wissenschaften austreten. Die Autorinnen und Autoren des Buches gehen der Frage nach, wie all dies in einem exzellenten intellektuellen Milieu geschehen konnte. Dazu vereinigt der Band eine Biographie Meyerhofs, eine Zusammenfassung seiner Forschungen und beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Antisemitismus.
Die Publikation ist im Zusammenhang mit der Ruperto Carola Ringvorlesung „Otto Meyerhof – Ein Wissenschaftlerleben zwischen Ruhm und Vertreibung“ der Universität Heidelberg im Sommersemester 2021 entstanden. Angesichts des wieder erstarkenden Antisemitismus in der Gegenwart hat die Universität Heidelberg das wichtige Thema an die breite Öffentlichkeit herangetragen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen haben im Rahmen der Vortragsreihe das Thema aus der Sicht ihrer Disziplin behandelt. Darunter auch Prof. Dr. Frederek Musall mit seinem Vortrag „Nach Halle: Einige Gedanken zur Lage der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland“, der ebenfalls in dem Band abgedruckt ist. Musall wird im Rahmen der Buchvorstellung ebenfalls zu diesem Thema sprechen.

 

Die Jüdisch-Muslimischen Kulturtage in Heidelberg starten am 26. Juni

Heidelberg, 20.06.2022 – Live-Programm vom 26. Juni bis 11. August: Die Jüdisch-Muslimischen Kulturtage Heidelberg, kurz JMKT, laden ein, der Vielfalt jüdischer und muslimischer Perspektiven in unserer Gesellschaft zu begegnen. Zum Ausklang des 60. Jubiläums des Gastarbeiter-Anwerbeankommens mit der Türkei stehen in diesem Jahr insbesondere jüdische und muslimische Migrationsgeschichten in Deutschland im Fokus. In zahlreichen künstlerischen und Beiträgen und Debatten fragen die JMKT dabei nach den Unterschieden, aber auch dem Verbindenden. „Die Jüdisch-Muslimischen Kulturtage sind ein deutschlandweit einzigartiges Festival, das jeder Form der Ausgrenzung und Spaltung das Verbindende entgegengesetzt. Dafür steht unsere Stadt“, erklärt Stefanie Jansen, Bürgermeisterin für Soziales, Bildung, Familie und Chancengleichheit der Stadt Heidelberg.

Den Auftakt zur diesjährigen Veranstaltungsreihe machen am Sonntag, 26. Juni, um 19.30 Uhr auf der Sommerbühne des Karlstorbahnhofs Dr. Emilia Roig (Center for Intersectional Justice) und Musiker Ozan Ata Canani. In ihrer Festrede wirft Emilia Roig einen Blick auf die jüdische Einwanderungsgeschichte und ihre Bedeutung für jüdisch-muslimische und andere antirassistische Bündnisse der Gegenwart. Ozan Ata Canani thematisiert in seinen Liedern bereits seit den 1970er Jahren in deutscher Sprache die Probleme, aber auch Hoffnungen der ersten türkischen Gastarbeitergenerationen. Aktuell wird er deutschlandweit für sein offizielles Debütalbum gefeiert.

Dem Auftakt folgen bis in den August hinein zahlreiche weitere Veranstaltungen: In Kooperation mit dem Montpellier-Haus wird der französische Historiker Michaël Iancu am 5. Juli um 19.30 Uhr über „Jüdisch-Arabische Einflüsse auf die Gründung der Medizinfakultät der Universität Montpellier im Jahre 1220“ sprechen. Am 17. Juli können Interessierte die interdisziplinäre Künstlerin Adi Liraz ab 19:30 Uhr auf einem Performancewalk durch die Heidelberger Altstadt begleiten. Dabei beschäftigt sie sich sowohl mit den Wanderungen und Fluchtbewegungen ihrer eigenen jüdischen Familie, als auch mit der lokalen Geschichte von Flucht und Migration in Heidelberg. Und am 28. Juli um 19.30 Uhr liest Autorin Lena Gorelik im Gespräch mit Hannan Salamat aus ihrem aktuellen Roman „Wer wir sind“ über eine
jüdisch-russisch-deutsche Familien- und Migrationsgeschichte.

Wie in den vorherigen Jahren machen die Kulturtage in diesem Jahr auch wieder alltägliches jüdisches und muslimisches Leben in Heidelberg sichtbar und laden zu Stadt-, Moschee- und Synagogenführungen ein. In Zusammenarbeit mit der Internationalen Gesamtschule Heidelberg zeigen die JMKT ab dem 21. Juli die Wanderausstellung „Was ́ los Deutschland!?“, die sich
als Parcours durch die deutsche Islamdebatte vor allem an junge Menschen richtet.

Weitere Programmhöhepunkte sind die Eröffnung einer Fotoausstellung zum Thema „Mode und Identität“ der muslimischen Künstlerin Asma Aiad am 14.07. um 19:30 Uhr in der Hochschule für Jüdische Studien, und einem Videomapping-Event im öffentlichen Raum mit dem ukrainisch-jüdischen Filmemacher Pavel Franzusov und dem türkischen Musiker Mehmet Nar am 11.08.

Außerdem wird am 02. August noch vor dem offiziellen Kinostart der bereits auf der diesjährigen Berlinale gefeierte Film „Wir könnten genauso gut tot sein“ der deutsch-rumänischen Regisseurin Natalia Sinelnikova in einer Preview im Karlstorkino zu sehen sein.
Alle Veranstaltungen des Festivals sind wie immer kostenfrei.

Einen Überblick über das komplette Festivalprogramm und alle weiteren Informationen gibt es unter www.jmkt.de.

 

Mai 2022

Professor Dr. Werner Arnold bleibt Rektor der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg

Die Amtszeit des Rektors der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (HfJS), Professor Dr. Werner Arnold, wird um zwei weitere Jahre verlängert. Am 1. Oktober 2020 trat der emeritierte Professor für Semitistik am Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients der Universität Heidelberg die Nachfolge von Professor Dr. Johannes Heil an – zunächst für eine Amtszeit von zwei Jahren. Die Angehörigen der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg sind sehr erfreut, dass Professor Arnold zwei weitere Jahre der Hochschule erhalten bleibt.

Diese erste Amtszeit des neuen Rektors stand unter dem Zeichen der Corona-Pandemie, zweifelsohne eine Herausforderung für die Hochschule, die sich als offenes Haus verstehen will. Nicht nur der Studienbetrieb wurde erfolgreich in den digitalen Raum verlegt, auch zahlreiche öffentliche Veranstaltungen konnten online angeboten werden und sind auf große Resonanz gestoßen. Somit konnte der Austausch mit jüdischen Gemeinden und der interessierten Öffentlichkeit aufrechterhalten und sogar erweitert werden, was ein großes Anliegen der Hochschule war.

„Ich freue mich sehr, die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg weiter zu unterstützen. Besonders freue ich mich aktuell über die Rückkehr zur Präsenzlehre und dass mit dem Beginn des Sommersemesters im April die Hochschule wieder mit mehr Leben gefüllt ist,“ so Arnold.

