Rabbiner Dr. Max Katten

Katten, D 88 2828

 
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(1892 Bonn -1957 London)

 

Im Buch „Der Schulchan-Aruch und die Rabbinen über das Verhältniß der Juden zu Andersgläubigen“ (Berlin 1894) finden wir den handschriftlichen Eintrag

Max Katten 1922 [1921 wurde überschrieben]

Max Katten wurde 1892 in Bonn-Poppelsdorf geboren. Nach dem in Bonn absolvierten Abitur studierte Katten zunächst in Marburg Nationalökonomie, Philosophie und orientalische Sprachen. Nach zwei Semestern wechselte er nach Breslau, wo er sein Studium an der dortigen Universität und am Rabbinerseminar fortsetzte. Während des Ersten Weltkriegs war er u.a. als Wachmann an der dänischen Grenze eingesetzt. Im Jahr 1919 konnte er seine Studien weiterführen. 1922 wechselte er an die Universität Gießen, um beim Orientalisten Paul Kahle seine Dissertation vorzubereiten. Gleichzeitig absolvierte er in Breslau sein rabbinisches Examen. Nach seiner Promotion 1924 übernahm er in Görlitz das Amt des Rabbiners, wo er bis 1929 tätig war. Anschließend wurde er Bezirksrabbiner in Bamberg in der Nachfolge von Dr. F. S. Rülf.

Nach der Pogromnacht war Katten einer von 170 verhafteten jüdischen Männer, die nach Dachau verschleppt worden waren. Nach sechswöchiger Misshandlung wurde er entlassen und entschied bald darauf, nach England zu flüchten. Er tat dies im Frühjahr 1939 zusammen mit seinen beiden Kindern. Seine Ehefrau Vilma folgte ihm wenig später. Vilma Katten war die Tochter des Rabbiners Michael Guttmann, der mehrere Jahre in der Budapester Landesrabbinerschule lehrte und bis zur Schließung des Seminars durch die Nazis dessen Direktor war. Zwischen diesen beiden Ämtern lehrte er (1921-1938) am Breslauer Rabbinerseminar. Vermutlich lernte Max Katten dort als Absolvent auch Guttmanns Tochter Vilma kennen.

Max Kattens Mutter Nanny lebte noch in Bayern, als sie ihren Sohn drängte, das Land zu verlassen. (Kattens Vater starb bereits 1901).  Von Regensburg/Nürnberg aus wurde sie nach Theresienstadt deportiert und kam dort wenige Monate später ums Leben. Als Todesursache wurde am 05.03.1943 Altersschwäche attestiert.

Nach der Befreiung des Theresienstädter Ghettos gründete Leo Baeck in London zusammen mit anderen emigrierten Rabbinern ein liberales Lehrer- und Rabbinerseminar nach deutschem Vorbild. Max Katten war einer der daran maßgeblich beteiligten Rabbiner.

Katten starb im Jahr 1957 in London und überlebte seine bereits 1952 verstorbene Tochter Marianne. Er hinterließ seine Ehefrau Vilma und seinen Sohn Hans/John. Im Juli 2020 restituierten wir Max Kattens Buch an dessen Schwiegertochter sowie dessen drei Enkelkinder in Großbritannien und Israel.

Wie geriet das Buch nun in den Nachlass von Emil Davidovic? Hierzu kommen zwei Hypothesen in Betracht:

  1. Katten und seine Familie reisten nur mit dem allernötigsten Gepäck nach London. Vermutlich ließ er seinen kompletten Hausstand bei seiner Mutter Nanni Katten in Bayern. Falls sie bei ihrer Deportation nach Theresienstadt dieses Buch mit sich führte, wäre das Auftauchen in Davidovics Nachlass plausibel.

 

  1. Im Nachlass Davidovic befindet sich u.a. ein Buch mit dem Exlibris der Londoner Liberal Jewish Synagogue Library. Wir wissen, dass er und sein Mentor Gustav Sicher gute Kontakte zu deutschen und tschechoslowakischen Rabbinern in der Nachkriegszeit hatten, die nun in den USA und Kanada tätig waren. Neben dem genannten Buch gibt es auch weitere Hinweise, die ebenso nach England führen. So wäre es auch denkbar, dass einige Bücher als Geschenk von London nach Prag gelangten. Hinzu kommen Hinweise, die eventuelle Kontakte zur tschechoslowakischen Exilregierung in London vermuten lassen.

 

Max Kattens Sohn Hans, später John Katten (1928-2019) erlebte als zehnjähriger den Brand der Brand der Bamberger Synagoge und die Verhaftung seines Vaters. Neben seiner Tätigkeit als Architekt begann er später, seine Erlebnisse in der Malerei zu verarbeiten. Wir danken seiner Ehefrau und dessen Kindern, drei seiner Gemälde hier zeigen zu dürfen. John Katten selbst schrieb über dieses Bild mit dem Titel „My Story“ (Öl auf Leinwand, 60x70 cm):

My Story

My father was the Rabbi of Bamberg, Germany, where the Jewish community existed for over eight hundred years.
On the night of November 9th 1938 I saw our beautiful Synagogue in flames with its noble tower illuminating the sky. I was ten years old and the sight never left me. The following night my father, together with all the other Jewish men of Bamberg, was taken to the Dachau Concentration Camp. These events I record in my painting showing the spires of the Gothic Cathedral of Bamberg behind the burning Synagogue.
My parents, sister and I managed to find refuge in England in 1939 where I spent most of my life. Both my parents and sister died in London – my painting includes their gravestones.
I married Brenda – we ae blessed with three children and eight grandchildren. We fulfilled our dream to come to live in Israel where the light is bright and the sun is strong. The painting shows us on the beach enjoying watching our grandchildren at play.
Just as Noah sent out the dove to confirm the flood had ended and saw a rainbow I also came from darkness to light.

 

Katten, John_Bamberg

The [Bamberg] Synagogue burning on Kristalnacht - that I witnessed as a boy of 10 (My father's synagogue aflame – he was the Rabbi)

(Öl auf Leinwand, 70x50 cm)

 

 

 

 

 

 

Katten, John_Holocaust

My sense of the Holocaust

(Öl auf Leinwand, 70x50 cm)

 

 

 

 

 

 

 

Dank

Bei der Erbensuche konnten wir wieder auf die unschätzbare Hilfe von Anne Webber von der Commission for Looted Art in Europe zählen.

 

Ausgewählte Quellen

http://www.steinheim-institut.de:50580/cgi-bin/bhr?id=2285

Zajdband, Astrid: German rabbis in British exile : from 'Heimat' into the unknown, Boston; Berlin 2016 (Die entsprechende Dissertationsschrift mit dem Titel German Rabbis in British Exile and thair influence on Judaism in Britain: http://sro.sussex.ac.uk/id/eprint/54352/1/Zajdband%2C_Astrid.pdf )

Rott, Joachim: Max Katten (1892–1957) - ein Rabbiner aus Poppelsdorf. Eine biografische Skizze, Bonner Geschichtsblätter 68 (2018), S. 291-300.

 

Link zum Exemplar in der Datenbank Looted Cultural Assets

 

 

 


 

Letzte Änderung: 18.08.2020