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Max Reschke

(28.01.1894 Berlin - 30.08.1964 Berlin)


Im April 2026 kontaktierte Max Reschkes Enkel die HfJS, da er auf die in der Datenbank „Looted Cultural Assets“ publizierte Widmung an seinen Großvater aufmerksam wurde:

Meinem lieben Kollegen u. Mitarbeiter Herrn Max Reschke.

Bln., 18.9.38.

H. Stern.

Das Buch, das diese Widmung enthält, befindet sich seit 1988 im Bestand der Albert Einstein Bibliothek und wurde als mutmaßliches NS-Raubgut identifiziert und als solches veröffentlicht. 

Die Widmung stammt vom Autor selbst. Es handelt sich um Dr. Heinemann Stern, geboren 1878 im hessischen Nordeck. Stern war Lehrer an der Jüdischen Mittelschule in Berlin und wurde Anfang der 1930er Jahre Leiter dieser Schule. 1940 gelang ihm die Emigration nach Brasilien, wo er 1957 verstarb. 

Seine „Didaktik der jüdischen Schule“ erschien 1938 in Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen und es war die erste Abhandlung seit der Machtergreifung, die sich diesem Thema widmete. Die Veröffentlichung wurde unterstützt durch die Reichsvertretung der Juden in Deutschland und den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden und berücksichtigte die immer beschwerlicheren Umstände, jüdische Kinder zu beschulen. Die im Kapitel „Palästinakunde“ beschriebene Unterrichtseinheit zeugt von der fast alternativlosen Zielrichtung an den jüdischen Bildungseinrichtungen. 

Max Reschke, geboren 1896 in Berlin, war Leiter der Jüdischen Volksschule, die 1927 gegründet wurde und sich in den Räumlichkeiten der von Stern geleiteten Mittelschule (Große Hamburger Straße 27, später Kaiserstraße 29/30) befand. Er war somit Sterns Kollege und bekam von diesem das Buch mit Widmung zum Geschenk.

Ein Jahr zuvor heiratete Max Reschke die ebenfalls in Berlin geborene Hanny/Johanna Caro. Ihr gemeinsamer Sohn Wilfred kam 1930 zur Welt. 

Nach der Zwangsschließung der Schule im Jahr 1942 war Reschke für die Reichsvereinigung tätig. Ab 1943 war er Ordner und später auch Leiter der Sammellager Große Hamburger Straße und Iranische Straße in Berlin. 

Diese Funktion schützte ihn und Teile seiner Familie vor der Deportation, führte aber dazu, dass er nach Kriegsende verhaftet wurde und ohne Gerichtsurteil zunächst fünf Jahre in verschiedenen Lagern u.a. dem Speziallager Nr. 2 Buchenwald in der SBZ und DDR inhaftiert war. Weitere fünf Jahre Haft in der DDR folgten aufgrund einer Verurteilung bei den Waldheimer Prozessen. Leo Baeck bemühte sich – möglicherweise erfolgreich – um eine vorzeitige Entlassung aus der Haft. Im Jahr 1955 wurde Reschke durch das Ehrengericht der Jüdischen Gemeinde entlastet. Er starb 1964 in Berlin-Schmargendorf.

Wie Reschkes Ehefrau Johanna überlebte auch Sohn Wilfred die Shoa in Deutschland. Wilfred Reschke verbrachte nach Kriegsende einige Monate in einem UNNRA-Lager bevor er vermutlich mit der Jugend-Alija ins damalige Palästina auswanderte. Nach der Entlassung seines Vaters aus der Haft kehrte er wieder in die Bundesrepublik zurück. 

Kurz nach der Rückgabe des Buches an die Familie, wurde im Magazin der HfJS ein weiteres Buch als Eigentum des Max Reschke identifiziert: Hebräische Gesänge von Moriz Rappaport. Dieses Buch hatte Reschke bereits 1904 erhalten und zwar im Zusammenhang mit einer Belobigung für gute schulische Leistungen. Anhand des eingeklebten Widmungsetiketts wissen wir, dass Reschke die VII. Religionsschule der Jüdischen Gemeinde zu Berlin besucht hatte. Diese Schule wurde 1901 gegründet und befand sich in der Annenstraße 1b. Als Reschke die 4. Klasse besuchte, zu deren Abschluss er das Buch erhielt, besuchten etwa 300 Schülerinnen und Schüler die Lehranstalt. Geleitet wurde sie zu diesem Zeitpunkt von Rabbiner Dr. Josef Eschelbacher (1848-1916), dessen Unterschrift sich auf der Belobigung befindet. Die zweite Unterschrift stammt von dessen Sohn Dr. Max Eschelbacher (1880-1964), der Max Reschkes Lehrer war. 

Zur Geburt von Max Reschke waren seine Eltern – der Kaufmann Wolf Reschke und seine Ehefrau Hulda Reschke, geb. Kasse – unter der Adresse An der Stralauer Brücke 6 gemeldet. Das Gebäude, das nicht mehr existiert, lag zwischen der ehemaligen Waisenbrücke und der Jannowitzbrücke am heutigen Rolandsufer. Eine der beiden Brücken musste Reschke überqueren, um zur VII. Religionsschule zu gelangen. Direkt vor dem Haus befand sich eines der beliebten Spree-Flussbäder, in dem Max Reschke schwimmen gelernt hatte – so die Überlieferung seines Sohnes Wilfred (1930-2020).  


Dank:

Für die vertrauensvolle Zusammenarbeit bei der Erhellung der Biographie Max Reschkes danken wir seinem Enkel sowie für die Möglichkeit, Bilder aus dem Familienbesitz hier zu veröffentlichen. Daneben danken wir den Mitarbeiterinnen des Hessischen Staatsarchivs Marburg für die freundliche Unterstützung zur Person Heinemann Stern. 


Ausgewählte Quellen und Literatur:


Link zum Buch „Didaktik der jüdischen Schule“ in LCA: https://db.lootedculturalassets.de/index.php/Detail/objects/254167

Link zu einem alternativen Digitalisat (Dt. Nationalbibliothek/Dt. Exilarchiv): https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1032710365#page/n0/mode/2up


Link zum Buch „Hebräische Gesänge“ in LCA: https://db.lootedculturalassets.de/index.php/Detail/objects/326418

Alternatives Digitalisat (Library of Congress): https://archive.org/details/hebrischegesngem00rapp/page/n5/mode/2up (enthält übrigens eine Widmung des Autors Dr. Moriz Rappaport an Dr. Simon Schwabacher)




(Text: Ph. Zschommler)