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Shared Citizenship in Deeply Divided Societies

Cyprus, Israel and Turkey

Dieses Projekt untersucht, wie gemeinsame Staatsbürgerschaft in Gesellschaften gedacht und gelebt werden kann, die von tiefgreifenden politischen, ethnischen, religiösen und ideologischen Spannungen geprägt sind. Mit Blick auf Israel, die Türkei und Zypern geht es der Frage nach, wie Menschen in konfliktgeladenen und polarisierten Kontexten Zugehörigkeit, politische Gemeinschaft und die Perspektive einer gemeinsamen bürgerlichen Zukunft verstehen.

Das Projekt bringt Forschende aus Deutschland und dem Nahen Osten mit zivilgesellschaftlichen Partnern in der Türkei, auf Zypern und in Israel zusammen und verknüpft vergleichende Forschung mit öffentlichem Engagement. Auf Grundlage von Interviews, Fokusgruppen, Workshops sowie der Zusammenarbeit mit Praktikerinnen und Praktikern analysiert es sowohl die Grenzen als auch die Potenziale gemeinsamer Staatsbürgerschaft in stark gespaltenen Gesellschaften des östlichen Mittelmeerraums. Zugleich leistet es einen Beitrag zu übergreifenden Debatten über demokratischen Rückschritt, exkludierenden Populismus und die Zukunft liberaler Demokratien.

Gefördert wird das Projekt von der VolkswagenStiftung im Rahmen des Programms „Transformational Knowledge on Democracies under Change – Transdisciplinary Perspectives“.

Zielsetzung

Das Projekt entwickelt und erprobt die Idee der gemeinsamen Staatsbürgerschaft als Ansatz, um Demokratie in tief gespaltenen Gesellschaften zu denken. Die Idee der „Shared Citizenship“ ist ein inklusives Modell politischer Solidarität, das ethnische und konfessionelle Trennlinien überwindet und die demokratische Resilienz in Zeiten von Polarisierung und Populismus stärkt.

Das Projekt reagiert auf die weltweite Erosion sozialer Solidarität, die durch den Abbau von Wohlfahrtssystemen, zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit und Migrationsdruck verstärkt wird und ausgrenzenden Populismus befördert hat. Ausgehend von der Annahme, dass gemeinsame Staatsbürgerschaft entsteht, wenn sich „dünne Identitäten“, die auf gemeinsamen sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen („shared fate“) beruhen, zu „dicken Identitäten“ entwickeln, die auf politischer Verbundenheit und kollektiver Verantwortung („shared destiny“) basieren, untersucht das Projekt, wie tief gespaltene Gesellschaften inklusivere demokratische Kulturen fördern können.

Der vergleichende Fokus liegt auf Israel, der Türkei und Zypern. Diese drei Fälle unterscheiden sich in wichtigen Aspekten, teilen jedoch einen post-osmanischen Hintergrund, umstrittene Mehrheits-Minderheits-Verhältnisse sowie aktuelle Auseinandersetzungen um Demokratie, Zugehörigkeit und Ausschluss. Ihre gemeinsame Betrachtung ermöglicht es, sowohl gemeinsame Muster als auch fallspezifische Dynamiken zu identifizieren.

Die Forschung wird von vier zentralen Fragen geleitet:


Was sind die wichtigsten Hindernisse für gemeinsame Staatsbürgerschaft in diesen drei Gesellschaften?
Wie verstehen, praktizieren oder lehnen unterschiedliche Gruppen dieses Konzept ab?
Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zeigen sich zwischen den drei Fällen?
Und welche praktischen politischen Ideen und Bildungsinstrumente könnten dazu beitragen, inklusivere Formen der Demokratie zu stärken?

 

Um diese Fragen zu beantworten, verbindet das Projekt konzeptionelle Arbeit mit qualitativer Forschung. In jedem Land führen wir Interviews und Fokusgruppen mit Akteuren der Zivilgesellschaft und anderen relevanten Teilnehmenden durch. Ziel ist es nicht nur, wissenschaftliches Wissen zu produzieren, sondern auch eine klarere Sprache zur Diskussion gemeinsamer Staatsbürgerschaft zu entwickeln und Ergebnisse zu generieren, die über die Wissenschaft hinaus diskutiert werden und Wirkung entfalten können.


Forschungsgruppe

Das Projekt wird von Prof. Dr. Johannes Becke an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg geleitet und in Kooperation mit dem Van Leer Jerusalem Institute in Jerusalem durchgeführt. Es bringt ein interdisziplinäres Team zusammen, das in den Bereichen Politikwissenschaft, Geschichte, Sozialgeographie und verwandten Disziplinen arbeitet.

Unser lokales Team an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg:

Johannes Becke
Lehrstuhlinhaber Israel- und Nahoststudien
Studiendekan

Prof. Dr. Johannes Becke

Uri Rosenberg
Senior Researcher
Ben-Gurion-Lehrstuhl für Israel- und Nahoststudien

Dr. Uri Rosenberg

Wissenschaftliche Hilfskraft
Ben-Gurion-Lehrstuhl

Ruth Schmedes

Team des Van Leer Instituts

Professor Dani Filc - Forschungsleiter (Ben-Gurion-Universität im Negev)


E-Mail

Website

Dr. Marik Shtern - Senior Researcher 

E-Mail

Website

Aliza Gold - Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Projektkoordinatorin

E-Mail

Übertragung in die Praxis

Ein zentrales Ziel des Projekts ist es, akademische Forschung mit praktischer Arbeit im Feld zu verbinden. Von Beginn an wurde das Projekt in Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Akteur:innen konzipiert, und diese Kooperation wird besonders in der Endphase des Projekts wichtig, wenn Forschungsergebnisse in Empfehlungen, Lehrmaterialien und öffentlich zugängliche Formate übersetzt werden.

In Israel arbeitet das Projekt mit dem Forum for Regional Thinking zusammen, einem Thinktank, der kritische Analysen zum Nahen Osten und zur Rolle Israels in der Region erstellt. In Zypern kooperiert es mit dem SocialTech Lab, einem Zentrum für türkisch- und griechisch-zypriotische Sozial- und Tech-Unternehmer:innen mit Sitz in der Pufferzone von Nikosia. Zudem besteht eine Partnerschaft in der Türkei. Diese drei Partner tragen dazu bei, die Forschung in lokalen Realitäten zu verankern und ermöglichen es, zu erproben, wie die im Projekt entwickelten Ideen in Bildungs-, zivilgesellschaftlichen und politiknahen Kontexten angewendet werden können.

Diese Zusammenarbeit ist kein bloßer Zusatz zur Forschung. Die zivilgesellschaftlichen Partner bringen Praxiswissen ein, helfen dabei, relevante Zielgruppen zu identifizieren, und beteiligen sich an Diskussionen darüber, wie die Ergebnisse des Projekts vermittelt und angewendet werden können. Im Gegenzug stellt das Projekt vergleichende Perspektiven, konzeptionelle Werkzeuge und forschungsbasierte Erkenntnisse bereit, die ihre eigenen Programme und ihre öffentliche Arbeit unterstützen können.

Im fünften Jahr des Projekts wird dieser Austausch zu konkreten Ergebnissen führen, die über die akademische Welt hinausgehen: Bildungsseminare, Lehrmaterialien, politiknahe Empfehlungen und öffentliche Veranstaltungen. Ziel ist es, die Ergebnisse des Projekts für Praktiker:innen, Lehrende und eine breitere Öffentlichkeit nutzbar zu machen, die sich für Demokratie, Polarisierung und die Bedingungen eines gemeinsamen politischen Lebens in geteilten Gesellschaften interessieren.