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Auslegung des Monats Iyyar

Aber der Aussätzige, der das Aussatz-Mal hat, seine Kleider sollen zerrissen sein, sein Haupthaar soll wild wachsen und bis über das Kinn verhülle er (sich) und: Unrein, unrein! soll er rufen. Die ganze Zeit, da das Aussatz-Mal an ihm ist, soll er unrein sein, abgeschieden soll er wohnen, außerhalb des Lagers sei seine Wohnung (...)

Abbaye und Rabba sagen beide: Alles, was als Heilmittel (sichtbar) ist, ist nicht als Amoriterbrauch [= Magie] anzusehen. Es wird gelehrt, dass, wenn ein Baum seine Früchte abwirft, man ihn mit Farbe bestreiche (...) Was für ein Mittel ist das Anstreichen mit Farbe? Damit die Leute ihn sehen und für ihn um Erbarmen flehen. Es wird nämlich gelehrt: „Unrein, unrein! soll er rufen…“, er muss sein Leid öffentlich kundtun, damit die Menge für ihn um Erbarmen flehe.

bShab 67a zu Lev 13,45f

Der Lehrstuhl Bibel und Jüdische Bibelauslegung ist der einzige seiner Art in Deutschland, der sich in Lehre und Forschung mit Text, Überlieferung, exegetischer Rezeption und moderner Deutung der Hebräischen Bibel von der Antike bis in die Neuzeit beschäftigt. Dabei umfasst allein das Forschungsgebiet für die biblische Geschichte und Literatur einen historischen Rahmen von mehr als 1000 Jahren. Nimmt man noch die Quellen zur jüdischen Bibelauslegung in Mittelalter und Neuzeit sowie die Masora als Bindeglied zwischen dem (masoretischen) Bibeltext und seiner Auslegung hinzu, so umfasst dieses Fach idealtypisch mehr als 2500 Jahre, die in literarspezifischen Detailfragen ebenso wie in zunehmend fächerübergreifenden Fragestellungen und Forschungsansätzen überblickt sein wollen. Mit Ausnahme einiger Quellen zur jüdischen Bibelauslegung im 19. und 20. Jahrhundert sind alle entscheidenden Quellen auf Hebräisch und Aramäisch verfasst.

Am Heidelberger Lehrstuhl liegen die Schwerpunkte zum einen auf der masoretischen Bibeltext- und Manuskriptforschung (9.–13. Jahrhundert), zum anderem auf den Quellen zur jüdischen Bibelauslegung von der ersten Hälfte des 10. bis zur 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts sowie auf dem 19. und 20. Jahrhundert.

Bücher: Tanach, Liss

Forschungsschwerpunkte

Erst die sog. Masora aus Eretz Israel, d.h. der masoretische Hypertext mit Vokalisation, Akzentsetzung und Beifügung verschiedener Annotationen lässt den antiken Konsonantentext (Qumran) zum mittelalterlichen masoretischen Text werden. Ziel der Forschungen am Lehrstuhl ist die erstmalige Aufarbeitung der westeuropäischen (ashkenasischen) Masora-Tradition zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert, die sich von der orientalischen Masora philologisch und in ihrem äußeren Erscheinungsbild als masora figurata unterscheidet. Dabei geht es auch um den Inkulturationsprozess der Masora und des Hebräischen Bibeltextes in die christliche Umwelt (Architektur; Buchkunst) hinein.

Am Heidelberger Lehrstuhl steht insbesondere die Auslegungstradition der mittelalterlichen nordfranzösischen Exegetenschule im Fokus, d.h. die exegetischen Kommentare von R. Shelomo Yitzchaqi (RaShY) und seiner Schule, R. Avraham Ibn Ezra, die Mitglieder der Familie Qimchi sowie R. Moshe ben Nachman (‘RaMBaN = Nachmanides’). Daneben werden die überlieferten hebräisch-französischen Bibelglossare v.a. aus dem 13. Jahrhundert bearbeitet. Diese Bibelglossare, die die Vernakularglossen in hebräischer Graphie abbilden, sind exzeptionelle Zeugen nicht nur für die exegetische und kulturgeschichtliche judaistische Forschung, sondern auch für die morphologische, phonologische und lexikalische Erforschung des Altfranzösischen zwisachen dem 11. und 13. Jahrhundert. Sie bilden darin Grundlagentexte für die Erforschung der Wechselbeziehungen zwischen der jüdischen Geistesgeschichte und der nicht-jüdischen Umwelt.

Die Bibelauslegung der Vertreter der sog. Wissenschaft des Judentums in Deutschland und Osteuropa wird vor allem hinsichtlich ihres Einflusses auf das moderne Judentum und sein Verständnis von Religion und Kultur hin erforscht.

Lehrveranstaltungen

Die Lehrveranstaltungen werden regelmäßig an die Forschungsschwerpunkte zurückgebunden.

Dabei wird die ganze Bandbreite des Faches – von den biblischen Überlieferungen bis in die neueste Auslegungsliteratur – abgedeckt und in den Bachelor- und Masterstudiengängen im Unterricht behandelt.

In Zusammenarbeit mit dem Abraham Berliner Center werden regelmäßig workshops und Vorträge mit internationalen Gastwissenschaftlern durchgeführt.

