Erna Eichmann

Eichmann D 88 2183

 

 

Eichmann D 88 2183 yy

 

 
Eichmann und Meyer
Ausschnitt aus einer Collage im Haus von Familie Meyer. Oben: Erna Eichmann, unten: Ursula Meyer

 

 
KONTAKT

Projektleiterin:

Rabbinerin Prof. Dr. Birgit Klein

HfJS
Landfriedstraße 12
69117  Heidelberg

Tel.: (+49) (0) 6221/5419 225
Fax: (+49) (0) 6221/5419209
E-Mail: birgit.klein@hfjs.eu


Projektmitarbeiter:

Philipp Zschommler, M.A.

HfJS
Landfriedstraße 12
69117  Heidelberg

Tel.: (+49) (0) 6221/5419 214
Fax: (+49) (0) 6221/5419209
E-Mail: philipp.zschommler@hfjs.eu

 

(1903 Salzuflen -1978 Kapstadt)

 

Das Buch „Jüdische Sagen und Legenden“ von Bernhard Kuttner (1904) enthält gleich mehrere Provenienzhinweise. Es lässt sich nicht nur die Eigentümerin identifizieren, sondern auch eine annähernde Rekonstruktion des Entzugs ist möglich.

Auf dem Vorsatzblatt befindet sich eine handschriftliche Widmung:

Dieses Buch erhält als Anerkennung

die Schülerin

Erna Eichmann

für steten Fleiß, gute Leistungen

und als Ansporn zu künftiger

Weiterarbeit.

Albert Wesel

Religionslehrer.

Schötmar Salzuflen, den 16. März 1913.

Erna Eichmann wurde 1903 in Salzuflen geboren als Tochter der Bertha Eichmann, geb. Grünewald und des Fabrikanten Julius Eichmann. Zusammen mit ihrem künftigen Ehemann Eitel Hamlet aus Gütersloh und ihren Eltern emigrierte sie im Februar 1937 nach Südafrika. 1978 starb sie kinderlos in Kapstadt.

Beim Widmungsgeber Albert Wesel handelt es sich vermutlich um den im Jahr 1880 in Breslau geborenen Kantor und Lehrer. Offensichtlich war Bad Salzuflen eine seiner beruflichen Stationen. 1939 emigrierte er nach Shanghai wo er als Hebräischlehrer tätig war. 1947 siedelte er in die USA über und starb dort 1964 – nur wenige Kilometer von der Adresse entfernt, an die wir das von ihm signierte Buch geschickt haben.

Ein Etikett im Buch lässt darauf schließen, dass Albert Wesel (?) es in Berlin erworben hatte: C. Boas Nachf. Buchhandlung Berlin C. Neue Friedrichstr. 69, Ecke Klosterstr. 2/12

Bei ihrer Flucht nach Südafrika ließ Erna Eichmann das Buch zurück. Wann genau es beschlagnahmt wurde wissen wir nicht. Im Jahr 1942 jedenfalls wurde es in der Lippischen Landesbibliothek zusammen mit vielen anderen geraubten Büchern in der sogenannten „Zeitgeschichtlichen Sammlung“ eingearbeitet. Hierauf weisen der Stempel, die Eingangsnummer und eventuell auch eine Signatur (J 5) hin. Um sie vor den Luftangriffen der Alliierten zu schützen wurde die Zeitgeschichtliche Sammlung 1944 in einem Salzstock eingelagert. Aus dem Jahr 1954 belegen Schriftstücke, dass die Lippische Landesbibliothek Buchbestände an die Jewish Trust Corporation übergeben hatte. Genannt sind hier Bücher aus enteigneten jüdischen Einrichtungen, aber wir können vermuten, dass darunter auch Bücher aus Privatbesitz waren. Offensichtlich wurden diese dann an die noch existierenden oder wieder ins Leben gerufenen jüdisch-westfälischen Gemeinden verteilt. Da das Buch im Nachlass des (seit 1963) westfälischen Landesrabbiners Emil Davidovic enthalten war, scheint es möglich, dass er es aus einer der Gemeindebibliotheken entnommen hatte. In manchen Fällen können wir davon ausgehen, dass Davidovic die Eigentümer von Büchern oder deren Nachkommen kannte. Die Frage, ob er selbst plante, diese zurückzugeben, muss leider unbeantwortet bleiben.

 

Eichmann, Ursula MeyerIm Juli 2020 konnten wir das Buch an Erna Eichmanns 95jährige Nichte Ursula Mayer restituieren. Sie wuchs in Bad Salzuflen auf, emigrierte ebenfalls nach Südafrika und lebt jetzt mit ihrer Familie in den USA.

 

 

 

 

 

 

Dank

Für die Unterstützung bei der Identifizierung von Erna Eichmann und der Suche nach den Erben danken wir Herrn Stadtarchivar Arnold Beuke, M.A. aus Bad Salzuflen, Frau Mundt vom Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen und Anne Webber von der Commission for Looted Art in Europe.

 

Ausgewählte Quellen

Meldekarten von Erna Eichmann und ihren Eltern, Stadtarchiv Bad Salzuflen

Pilzer Harald: Die Lippische Landesbibliothek als nationalsozialistische Weltanschauungsbücherei, in: Nationalsozialismus in Detmold, herausgegeben von der Stadt Detmold, bearbeitet von Hermann Niebuhr, Bielefeld 1998, S. 503-527.

Rülf, Moritz: Stammbaum der Familie Eichmann. 1660-1931, Detmold [1931].

Ruppert, Egmar: Familie Eichmann Detmold 1730-1875. Quellendokumentation (initiiert durch Franz Meyer), Stadtarchiv Bad Salzuflen, Manuskripte Nr. 341, 2001.

 

Link zum Exemplar in der Datenbank Looted Cultural Assets.

 

 

 

 

 

 


 

Letzte Änderung: 18.08.2020