Prof Dr. Samuel Steinherz

Steinherz, D 88 1662

 

 
KONTAKT

provenienzforschung@hfjs.eu

 

Projektleiterin:

Rabbinerin Prof. Dr. Birgit Klein

HfJS
Landfriedstraße 12
69117  Heidelberg

Tel.: (+49) (0) 6221/5419 225
Fax: (+49) (0) 6221/5419209
E-Mail: birgit.klein@hfjs.eu


Projektmitarbeiter:

Philipp Zschommler, M.A.

HfJS
Landfriedstraße 12
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(1857 Güssing - 1942 Theresienstadt)

 

Aus Anlass seines 25-jährigen Dienstjubiläums veröffentlichte Dr. Ignaz Ziegler, der langjährige Rabbiner von Karlsbad, die Schrift „Dokumente zur Geschichte der Juden in Karlsbad: 1791-1869“ (1913).

Ein Exemplar davon widmete er dem in Prag lehrenden Professor Samuel Steinherz:

Herrn Prof. Dr. S. Steinherz verehrend

zugeeignet

Karlsbad, 16.4.27

I Ziegler

Samuel Steinherz (geb. 1857 in Güssing/Burgenland) hatte sich im Rahmen seiner Studien erst in den 1920er Jahren der jüdischen Geschichte zugewandt. Als in Wien und Graz ausgebildeter Historiker/Mediävist hatte er sich bisher mit der Edition päpstlicher Nuntiaturberichte aus dem Vatikan einen Namen gemacht. Wohlwissend, dass er als Jude in diesen Disziplinen mit Widerständen zu kämpfen hatte promovierte Steinherz 1894 parallel hierzu zum Dr. jur., um den Unterhalt seiner Familie gewährleisten zu können. Mit seiner Ehefrau Sophie, geb. Kestel - geheiratet hatten sie 1896 im Wiener Stadttempel - hatte er sechs Kinder. 1901 zog die Familie nach Prag, wo Steinherz an der Deutschen Universität eine außerordentliche Professur im Fach Geschichte erhielt. Sieben Jahre später wurde er ordentlicher Professor und 1915 Ordinarius. Es war Usus, dass der dienstälteste Professor das Amt des Rektors übernimmt und so sollte Steinherz zum 1922 diese Ehre zuteil werden. Es war jedoch ebenfalls Usus, dass das Amt – fiele es auf einen jüdischen Professor – von dessen Seite abzulehnen ist. Steinherz folgte diesem Brauch zunächst nicht und verursachte dadurch heftige Proteste in der vorwiegend deutschnational eingestellten Studentenschaft. Nachdem sich weniger als ein Drittel des Lehrkörpers solidarisch zeigte, beugte sich Steinherz der Mehrheit und verzichtete im Frühjahr 1923 auf das Rektorat. In den folgenden Jahren widmete er sich vermehrt der böhmisch-jüdischen Geschichte. Anlass war wohl unter anderem eine Anfrage der Loge Praga des Unabhängigen Ordens B’nai B’rith (Grossloge für den Čechoslovakischen Staat), eine Edition der Geschichte der Juden in Böhmen, bzw. in Prag vorzubereiten. Die Großloge gründete 1928 die Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik (Společnost pro dějiny židů v Československé republice), für die Steinherz seitdem das Jahrbuch herausgab.

Hochbetagt wurden Samuel Steinherz und seine Frau Sofie (Žofie Steinherzová) im Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Wie viele andere Gelehrte auch, versuchte der inzwischen nahezu erblindete Steinherz durch Vorträge dem Leben im Lager einen Hauch von Normalität zu verschaffen. Es waren wohl die unerträglichen Zustände vor Ort, die Steinherz am 16. Dezember 1942 das Leben kosteten – es war sein 85. Geburtstag. Ein halbes Jahr später starb seine Frau Sophie. Nur deren beiden Kinder Anna und Rudolf überlebten den Holocaust. Tochter Anna überlebte im Exil in Großbritannien. Anna, eine promovierte Germanistin, war mit dem Mathematiker Dr. Artur Winternitz verheiratet. Beide hatten einen Sohn sowie einen Enkelsohn, dem wir das Buch seines Urgroßvaters im Juli 2020 aushändigen konnten.

Sohn Rudolf gelang es rechtzeitig, mit seiner Frau Gertrud geb. Bloch aus Wien nach Palästina auszuwandern.

 

Dank

Bei der Suche nach Nachkommen von Samuel Steinherz war uns dankenswerter Weise Mag.a Sabine Loitfellner von der IKG Wien behilflich sowie Anne Webber von der Commission for Looted Art Europe. Dank auch an Frau Dr. Martha Keil für die Zusammenarbeit, während sie zeitgleich mit unserer Erbensuche für die unten genannte Publikation recherchierte.

Wir freuen uns besonders über die Kontaktaufnahme mit Rudolf Steinherz‘ Enkelin Dr. Tal Yaar-Waisel, die derzeit die Familiengeschichte im Umfeld ihrer Großmutter Gertrud (Rachel) Bloch erforscht. Sie machte uns auf weitere veröffentlichte Archivalien aus dem Besitz ihrer Mutter Susanna Waisel geb. Steinherz im Archiv des Ghetto Fighters‘ House aufmerksam. Darunter befinden sich auch Unterlagen der Familie Bloch sowie Dokumente von und über Samuel Steinherz.

 

Ausgewählte Quellen

Keil, Martha: Samuel Steinherz (Jüdische Miniaturen Band 254), Berlin 2020

https://www.holocaust.cz/databaze-obeti/obet/127127-samuel-steinherz/

https://www.gfh.org.il/eng

 

Link zum Exemplar in der Datenbank Looted Cultural Assets.

 

 

 

 

 

 


 

Letzte Änderung: 14.10.2020