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Auslegung des Monats Shvat

Da redete Gott zu Mose und sprach zu ihm: Ich bin der ER WIRD ES (Ex 6:2)

Aber weil Israels gegenwärtige Not nur ein Paradigma ist, wird der Name zur ewigen Verheißung (…) J-h-w-h ist das Futurum der Geknechteten und Leidenden. Auf die Frage wird einer helfen? wird er retten? Lautet die gewisse Antwort dieses Namens: Er wird! (…) Dieser Name ist das ausschließliche Eigentum Israels, sein köstlichster Besitz. Er ist in keiner andern Religion nachzuweisen.

Benno Jacob, Das Buch Exodus, Stuttgart 1997, 70

Der Lehrstuhl Bibel und Jüdische Bibelauslegung ist der einzige seiner Art in Deutschland, der sich in Lehre und Forschung mit Text, Überlieferung, exegetischer Rezeption und moderner Deutung der Hebräischen Bibel von der Antike bis in die Neuzeit beschäftigt. Dabei umfasst allein das Forschungsgebiet für die biblische Geschichte und Literatur einen historischen Rahmen von mehr als 1000 Jahren. Nimmt man noch die Quellen zur jüdischen Bibelauslegung in Mittelalter und Neuzeit sowie die Masora als Bindeglied zwischen dem (masoretischen) Bibeltext und seiner Auslegung hinzu, so umfasst dieses Fach idealtypisch mehr als 2500 Jahre, die in literarspezifischen Detailfragen ebenso wie in zunehmend fächerübergreifenden Fragestellungen und Forschungsansätzen überblickt sein wollen. Mit Ausnahme einiger Quellen zur jüdischen Bibelauslegung im 19. und 20. Jahrhundert sind alle entscheidenden Quellen auf Hebräisch und Aramäisch verfasst.

Am Heidelberger Lehrstuhl liegen die Schwerpunkte zum einen auf der masoretischen Bibeltext- und Manuskriptforschung (9.–13. Jahrhundert), zum anderem auf den Quellen zur jüdischen Bibelauslegung von der ersten Hälfte des 10. bis zur 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts sowie auf dem 19. und 20. Jahrhundert.

Bücher: Tanach, Liss

Forschungsschwerpunkte

Erst die sog. Masora aus Eretz Israel, d.h. der masoretische Hypertext mit Vokalisation, Akzentsetzung und Beifügung verschiedener Annotationen lässt den antiken Konsonantentext (Qumran) zum mittelalterlichen masoretischen Text werden. Ziel der Forschungen am Lehrstuhl ist die erstmalige Aufarbeitung der westeuropäischen (ashkenasischen) Masora-Tradition zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert, die sich von der orientalischen Masora philologisch und in ihrem äußeren Erscheinungsbild als masora figurata unterscheidet. Dabei geht es auch um den Inkulturationsprozess der Masora und des Hebräischen Bibeltextes in die christliche Umwelt (Architektur; Buchkunst) hinein.

Am Heidelberger Lehrstuhl steht insbesondere die Auslegungstradition der mittelalterlichen nordfranzösischen Exegetenschule im Fokus, d.h. die exegetischen Kommentare von R. Shelomo Yitzchaqi (RaShY) und seiner Schule, R. Avraham Ibn Ezra, die Mitglieder der Familie Qimchi sowie R. Moshe ben Nachman (‘RaMBaN = Nachmanides’). Daneben werden die überlieferten hebräisch-französischen Bibelglossare v.a. aus dem 13. Jahrhundert bearbeitet. Diese Bibelglossare, die die Vernakularglossen in hebräischer Graphie abbilden, sind exzeptionelle Zeugen nicht nur für die exegetische und kulturgeschichtliche judaistische Forschung, sondern auch für die morphologische, phonologische und lexikalische Erforschung des Altfranzösischen zwisachen dem 11. und 13. Jahrhundert. Sie bilden darin Grundlagentexte für die Erforschung der Wechselbeziehungen zwischen der jüdischen Geistesgeschichte und der nicht-jüdischen Umwelt.

Die Bibelauslegung der Vertreter der sog. Wissenschaft des Judentums in Deutschland und Osteuropa wird vor allem hinsichtlich ihres Einflusses auf das moderne Judentum und sein Verständnis von Religion und Kultur hin erforscht.

Lehrveranstaltungen

Die Lehrveranstaltungen werden regelmäßig an die Forschungsschwerpunkte zurückgebunden.

Dabei wird die ganze Bandbreite des Faches – von den biblischen Überlieferungen bis in die neueste Auslegungsliteratur – abgedeckt und in den Bachelor- und Masterstudiengängen im Unterricht behandelt.

In Zusammenarbeit mit dem Abraham Berliner Center werden regelmäßig workshops und Vorträge mit internationalen Gastwissenschaftlern durchgeführt.