 

April 2022

Dr. Susanne Härtel übernimmt Vertretung des Ignatz-Bubis-Stiftungslehrstuhls

Dr. Susanne Härtel übernimmt im Sommersemester 2022 die Vertretung des Ignatz-Bubis-Stiftungslehrstuhls für Geschichte, Religion und Kultur des europäischen Judentums an der Hochschule für Jüdische Studien. Lehrstuhlinhaber ist Prof. Dr. Johannes Heil, der im Studienjahr 2021/22 als Fellow am Historischen Kolleg München tätig ist.

Mit ihren Arbeiten an der Schnittstelle zwischen judaistischer und historischer Forschung ist Susanne Härtel eine wertvolle Bereicherung des Kollegiums der Hochschule. Sie bringt vielfältige Erfahrungen ein: Nach dem Studium in Berlin, Jerusalem und Warschau wurde sie an der Universität Konstanz mit einer Arbeit über jüdische Friedhöfe im römisch-deutschen Reich des Mittelalters promoviert. In den letzten Jahren richtete sich das Interesse Härtels neben ihren Forschungen zum mittelalterlichen Aschkenas auf die jüdische Geschichte des Mittelmeerraums im Allgemeinen und des Osmanischen Reichs an der Wende zur Neuzeit im Besonderen. Seit 2017 leitet sie an der Universität Potsdam und am Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg die Forschungsgruppe „Jüdisch-jüdische Begegnungen im Osmanischen Europa“. In diesem Rahmen beschäftigt sie sich momentan mit Elijah Mizraḥi (um 1450–1526), der sich als rabbinische Autorität in Konstantinopel mit der Zuwanderung Tausender iberisch-jüdischer Geflüchteter konfrontiert sah.
Im Sommersemester bringt Susanne Härtel die verschiedenen Themen ihrer Forschung in die Lehre der Hochschule ein. Darüber hinaus freut sie sich auf Austausch und Gespräche mit den neuen Kolleginnen und Kollegen und ist in verschiedene Aktivitäten an Lehrstuhl und Hochschule eingebunden. Z. Zt. ist sie unter anderem an der Organisation der diesjährigen Eugen Täubler-Vorlesung beteiligt. In ihren ersten Wochen hat Susanne Härtel es vor allem genossen, viele Heidelberger Studierende kennenzulernen. „Es ist wunderbar, dass die Seminare sowohl von Studierenden der Hochschule als auch der Universität besucht werden. Die Studierenden können ihre unterschiedlichen disziplinären Expertisen einbringen“, bemerkt Härtel. Beeindruckt ist sie von der Offenheit und Neugierde vieler Heidelberger Studierender gegenüber neuen Themen und Fragestellungen.

 

November 2021

Neues "Erasmus+"-Projekt: "Sharing worldviews. Encounter Learning for common Values in Diversity"

Unter dem Titel "Sharing worldviews. Encounter Learning for common Values in Diversity" - startet ein neues "Erasmus+"-Projekt unter der Federführung der Pädagogischen Hochschule Heidelberg: Gemeinsam mit der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, Universitäten aus Ankara, Eskisehir, Thessaloniki und Wien sowie den Pädagogischen Hochschulen Karlsruhe und Freiburg soll eine internationale Zusatzqualifikation entwickelt werden. Diese will europäische Lehrkräfte dazu befähigen, bei Schüler*innen Kompetenzen des Dialogs und der Verständigung in einer pluralen Welt anzubahnen. Ihre Ansprechpartnerinnen für das Projekt  sind Professorin Dr. Katja Boehme und Ute Rössle von der PH Heidelberg (Institut für Philosophie und Theologie).

 

Oktober 2021

Mazel what? – Neuer Schülerwettbewerb in Heidelberg vorgestellt

In der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (HfJS) wurde der Leo TreppSchülerpreis vorgestellt, der im nächsten Jahr erstmals an Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen neun und zehn vergeben werden soll. Das Ziel des Wettbewerbs ist es, Vorbehalte gegenüber dem Judentum und jüdischen Deutschen aus dem Weg zu räumen.

„Wir wollen Schülerinnen und Schüler motivieren, sich mit jüdischem Leben auseinanderzusetzen, mit jüdischer Geschichte, Ethik und Religion – und mit lebendigen jüdischen Menschen. Denn nur Wissen kann Stereotypen und Antisemitismus etwas entgegensetzen“, so Gunda Trepp, Initiatorin des Preises sowie Vorstandsvorsitzende der Leo Trepp-Stiftung.

Entsprechend dem aktuellen Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ lautet das Preisthema im Schuljahr 2021/2022 „Lebendiges Judentum in Deutschland“. Die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (HfJS) unterstützt den Wettbewerb, indem beispielsweise Lehrende in Jury und Kuratorium der Leo Trepp-Stiftung vertreten sind und Studierende als sogenannte Botschafter*innen teilnehmende oder interessierte Schulklassen besuchen, um diese mit ihrem Wissen zu unterstützen und zu beraten.

„In einer Zeit des wachsenden Antisemitismus möchten wir insbesondere junge Menschen dazu anregen, sich aktiv mit der Vielfalt des Judentums zu beschäftigen und darüber einen literarischen, musikalischen oder auch künstlerischen Beitrag zu verfassen. Durch die breite Fachkompetenz der HfJS können wir dazu beitragen, dass fast alle eingereichten Beträge von ausgewiesenen Wissenschaftler*innen begutachtet werden. Wir unterstützen diesen Schülerwettbewerb aber natürlich auch in der Hoffnung, dass einige Teilnehmer*innen noch mehr über das Judentum erfahren wollen und sich für ein Studium an der HfJS entscheiden“, erklärt Professor Dr. Werner Arnold, Rektor der HfJS.

An dem Wettbewerb, der sich in den nächsten Jahren zu einer festen Größe in der Wettbewerbslandschaft an deutschen Schulen etablieren soll, können aktuell Schulklassen oder Gruppen aller weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen teilnehmen. Die Projekte müssen bis zum 31. Januar 2022 eingereicht werden. Alle Informationen für interessierte Schulen sind abrufbar unter: https://leotrepp.org/de/leo-trepp-preis

 

Juni 2021

JMKT-Kultursommer: Die Jüdisch-Muslimischen Kulturtage in Heidelberg starten am 1. Juli

Heidelberg, 22.06.2021 – Live-Programm ab 1. Juli: Die Jüdisch-Muslimischen Kulturtage Heidelberg, kurz JMKT, schaffen wieder eine Plattform für aktuelle jüdische und muslimische Perspektiven auf gesellschaftliches Miteinander. Bis zum 5. September fordert das Programm der Kulturtage dazu auf, sich mit der Vielfalt der Blickwinkel auf innermuslimische und innerjüdische sowie auch auf gesamtgesellschaftliche Positionen in Deutschland auseinanderzusetzen. Über unterschiedliche künstlerische und kulturelle Veranstaltungsformate wird diese Vielfalt für alle Menschen erfahrbar und diskutierbar gemacht.

In diesem Sommer präsentieren sich die JMKT nicht nur in einem neuen Design, sondern auch endlich wieder live vor Ort: Alle Beteiligten freuen sich, im Zeitraum vom 1. Juli bis in den September hinein zu einem bunten Festival-Programm einzuladen und dem Publikum nach so langer Zeit wieder persönlich begegnen zu dürfen.