Lehre

Sommersemester 2026

  • Grundkurs: Mechina: Einführung in die Hebräische Bibel

Leitung: Prof. Dr. Hanna Liss

Mittwoch, 9.15–10.45 Uhr, S 1

  • Kolloquium: Doktorand*innen-/Post-Doc-Kolloquium Bibel und Jüdische Bibelauslegung

Leitung: Prof. Dr. Hanna Liss 

Mittwoch, 11.15–12.45; S 1

  •  Oberseminar / Übung: Biblische Texte im Fokus moderner und klassischer Auslegungen

Leitung: Prof. Dr. Hanna Liss

Donnerstag, 9.15–10.45 Uhr, S 1

  • Hauptseminar / Übung: Die Hebräische Bibel in der modernen deutschen Literatur

Leitung: Prof. Dr. Hanna Liss / Prof. Dr. Andrea Albrecht (Germanistisches Seminar)

Donnerstag, 11.15–12.45 Uhr, S 4


Forschungsprojekte im Überblick

Masorah Rearranged: Eight Masoretic Lists in MS London Oriental 2091, fol. 335vcorpus masoreticum working papers 6 (2023).

Corpus Masoreticum

Paris Arsenal 5956
Berlin_SPK_Fragment_zum_Hohelied_Public_Domain_1.0

Biblia Rabbinica


Veranstaltungen

Aktuell

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Vergangene Veranstaltungen

Lost Books Lab startet in Baden-Württemberg

Aktuelles Pressemitteilung

Geraubte Bücher erzählen von Enteignung, Verfolgung und kultureller Auslöschung. Genau hier setzt das neue Projekt „Lost Books Lab – Partizipative Bildungsformate zu NS-Raubgut im beruflichen Kontext“ an, das zum 1. Mai gestartet ist. Das Vorhaben wird im Rahmen des Programms „Bildung gegen Antisemitismus“ von der Baden-Württemberg Stiftung gefördert. Ziel ist es, ein übertragbares Bildungsformat zu entwickeln, das Antisemitismus am konkreten historischen Objekt – dem im Nationalsozialismus geraubten Buch – nachvollziehbar macht.

Das “Lost Books Lab Baden-Württemberg” richtet sich an Auszubildende und Mitarbeitende von Unternehmen in Baden-Württemberg und eröffnet damit neue Zugänge zur antisemitismuskritischen Bildung im beruflichen Kontext. In Kooperation mit Bibliotheken setzen sich die Teilnehmenden in drei-stündigen Workshops mit historischen Buchbeständen auseinander, recherchieren Provenienzmerkmale und gehen den Spuren ehemaliger jüdischer Eigentümerinnen und Eigentümer nach.  Nach einer Einführung in die Geschichte des systematischen Raubs jüdischer Bibliotheken und in Methoden der Provenienzforschung arbeiten sie eigenständig in Gruppen mit historischen Büchern, dokumentieren ihre Funde und reflektieren deren Bedeutung für die Gegenwart. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Das Angebot ist für Teilnehmende und Unternehmen kostenfrei.

„Geraubte Bücher zeigen, dass Antisemitismus sich in konkreten Handlungen der Ausgrenzung, Enteignung und kulturellen Auslöschung niederschlug. Das Lost Books Lab verbindet historische Bildung mit aktiver Recherche und ermöglicht Teilnehmenden, selbst einen Beitrag zur Aufarbeitung dieses Unrechts zu leisten“, sagt Botschafter a. D. Shimon Stein, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins des Leo Baeck Instituts.

Das Projekt wird von der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, den Freunden und Förderern des Leo Baeck Instituts e. V. und dem Leo Baeck Institut Jerusalem durchgeführt. Die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg ist eine staatlich anerkannte Hochschule des Zentralrats der Juden in Deutschland und bringt die Expertise in jüdischer Geschichte, antisemitismuskritischer Bildung und Provenienzforschung mit. Das Leo Baeck Institut erforscht und vermittelt die Geschichte und Kultur der deutschsprachigen Jüdinnen und Juden; seine Public-History-Initiative “Library of Lost Books” wurde mehrfach ausgezeichnet.

In der 24-monatigen Projektlaufzeit bis April 2028 werden Workshops in Baden-Württemberg entwickelt, erprobt und gemeinsam mit lokalen Partnern umgesetzt. Ergänzend entstehen ein digitales Handbuch, Qualifizierungsangebote für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie eine modulare Ausstellung.

Für die Umsetzung werden weitere Partner in Baden-Württemberg gesucht. Bibliotheken, Unternehmen, Archive, Antiquariate und regionale Netzwerke, die Interesse an einer Zusammenarbeit haben oder das Format an ihrem Standort erproben möchten, sind eingeladen, Kontakt aufzunehmen.

Besitzvermerk von Friedrich Knöpfelmacher
  • Datum: 6. Mai 2026
    Datum 6. Mai 2026
  • Uhrzeit: 
	11:10
	UTC+02:00
    Uhrzeit 11:10 UTC+02:00
  • Teilnahme:
    Teilnahme
  • Sprache:
    Sprache
  • Ansprechperson:
    Ansprechperson
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    Ort / Link
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Portrait of Professor Abraham Berliner (1833-1914)

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