Lehre

Wintersemester 2025/2026

  • Hauptseminar / Übung: Der Tempel: Heiliger Ort, Fiktion, Utopie

Leitung: Prof. Dr. Hanna Liss

Mittwoch, 9.15–10.45 Uhr, S 3

  • Proseminar / Übung: Yaaqov und Esaw – feindliche Antagonisten?!

Leitung: Prof. Dr. Hanna Liss

Mittwoch, 11.15–12.45 Uhr, S 3

  •  Oberseminar / Übung: Die Bedeutung der Masora im mittelalterlichen Ashkenas

Leitung: Prof. Dr. Hanna Liss

Donnerstag, 09.15–10.45 Uhr, S 3


Forschungsprojekte im Überblick

Masorah Rearranged: Eight Masoretic Lists in MS London Oriental 2091, fol. 335vcorpus masoreticum working papers 6 (2023).

Corpus Masoreticum

Paris Arsenal 5956
Berlin_SPK_Fragment_zum_Hohelied_Public_Domain_1.0

Biblia Rabbinica


Veranstaltungen

Aktuell

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Vergangene Veranstaltungen

Schulterschluss zwischen akademischer Forschung und theologisch ausgerichteter Rabbinerausbildung

Aktuelles Besondere Termine Pressemitteilung

Am Mittwoch, den 18. Februar 2026, kam es im Senatssaal der Universität Potsdam zu einem bedeutsamen Ereignis für die jüdische Bildungslandschaft in Deutschland. Die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (HfJS) und die in Potsdam ansässige Nathan Peter Levinson Stiftung, die für die liberale (Reform) und konservative (Masorti) Rabbiner- und Kantorenausbildung in Deutschland verantwortlich zeichnet, unterzeichneten eine Absichtserklärung zur zukünftigen engeren Zusammenarbeit.

Im Rahmen der feierlichen Unterzeichnung setzten Dr. Andreas Brämer, Rektor der HfJS, Dr. Dmitrij Belkin, Vorstand der Nathan Peter Levinson Stiftung, sowie Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, ihre Unterschrift unter die Vereinbarung. Der Zentralrat der Juden ist sowohl Träger der HfJS als auch Stifter der Nathan Peter Levinson Stiftung.

Diese Kooperation markiert einen wichtigen Schritt hin zum Aufbau eines bundesweiten jüdischen akademischen und rabbinischen Netzwerks. Sie soll die Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten für Studierende in den Bereichen Rabbinat, Kantorat sowie theologisch-pädagogische Bildung erweitern und gleichzeitig den wissenschaftlichen Austausch zwischen beiden Institutionen intensivieren.

Dr. Josef Schuster betonte anlässlich der Unterzeichnung:
„Ein Anker jüdischer Bildung muss die Fähigkeit und der Wille zur Vernetzung sein. Die heute vereinbarte Kooperation von Hochschule für Jüdische Studien und Levinson Stiftung ist ein sehr bedeutsamer Schritt. Durch gebündelte Kräfte statt Parallelstrukturen und durch Austausch auf Augenhöhe entsteht ein Vorbild der Zusammenarbeit zur Stärkung der jüdischen Gemeinschaft.“

Rektor Dr. Andreas Brämer hob hervor:
„Diese Absichtserklärung ist ein Versprechen an die Zukunft: Wir vollziehen den Schulterschluss zwischen akademischer Forschung und theologisch ausgerichteter Rabbinerausbildung – geeint durch den Auftrag, das jüdische Leben in Deutschland von innen heraus zu stärken.“

Auch Dr. Dmitrij Belkin, Vorstand der Nathan Peter Levinson Stiftung, unterstrich die Bedeutung der Vereinbarung:
„Diese Kooperation schlägt eine akademische und religiöse Brücke zwischen Potsdam und Heidelberg – keine Brücke, die selbstverständlich ist. Das stärkt beide Standorte und die jüdische Gemeinschaft. Und das zählt.“

Prof. Oliver Günther, Präsident der Universität Potsdam, begrüßte die neue Partnerschaft in seinem Grußwort als Bereicherung für die jüdische Bildung in Deutschland. Den Abschluss der Veranstaltung bildeten ein Vortrag von Rabbiner Netanel Olhoeft (Abraham J. Heschel Seminar für konservative Rabbinerausbildung) über das Rabbinat der Zukunft sowie eine von Dr. Anastassia Pletoukhina moderierte Diskussionsrunde mit den Unterzeichnenden.

Absichtserklärungsunterzeichnung in Potsdam
  • Datum: 19. Februar 2026
    Datum 19. Februar 2026
  • Uhrzeit: 
	07:40
	UTC+01:00
    Uhrzeit 07:40 UTC+01:00
  • Teilnahme:
    Teilnahme
  • Sprache:
    Sprache
  • Ansprechperson:
    Ansprechperson
  • Ort / Link:
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Portrait of Professor Abraham Berliner (1833-1914)

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