Zur Eröffnung stehen am 1. Juli nach einer kurzen Begrüßung unter andrem durch Bürgermeisterin Stefanie Jansen die Musiker Tayfun Guttstadt und Daniel Kahn, der einigen aus der Netflix-Serie „Unorthodox“ bekannt sein dürfte, auf der Sommerbühne des Karlstorbahnhofs: Gemeinsam sind sie schon im Thalia Theater in Hamburg aufgetreten und begeistern ihr Publikum mit ihrer Musik, die verschiedene traditionelle Instrumente wie Ney, Akkordeon oder Saz sowie unterschiedliche Sprachen und politische Texte miteinander verbindet. Wer die musikalische Kombination aus Jiddisch, Türkisch, Englisch und Ladino (Sprache der sephardischen Juden und Jüdinnen) erfahren möchte, sollte sich diesen Abend nicht entgehen lassen.

Weiter geht es am 6. Juli mit einem Vortrag, der im Rahmen der Städtepartnerschaft Heidelberg-Montpellier organisiert wird. Thematisiert werden die jüdisch-arabischen Einflüsse auf die Gründung der Medizinfakultät von Montpellier im Jahre 1220 und ihre Bedeutung für die Medizin heute. Am 18. und 19. Juli folgen dann ein Workshop sowie ein Gesprächsabend mit Hatice Budak zum Thema „Mental Health“ aus jüdischer und muslimischer Perspektive, die dazu einladen, die eigene Identität zu reflektieren und gegen die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen ein Zeichen zu setzen.

Als „Art in the Street“, statt „Street Art“ bezeichnet die israelische Künstlerin Ella Ponizovsky Bergelson ihre sogenannte „Hybride Kalligrafie“. Gemeint sind Gedichte, die sie auf (Alt)Hebräisch, Deutsch, Englisch und Arabisch typografisch abstrahiert und in bunten Farben auf Hausfassaden oder Plakatwände malt. In Heidelberg wird sie ab dem 6. August in Kooperation mit dem MetropoLINK-Festival neben einer Plakatwand eine Trafo-Station gestalten. Weitere Programmhöhepunkte folgen ebenfalls im August:

Neben einem Open-Air-Poetry Slam in Kooperation mit WordUp! zeigen die Jüdisch-Muslimischen Kulturtage auf der Sommerbühne des Karlstorbahnhofs gemeinsam mit dem Medienforum Heidelberg den Film „Masel Tov Cocktail“, der unter anderem mit dem Deutschen Menschenrechts-Filmpreis und dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Natürlich dürfen auch die Stadt- und Moscheeführungen oder gemeinsame Schabbat-Feiern nicht fehlen, bevor dann am 5. September zum Abschluss Cihan Acar aus seinem aktuellen Roman „Hawaii“ liest.

Alle Veranstaltungen innerhalb des Festivals sind wie immer kostenfrei. Besucherinnen und Besucher werden gebeten, die je nach Veranstaltungsort geltenden Hygienebestimmungen und Anmeldeoptionen zu beachten.

Das vollständige Festivalprogramm und alle Informationen gibt es unter www.jmkt.de


März 2021

Startschuss für das „Heidelberger Bündnis für Jüdisch-Muslimische Beziehungen“

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Mit dem „Heidelberger Bündnis für Jüdisch-Muslimische Beziehungen“ wird eine bundesweit einzigartige Plattform ins Leben gerufen: aufbauend auf einer starken Kooperationsstruktur wirkt das Bündnis in den Kulturbereich, in die Wissenschaftskommunikation sowie in die Bildungsarbeit und setzt sich aus drei unterschiedlichen Formaten jüdisch-muslimischer Allianzen zusammen: den „Jüdisch-Muslimischen Kulturtagen Heidelberg“, dem Podcast „Mekka und Jerusalem“ sowie den „Bildungsbausteinen Jüdisch-Muslimischer Beziehungen“.

 

 

Gefördert von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) wird das Bündnis von Teilseiend e.V. – Muslimische Akademie Heidelberg i. G., der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, dem Karlstorbahnhof und der Stadt Heidelberg getragen.

Der Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg, Prof. Dr. Eckart Würzner, betont: „Das Bündnis ist mehr als ein Zeichen für die Vielfalt und Lebendigkeit jüdischen und muslimischen Lebens in Heidelberg. Deutschlandweit modellhaft geht es im Kultur- und Bildungsbereich neue Wege, um Antisemitismus und anti-muslimischem Rassismus zu begegnen. Es lädt uns alle dazu ein, die eigene Komfortzone zu verlassen, uns für andere gesellschaftliche Perspektiven zu öffnen und gemeinsam Verantwortung für unsere Demokratie zu übernehmen.“

„Die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, der Muslimischen Akademie Heidelberg i. G. und den weiteren Akteuren ist bundesweit einzigartig. Wir sehen darin eine Vorbildfunktion für eine offene, plurale und solidarische Gesellschaft, in der jeder dazu angeregt wird, neue Allianzen einzugehen und zukunftsorientierte Konzepte eines demokratischen Zusammenlebens mitzugestalten“, ergänzt Prof. Dr. Werner Arnold, Rektor der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg. MEHR....

 

September 2020

Professor Dr. Werner Arnold neuer Rektor der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg

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Bild: Universität Heidelberg, KuM


Die Angehörigen der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (HfJS) sind hocherfreut, einen neuen Rektor im Amt begrüßen zu dürfen: Kuratorium und Senat der Hochschule haben Professor Dr. Werner Arnold, emeritierter Professor für Semitistik am Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients der Universität Heidelberg, an die Spitze der Hochschule gewählt. Er wird ab dem 1. Oktober 2020 für eine Amtszeit von zwei Jahren die Nachfolge von Professor Dr. Johannes Heil antreten.

 


„Ich danke den Entscheidungsgremien für dieses klare Votum sowie das Vertrauen, das mir damit entgegengebracht wird und freue mich sehr darauf, die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg während meiner Amtszeit zu unterstützen und ein Stück in die Zukunft führen zu dürfen“, so Arnold.

Laut der Vorsitzenden des Kuratoriums der Hochschule, Frau Professorin Barbara Traub, habe man sich u.a. für Herrn Professor Dr. Werner Arnold entschieden, da er der HfJS und ihren Mitgliedern schon seit Jahrzehnten durch gemeinsame Forschungsprojekte sehr verbunden sei und über sein Engagement im Wissenschaftlichen Beirat der Hochschule bereits Impulse gesetzt habe. „Herr Professor Dr. Arnold kennt die Strukturen sowohl an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg als auch an der Universität Heidelberg und steht damit für die Kontinuität einer engen Partnerschaft beider Institutionen. Ich bin mir sicher, dass mit ihm eine hervorragende Wahl getroffen wurde und freue mich, dass er als Rektor gewonnen werden konnte.“

Voraussichtlich im Dezember wird der neue Rektor im Rahmen eines kleinen Festaktes offiziell im Amt begrüßt.

Weitere Informationen

 

Oktober 2019

Die Angehörigen der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg sind schockiert und bestürzt über den gestrigen antisemitisch motivierten Anschlag auf die vollbesetzte Synagoge in Halle. Diese Tat am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur ist nicht nur beängstigend, sie in höchstem Maße besorgniserregend. Die Folgen und die Bedeutung für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland sind heute sicherlich noch nicht abzusehen. Gefragt und verantwortlich sind jedoch alle Teile der Gesellschaft: Jeder ist aufgefordert, sich Hass, Gewalt, Extremismus und jeder Form von Menschenfeindlichkeit entgegenzustellen.

In aufrichtiger Anteilnahme denken wir an die Familien und Angehörigen der Opfer. Unser Mitgefühl gilt den Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde Halle sowie allen Verletzten, denen wir eine schnelle Genesung wünschen.

 

September 2019

Gemeinsamer Masterstudiengang „Nahoststudien“ der Universität Heidelberg und der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg genehmigt

In Heidelberg kann in Zukunft der moderne Vordere Orient in seiner geschichtlichen Tiefe und sprachlich-kulturellen Vielfalt studiert werden: Mit der Genehmigung des transdisziplinären Master-Studiengangs „Nahoststudien“ durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg bieten ab dem Wintersemester 2019/20 die Universität Heidelberg und die Hochschule für Jüdische Studien einen deutschlandweit einzigartigen Master-Studiengang als Joint Degree an. Mit zwei Spezialisierungen („Jüdischer Naher Osten“ und „Islamischer Naher Osten“) richtet sich der neue Studiengang an Bachelor-Absolventen aus Judaistik, Islamwissenschaft, Nahoststudien, Geschichte und Politikwissenschaft.

Durch die Kombination von sozialwissenschaftlichen und geschichtswissenschaftlichen Methoden soll der Master-Studiengang neue und vielgestaltige Perspektiven auf die Geschichte und Gegenwart des Nahen Ostens ermöglichen. Beteiligt sind zum einen die Abteilung Islamwissenschaft am Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients der Universität Heidelberg und zum anderen der Ben-Gurion-Stiftungslehrstuhl für Israel- und Nahoststudien sowie weitere judaistische Fächer an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg. Die Studierenden werden an beiden beteiligten Institutionen immatrikuliert sein und so vom Brückenschlag zwischen zwei akademischen Einrichtungen profitieren. Im Mittelpunkt des Studiengangs stehen der Kontakt und der Vergleich zwischen jüdischer und muslimischer Kultur, Geschichte und Gesellschaft im Vorderen Orient.

Wie wichtig der kulturübergreifende Zugang ist, betont Juniorprofessor Johannes Becke, Inhaber des Ben-Gurion-Stiftungslehrstuhls (Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg): „Israel ist ohne den Nahen Osten nicht zu verstehen, und der Nahe Osten nicht ohne Israel“. Die Grundlage für diesen Zugang bilden dabei die Sprachen, insbesondere durch die Kombination des modernen Hebräischen und einer weiteren nahöstlichen Sprache (Türkisch, Arabisch, Persisch). „Der Standort Heidelberg investiert mit diesem Studiengang ganz bewusst in die Sprachausbildung der Studierenden“, so Henning Sievert, Professor für Islamwissenschaft an der Universität Heidelberg. „Wir freuen uns auf Studierende, die nach dem Bachelor ihren sprachlichen und kulturellen Horizont erweitern wollen, um die ganze religiöse und kulturelle Vielfalt des Vorderen Orients zu erschließen“.

Weitere Informationen zum Masterstudiengang „Nahoststudien“ finden Sie unter https://www.uni-heidelberg.de/de/studium/alle-studienfaecher/nahoststudien

 

Juni 2019

Der Bundespräsident zu Besuch an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg

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Die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (HfJS) feierte am 17. Juni 2019 um 18.00 Uhr in der vollbesetzten Aula der Neuen Universität mit einem großen Festakt den 40. Jahrestag ihrer Gründung 1979. Ehrengast war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

In seiner Ansprache würdigte der Bundespräsident die Hochschule als ein Symbol der Versöhnung und als ein Versprechen für die Zukunft: „Ihre Hochschule ist ein Laboratorium für einen Dialog, der auf Vernunft gründet; für den Dialog zwischen Christen, Juden und Muslimen, zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, zwischen Glaube und Politik! Sie leisten einen unschätzbaren Beitrag zur Verständigung und Versöhnung – und zum demokratischen Diskurs in unserem Land.“

Besonders dankte er dem Rektor, Professor Johannes Heil, der die Hochschule elf Jahre lang geleitet und sich in herausragender Weise für sie eingesetzt habe. Er habe die Hochschule nicht nur entscheidend geprägt, er habe sie weiter international vernetzt und dafür gesorgt, dass ihre Zukunft gesichert sei.

Auch Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, und Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, waren anwesend, um der Hochschule zu ihrem Jubliäum zu gratulieren. Laut Schuster sei die Heidelberger Hochschule über die Jahrzehnte ein fester Bestandteil des jüdischen Geisteslebens geworden, der nicht mehr wegzudenken sei.

Der Festvortrag „Die Wissenschaft des Judentums als Beruf“ wurde von Prof. Dr. Michael Brenner gehalten. Brenner ist ein Absolvent der HfJS, der heute als Professor für Jüdische Geschichte und Kultur an der LMU München und der American University in Washington, D.C., lehrt.

Vor dem Festakt besichtigte der Bundespräsident die HfJS und lernte bei einem Gespräch mit dem Hochschulrabbiner Shaul Friberg und Studierenden u.a. einen Stipendiaten des „The President´s Grant“ kennen. Dieses Stipendium für Studierende aus Nicht-EU-Ländern wird aus dem Preisgeld des Frank-Walter Steinmeier zuerkannten Ignatz Bubis-Preises des Jahres 2017 finanziert. „Es ist mir eine Freude, dass ich mithilfe des Ignatz-Bubis-Preises für Verständigung einen kleinen Beitrag leisten kann, um junge Menschen wie ihn beim Studium an der HfJS zu unterstützen.“

Begrüßung von Prof. Dr. Johannes Heil, Rektor der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg

Ansprache des Bundespräsidenten

Grußwort von Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Grußwort von Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

Festrede von Prof. Dr. Michael Brenner, Professor für Jüdische Geschichte und Kultur an der LMU München
und der American University in Washington, D.C

 

 

Februar 2019

Am Montag, 19. Februar 2018, trafen sich in der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg die Beauftragten gegen Antisemitismus der Länder und des Bundes, um gemeinsam darüber zu beraten, wie man zukünftig effizienter zusammenarbeiten kann. Dabei ging es beispielsweise um die geplante Bund-Länder-Kommission. Laut Felix Klein, der Beauftragte des Bundes gegen Antisemitismus, soll diese noch im nächsten halben Jahr an den Start gehen. Außerdem soll es eine bundesweite Meldestelle für antisemitische Vorfälle geben, daneben sollen die Länder jeweils eigene Meldestellen einrichten.

Neben diesem Treffen fand in der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg außerdem eine Fortbildung für ca. 60 Hebräisch‐ und Religionslehrkräfte aus ganz Deutschland statt, die jährlich vom Zentralrat und der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland organisiert wird. Die Teilnehmer beider Veranstaltungen kamen zu einem Meinungsaustausch zusammen, um über Strategien zur Bekämpfung von Antisemitismus zu diskutieren.

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Januar 2019

Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg vom Wissenschaftsrat reakkreditiert

Die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (HfJS) ist für weitere fünf Jahre durch den Wissenschaftsrat institutionell reakkreditiert.

Damit ist 2019 für die HfJS ein ganz besonderes Jahr: Sie kann nicht nur ihr 40-jähriges Bestehen feierlich begehen, sie erhält mit der Akkreditierungsurkunde erneut die Bestätigung dafür, dass sie den wissenschaftlichen Maßstäben einer Hochschule entspricht und in der Forschung und Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses Leistungen erbringt, die dem kooperativ ausgeübten Promotionsrecht angemessen sind.

Durch den Wissenschaftsrat wurde beispielsweise hervorgehoben, dass sich die HfJS seit der Erstakkreditierung in 2009 weiterhin sehr positiv entwickelt habe und ein wichtiger Teil des jüdischen Lebens in Deutschland sei. Sie bilde die Jüdischen Studien mit einer fachlichen Breite und Binnendifferenzierung ab, die von anderen Standorten in der deutschen Hochschullandschaft unübertroffen seien. Im Reakkreditierungsbericht wird außerdem betont, dass der selbst gewählte Anspruch, das europäische Kompetenzzentrum für Jüdische Studien darzustellen, unbedingt aufrechterhalten werden müsse, da besonders in der europäischen und internationalen Perspektive Chancen für den Ausbau der Hochschule liegen.

„Die Reakkreditierung durch den Wissenschaftsrat ist ein großer Schritt nach vorne und bestätigt die Entwicklung, die die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg in den letzten Jahren genommen hat, gerade auch in Hinsicht des Verhältnisses von Wissenschaft und Gemeindebezug. Besonders erfreulich sind die positiven Voten zur immer engeren Kooperation mit der Universität Heidelberg und zum Konzept der internen Internationalisierung", lobt Professor Dr. Johannes Heil, Rektor der HfJS, das Ergebnis. Heil weiter: "Die Stellungnahme des Wissenschaftsrates bietet allen Seiten eine klare Orientierung für den weiteren Ausbau unserer Hochschule.“

Entwicklungspotenzial sieht der Wissenschaftsrat u.a. in der Ausstattung der Professuren, vor allem in Hinblick auf das vorhandene und geplante Masterangebot der Hochschule. Ebenso soll, gerade wegen der bislang hervorragenden Erfahrungen, das Zusammenwirken mit der Universität Heidelberg in kooperativ ausgeübten Promotionsverfahren ausgebaut werden. Der Wissenschaftsrat verbindet die Reakkreditierung daher mit entsprechenden Auflagen, bei deren Erfüllung sich der Reakkreditierungszeitraum auf insgesamt zehn Jahre verlängert. 

 

Dezember 2017

Deutsche Forschungsgemeinschaft gibt grünes Licht: „Corpus Masoreticum“ – ein auf zwölf Jahre angelegtes Forschungsprojekt des Lehrstuhls für Bibel und Jüdische Bibelauslegung

Hocherfreut haben die Angehörigen der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (HfJS) vernommen, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) das auf zwölf Jahre angelegte Forschungsvorhaben Corpus Masoreticum: Die Inkulturation der Masora in die jüdische Gelehrsamkeit Westeuropas im 11. – 13. Jh. Digitale Erschließung einer vergessenen Wissenskultur im Dezember bewilligt hat.

Das Langzeitprojekt ist am Lehrstuhl für Bibel und Jüdische Bibelauslegung von Frau Professorin Dr. Hanna Liss angesiedelt. Es handelt sich um das erste umfangreiche Projekt zur Geschichte der westeuropäischen jüdischen Bibeltexttradition und ihrer Auslegung. Vier Mitarbeiter_innen werden zukünftig daran arbeiten, wichtige wissenschaftliche Impulse nicht nur für die akademische jüdische Bibelwissenschaft, sondern auch für die christliche Theologie sowie die mittelalterliche Kunstgeschichte zu setzen. Die avisierten Ergebnisse werden von Anfang an in eine digitale Arbeitsumgebung integriert werden (BIMA Biblical Masora Database), die nach Abschluss an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg weiter betrieben wird. Die Forschungsrohdaten werden an der Universitätsbibliothek Heidelberg beheimatet sein.

 

Juniorprofessor Dr. Johannes Becke ist in das Eliteprogramm für Postdocs der Baden-Württemberg Stiftung aufgenommen worden

Ein weiterer junger Wissenschaftler an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (HfJS) erhält eine Förderung der Baden-Württemberg Stiftung. Im Eliteprogramm für Postdoktorandinnen und Postdoktoranden 2017 war Dr. Johannes Becke, Juniorprofessor am Ben-Gurion-Lehrstuhl für Israel- und Nahoststudien, mit seinem Antrag erfolgreich. Damit unterstützt die Stiftung einen herausragenden Nachwuchswissenschaftler auf dem Weg zur Professur, indem sie ihm über 24 Monate das eigenverantwortlich durchgeführte Forschungsprojekt Israelstudien in der arabischen Welt finanziert.

Darin befasst sich Becke mit der wissenschaftlichen Erschließung des zionistischen Projekts an arabischen Universitäten und Forschungszentren. Während die ersten Institutionen der arabischen Israel-Studien bereits in den 1960er Jahren gegründet wurden, wird ihr Beitrag selten wahrgenommen – das Forschungsprojekt will daher untersuchen, wie sich der arabische Blick auf den Staat Israel im Verlauf der Zeit entwickelt hat.

Landesweit wurden in der aktuellen Ausschreibungsrunde insgesamt 13 Forschungsvorhaben in das Programm aufgenommen.

Im vergangenen Jahr zählte bereits Juniorprofessor Dr. Viktor Golinets, Lehrstuhl für hebräische Sprachwissenschaft an der HfJS, zu den insgesamt 15 exzellenten Wissenschaftlern, die es 2016 in das Elite-Programm geschafft haben. Der Titel seines Projektes ist Griechische und lateinische Transkriptionen des Althebräischen und ihr Platz in der historischen Grammatik der hebräischen Sprache. Darin setzt er sich mit den Transkriptionen hebräischer Wörter und Namen auseinander, die in antiken Bibelübersetzungen vorkommen. Diese Transkriptionen gehören in die Periode zwischen dem 3. Jahrhundert v. u. Z. und dem 5. Jahrhundert u. Z. und sie geben Auskunft über die Lautung und Formenbildung des Hebräischen in der Zeit, die der masoretischen Vokalisierung vorausging.

Das Eliteprogramm der Baden-Württemberg Stiftung unterstützt herausragende junge Wissenschaftler, die in der Qualifizierungsphase nach der Promotion eine Laufbahn an der Hochschule anstreben. Das Programm dient der zielgerichteten Qualifikation in Forschung, Lehre und Wissenschaftsmanagement und ermöglicht dem wissenschaftlichen Nachwuchs an Hochschulen in Baden-Württemberg die Finanzierung eines eigenen Forschungsprojekts. Es wird in der Regel einmal im Jahr ausgeschrieben. Über eine Laufzeit von maximal drei Jahren werden bis zu 120.000 Euro von der Stiftung zur Verfügung gestellt. Pro Jahr werden bis zu 15 Personen in das Eliteprogramm aufgenommen.

Neben der individuellen Förderung wissenschaftlicher Karrieren verfolgt die Stiftung mit dem Programm auch das Ziel der Sicherung des Fachkräftenachwuchses an den Hochschulen und der Stärkung des Wissenschafts- und Hochschulstandorts Baden-Württemberg. Die Baden-Württemberg Stiftung möchte mit dem Programm dazu beitragen, dass junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Baden-Württemberg gute Rahmenbedingungen vorfinden und ihr Potenzial in dieser wissenschaftlich herausfordernden und produktiven Phase optimal entfalten können.

 

Oktober 2017

Bundespräsident Steinmeier spendet Preisgeld des „Ignatz Bubis-Preises für Verständigung“
an die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und die Bente-Kahan-Stiftung in Breslau

Hocherfreut haben die Angehörigen der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (HfJS) vernommen, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Hälfte des Preisgeldes aus dem ihm zuerkannten Ignatz Bubis-Preis des Jahres 2017 der Hochschule zukommen lässt.

Eine Hälfte des Preisgeldes geht an die Bente-Kahan-Stiftung in Breslau, der Geburtsstadt von Steinmeiers Mutter. Die HfJS wird Ihren Teil des Preisgeldes in Höhe von 25.000 Euro für Studierende aus Nicht-EU-Ländern, insbesondere aus Ost- und Südosteuropa, einsetzen, die sich für den Masterstudiengang Jewish Civilizations bewerben - ein gemeinsames Masterprogramm der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und Padeia – The European Institute for Jewish Studies in Sweden.

Der Rektor der HfJS, Professor Johannes Heil, sagte bei der Bekanntmachung im Rahmen der Eröffnung des akademischen Jahres 2017/18: „Die Zuwendung des Bundespräsidenten wird Studierenden aus verschiedenen Ländern zugutekommen, darunter Russland, die Ukraine oder die Türkei, also jungen Menschen aus Ländern, in denen die gegenwärtigen politischen Umstände den Wissenschaften, insbesondere auch den Jüdischen Studien, kaum Luft für freie Entfaltung des Geistes lassen.“

Rede anlässlich der Preisverleihung:
„Ich bin dankbar für die große Ehre, die mir mit dem Ignatz-Bubis-Preis zuteil wird. Der Preis ist Auszeichnung, aber noch mehr noch ist er Auftrag: Ignatz Bubis hat zeitlebens daran gearbeitet, die Mauern zu durchbrechen, die uns voneinander abschirmen. Er hat, aller Ressentiments und Vorurteile zum Trotz, Gräben überwunden und das Gespräch gerade mit denen gesucht, die nicht seine Überzeugungen, geschweige denn seine existenziellen Lebenserfahrungen von Shoa und Vertreibung teilten. Dialog hieß für ihn auch: das direkte Gespräch, von Mensch zu Mensch. Ich glaube, wir müssen heute, mehr denn je, einen Demokratieraum schaffen, in dem wir streiten können, aber respektvoll miteinander umgehen; in dem viele zu Wort kommen, aber genauso viele zuhören; in dem gegensätzliche Interessen und Sichtweisen formuliert werden, aber in dem wir auch Fakt von Lüge unterscheiden können.“

Zum Preisgeld:
„Ich wünsche mir, dass wir den Auftrag Ignatz Bubis annehmen und dass das Preisgeld ganz in seinem Sinne verwandt wird: Verständigung, Dialog, Miteinander – das haben auch die Bente-Kahan-Stiftung in Breslau und die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg zum Ziel. Sie sollen das Preisgeld zu gleichen Teilen erhalten.“

 

Juni 2017

„Turning words into action - to address anti-Semitism“

Arbeitstreffen der OSZE in den Räumen der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg:

Am 13. und 14. Juni 2017 veranstaltete das OSZE Büro für demokratische Institutionen und Menschenrechte in Kooperation mit der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (HfJS) ein Arbeitstreffen, um gemeinsam eine Lehrerhandreichung zu entwickeln, die Pädagogen dabei helfen soll, Themen wie Antisemitismus, Intoleranz, Vorurteile oder Ähnliches im Unterricht zu behandeln.

Mit Experten aus unterschiedlichen Fachrichtungen wurden zunächst Schlüsselprobleme identifiziert, die bei der Unterrichtsvermittlung dieser Inhalte auftauchen können. Die daraus resultierenden Lösungsvorschläge werden nun in einem Toolkit zusammengefasst und anschließend in Projektklassen ausprobiert bzw. vervollständigt werden.

Das Ziel ist, das bereits bestehende Material der ODIHR zu Toleranz, Respekt, Verständnis und Anerkennung der Menschenrechte aller Individuen zu ergänzen und eine Unterrichtsempfehlung für die gesamte OSZE-Region auszusprechen.

 

Mai 2017

Die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg ernennt Professor Dr. Frederek Musall zum Stellvertreter des Rektors

Professor Dr. Frederek Musall, Inhaber des Lehrstuhls für Jüdische Philosophie und Geistesgeschichte an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (HfJS), ist mit sofortiger Wirkung zum Stellvertreter des Rektors der Hochschule in Trägerschaft des Zentralrats der Juden in Deutschland ernannt worden.

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Musall lehrt seit 2009 an der HfJS – zunächst im Rahmen einer Juniorprofessur, seit 2015 als ordentlicher Professor für Jüdische Philosophie und Geistesgeschichte. Er war maßgeblich daran beteiligt, das internationale Masterprogramm Jewish Civilisations aufzubauen, das die HfJS gemeinsam mit Padeia – The European Institute for Jewish Studies in Sweden anbietet. Dank seiner Initiative ist es gelungen das Programm zukunftsfähig zu machen und jährlich neue Studierende nach Heidelberg zu holen.

Er ist u. a. stellvertretender Vorsitzender des Beirats sowie Vertrauensdozent des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks (ELES) und ist in die Programmkonzeption des ELES-Programmes „Dialogperspektiven – Religionen und Weltanschauungen im Gespräch“ eingebunden. Er ist regelmäßiger Referent für die Bildungsprogramme der Bildungseinrichtung des Zentralrates der Juden in Deutschland, der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWSt) und der Jewish Agency for Israel (JAFI).

Ferner ist er in zahlreichen interreligiösen Initiativen und Organisationen aktiv: Er ist Mitglied des Steering Committee des Abrahamitic Forum des International Council of Christians and Jews (ICCJ), jüdisches Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft „Juden und Christen“ beim Deutschen Evangelischen Kirchentag und Mitglied des Jüdisch-Muslimischen Gesprächskreises an der W. Michael Blumenthal-Akademie des Jüdischen Museums Berlin. Darüber hinaus ist er als wissenschaftlicher Beirat für das Institut für Islamische Studien Mannheim (IFIS) tätig.

In seiner Forschung setzt sich Musall u.a. mit den Prozessen jüdischer Identitätsbildung, sowie mit Jüdischer Philosophie, insbesondere in ihren Beziehungen zu arabisch-islamischem Denken und der Geschichte der Juden in der arabisch-islamischen Welt auseinander.

 

Februar 2017

Senat der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg ernennt Michael Sommerfreund zum Ehrensenator

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Michael Sommerfreund (links) mit Professor Salomon Korn in der Bibliothek der HfJS

Michael Sommerfreund (Frankfurt) ist mit einstimmigem Beschluss des Senats der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (HfJS)  zum Ehrensenator der Hochschule in Trägerschaft des Zentralrats der Juden in Deutschland ernannt worden.

"Wir ehren damit einen großzügigen Unterstützer und Freund, der die Hochschule seit Jahren mit großem Interesse begleitet und ihre Arbeit wiederholt unterstützt hat", so Rektor Johannes Heil. "Sein Engagement verstehen wir als Auftrag. Es ist ein starkes Zeichen des Vertrauens in die Zukunft der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland und die Entwicklung der Jüdischen Studien als Disziplin mit großer Wirkung für die Gesamtgesellschaft".

Michael Sommerfreund wurde 1924 im damals polnischen Tlumacz geboren. Er überlebte die nationalsozialistische Verfolgung und konnte sich später in Frankfurt am Main niederlassen. Michael Sommerfreunds Ehrung schließt auch das Gedenken an seine Frau Lilli Sommerfreund ein, die 1926 in Uszhorod in der Ukraine geboren wurde und am 6. August 2013 in Frankfurt gestorben ist. Gemeinsam haben sie die Lilli und Michael Sommerfreund-Stiftung ins Leben gerufen. Aus den Mitteln der Stiftung wurden bislang ein dreijähriges Promotionsstipendium, die Trialogarbeit zur Lehrerfortbildung sowie weitere Maßnahmen zur Unterstützung des Nachwuchses im Fach Jüdische Studien gefördert.

 

Juni 2016

Heidelberger Hochschulreden:
Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, zu Gast in der HfJS

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Foto: Philipp Rothe

Aktuell steht nicht nur in Europa, sondern weltweit die Flüchtlingsthematik im Mittelpunkt der Diskussionen und stellt Politik sowie Gesellschaften vor große Aufgaben. Was bedeuten Heimat und Identität in einer Zeit, in der sich - laut UNHCR - etwa 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht befinden und Migrationsfragen zu globalen Angelegenheiten geworden sind? Was Martin Schulz als Präsident des Europäischen Parlaments darüber denkt, erläuterte er am 9. Juni 2016 im Rahmen der Heidelberger Hochschulreden.

Den Text zu seiner Rede "Heimat, Flucht und Identität in Zeiten der Globalisierung" finden Sie [HIER]

Das Grußwort des Zentralratspräsidenten Dr. Josef Schuster anlässlich der Hochschulrede am 9. Juni 2016 finden Sie [HIER]

 

April 2016

Friedenskompetenz im Religionsunterricht

7. Fachtagung der Studientagungsreihe "Religionspädagogische Gespräche zwischen Juden, Christen und Muslimen"

"Suche den Frieden und jage ihm nach" (Ps. 34,15) – so lautete der Leitspruch der 7. Fachtagung "Religionspädagogische Gespräche zwischen Juden, Christen und Muslimen",  die vom 29. Februar bis zum 1. März 2016 unter der Leitung von Prof. Dr. Katja Boehme (Pädagogische Hochschule Heidelberg), Prof. Dr. Harry Harun Behr (Universität Frankfurt), Prof. Dr. Daniel Krochmalnik (Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg) und Prof. Dr. Bernd Schröder (Universität Göttingen) an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (HfJS) stattfand und unter der Schirmherrschaft von Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, stand.


Voll besetzter Hörsaal in der HfJS zur 7. Fachtagung: „Friedenskompetenz im Religionsunterricht“.


Prof. Dr. Katja Boehme, katholische Theologieprofessorin an der PH Heidelberg mit Prof. Dr. Daniel Krochmalnik, Professor für Jüdische Religionspädagogik und -didaktik an der HfJS;

[Vollständiger Artikel]

 

März 2016

Raum für interreligiöses Lernen

Studierende der evangelischen, islamischen und katholischen Theologie an der Universität Osnabrück interpretieren jüdische Schrift im Blockseminar

40 Studierende der Universität Osnabrück nahmen am interreligiösen Blockseminar teil. Foto: Universität Osnabrück / Elena Scholz

40 Studierende der Universität Osnabrück nahmen am interreligiösen Blockseminar teil.
Foto: Universität Osnabrück / Elena Scholz
 

Anfang Februar dieses Jahres hielt Prof. Dr. Daniel Krochmalnik, tätig am Lehrstuhl für Jüdische Religionslehre, -pädagogik und -didaktik an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg, ein Blockseminar zur jüdischen Schrifthermeneutik an der Universität Osnabrück. Die drei Institute für Evangelische Theologie, Islamische Theologie und Katholische Theologie hatten die Veranstaltung gemeinsam angeboten.

[Vollständiger Artikel]

 

Februar 2016

Internationale Konferenz an der HfJS:

Im Rahmen des vom BMBF finanzierten Projekts „Wandel jüdischer Traditionen im Wechselspiel von Lebenswelt und Diskurs“ organisierten Professor Dr. Ronen Reichman, Dr. Asher Mattern und Vladislav Slepoy, M.A. vom 8.-10. Februar 2016 an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (HfJS) die internationale Tagung Jewish Studies and Sociology of Knowledge: Discourse, Lifeworld and the Transformation of Traditions.  

Elf Wissenschaftler aus aller Welt befassten sich mit der Frage, wie durch sozialwissenschaftliche und philosophische Perspektiven den Jüdischen Studien eine neue methodologische Orientierung verliehen werden kann, um Traditionsbildungsprozesse im Judentum zu erschließen.



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© Judith Wetzka




Januar 2016



Juniorprofessor Dr. Johannes Becke, Inhaber des Ben-Gurion-Stiftungslehrstuhls für Israel- und Nahoststudien, hielt am 8.12.2015 in der Aula der Alten Universität Heidelberg seine Antrittsvorlesung:
Land und Erlösung. Das 
zionistische Projekt im Vergleich.

In der Jüdischen Allgemeinen finden Sie eine gekürzte Fassung der Vorlesung.

 

27. Januar 2016

Brüssel, Berlin und die Konferenz von Evian 1938. Zur Aktualität des „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“

Von Johannes Heil

 

23. Juni 2015

Bundespräsident Joachim Gauck zu Besuch in der HfJS

Die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (HfJS) und die Martin Buber-Gesellschaft begrüßten heute Bundespräsident Joachim Gauck und Daniela Schadt in Heidelberg.

Dieser nahm zunächst als Ehrengast an einer Gedenkfeier teil, die anlässlich des 50. Todestages von Martin Buber in der Aula der Alten Universität Heidelberg stattfand. Im Anschluss besuchte der Bundespräsident in Begleitung von Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg.

Dort führten ihn Prof. Johannes Heil, Rektor der Hochschule, Prof. Salomon Korn, der Kuratoriumsvorsitzender der HfJS und der Hochschulrabbiner Shaul Friberg durch den Neubau in die Bibliothek Albert Einstein und in den Gebets- und Studienraum Beth Midrasch. Er erhielt unter anderem exemplarische Einblicke in aktuelle Lehr- und Forschungsprojekte der Hochschule.

Dr. Eckard Würzner, Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg, nahm den Besuch zum Anlass,  Bundespräsident Joachim Gauck und Frau Daniela Schadt einzuladen, sich in das Goldene Buch der Stadt Heidelberg einzutragen und sich bei beiden für den Besuch und die damit
verbundene Aufmerksamkeit für die Arbeit der Hochschule zu bedanken.

Zum Abschluss ging es zum Empfang in die Heinrich-Heine-Cafeteria. Dort hatte der Bundespräsident die Gelegenheit, sich besonders mit Studierenden der Hochschule auszutauschen. In einer kurzen Ansprache betonte Gauck, dass es beispielhaft sei, wie sich Bund, Land, Kommune und private Förderer gemeinsam engagieren, um die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg zu unterstützen. Das sei ihm eine große Freude!

 

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Juni 2015

Juniorprofessor Dr. Becke in der Zeitschrift 'Zenith' über die deutschen Israel-Studien

http://zenithonline.de/deutsch/gesellschaft/a/artikel/lernt-arabisch-004422/

 

April 2015

HfJS trauert um Dr. Klaus Tschira
 

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Die Angehörigen der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (HfJS) trauern mit großer Betroffenheit um ihren Ehrensenator und Förderer Dr. Klaus Tschira, der am 31. März 2015 im Alter von 74 Jahren unerwartet verstorben ist.


Prof. Dr. Johannes Heil, Rektor der HfJS, erklärt: "Wir haben Klaus Tschira als einen Mann kennengelernt, der rasch mehr als ein Förderer wurde. Und dabei hat er Großes geleistet, für unsere Hochschule mit der Stiftung der Bibliothek Albert Einstein, und für viele andere Institutionen und Personen. Aber Klaus Tschira war vor allem und über jede Förderung hinaus ein Mensch, der von Anfang an beeindruckte: durch einnehmende Offenheit, unersättliche Wissbegierde und beeindruckende Bescheidenheit.

 


Es war einfach eine Freude und eine Frucht, ihn zu hören und mit ihm zu sprechen, über die Dinge, die ihm wichtig und interessant waren, und ebenso über das, was man vortragen wollte. Man kann nur ahnen, wie viele beim ihm anklopften, um etwas vorzutragen. Aber man kann sich nicht vorstellen, dass jemand, selbst wenn sein Anliegen nicht gefördert werden konnte, enttäuscht von ihm gegangen wäre. Denn etwas hat er immer mitgegeben: Unterstützung oder Ideen, meistens beides.

Sein Erbe ist hervorragend aufgestellt. Tatkräftige Mitarbeitende werden Sorge tragen, dass was er aufgebaut hat auch in Zukunft reichen Ertrag für Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft bringen wird.
Was dagegen fehlen und nur schwer zu erreichen sein wird, ist seine Vorbildlichkeit im Denken und Handeln. Wir werden Klaus Tschira, unseren Ehrensenator, vermissen, aber uns gerne und stets mit den besten Gedanken seiner erinnern."


 

Februar 2015

Semitisten treffen sich an der HfJS: Vergabe des ersten Alexander-Sima-Gedächtnispreises der Universität Wien


15_03_03_Semitistentreffen

Babylonisch oder Assyrisch, die für Judentum, Christentum und Islam bedeutenden Kultsprachen Hebräisch, Aramäisch und Arabisch, aber auch die semitischen Sprachen Äthiopiens oder die weitgehend unbekannten südsemitischen Minderheitensprachen Mehri und Soqotr – sie alle haben eines gemeinsam: Sie gehören zu den semitischen Sprachen, den ältesten teilweise noch gesprochenen Sprachen der Menschheit.
 



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Januar 2015

Diversity and Identity - Jewish Communities and the Future of Europe - Internationale Konferenz an der HfJS
 

                           15_03_03_Diasporakonferenz

                         

Die Zukunft jüdischer Gemeinschaften in Europa wird sich unter anderem am Ausgang aktueller Konflikte und Herausforderungen entscheiden. Wissenschaftler machen dazu bei der internationalen und interdisziplinären Konferenz an der HfJS eine Bestandsaufnahme.

Das Ziel der Konferenz: möglichst viele Stimmen aus unterschiedlichen Perspektiven, Disziplinen und Ländern zu Wort kommen zu lassen, um zu erfassen, was jüdisches Leben in Europa heute ausmacht und wie es in Zukunft aussehen wird.

 



Die vollständige Pressemeldung finden Sie hier.

Pressestimme



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November 2014

Professorin Hanna Liss bleibt an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg

Die Professorin für Bibel und Jüdische Bibelauslegung Hanna Liss hat einen Ruf an die School of Jewish Theology in Potsdam für Hebräische Bibel und Exegese abgelehnt.

Die Kollegen an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (HfJS) sind sehr froh, dass Hanna Liss sich überzeugen ließ, an der HfJS zu bleiben. „Mit diesem Verbleib sichern wir die schon seit Jahren kompetente Vertretung des Faches Jüdische Bibel und Bibelauslegung für die Zukunft“, sagt Prof. Johannes Heil, Rektor der HfJS.
 

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August 2014

"Gaza 2014 - Konflikt, Protest und Antisemitismus"


In Entgegnung des andauernden Raketenbeschusses Israels durch die Hamas ist die israelische Armee gegen die Hamas-Strukturen im Gazastreifen vorgegangen. Dieser Militäreinsatz löste in Deutschland und anderen europäischen Staaten eine Welle von Demonstrationen und Solidaritätsbewegungen mit Palästina aus. Dabei vermischten sich Kritik an Israel, antisemitische Parolen und Gewaltbereitschaft. Wiederholt kam es zu tätlichen Übergriffen auf Juden. Mit diesem Befund hat sich ein Themenabend der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg am 29. Juli 2014 befasst.

Impulsvorträge hielten unter anderem Matti Steinberg, Inhabers des Ben Gurion-Gastlehrstuhls für Israel- und Nahoststudien, und Hannes Greiling, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Mannheim. Im Anschluss fand eine Podiumsdiskussion statt, die von Professor Dr. Johannes Heil, Rektor der HfJS, moderiert wurde.

Weitere Informationen sowie einExterner Inhalt Interview mit Matti Steinberg finden Sie
 Externer Inhalthier.

 

 

28. Mai 2014

Zwischen Wunder und Skandal – Bundespräsident a. D. Horst Köhler zu Gast bei den Heidelberger Hochschulreden

Im Rahmen der Heidelberger Hochschulreden begrüßte die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg am 28. Mai 2014 den Bundespräsidenten a. D. Horst Köhler.