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Auslegung des Monats Tammuz

Dies ist die Satzung der Tora (Num 19,2)

Ein Nichtjude fragte R. Yochanan ben Zakkai: „Was ihr Juden [da] macht, scheint eine Art Zauberei zu sein: Eine Kuh wird gebracht, geschächtet, verbrannt, zu Asche zermahlen und ihre Asche wird gesammelt. Wenn dann einer von euch durch den Kontakt mit einer Leiche verunreinigt wird, werden zwei oder drei Tropfen der mit Wasser vermischten Asche auf ihn gesprengt, und man sagt ihm: ‚Du bist gereinigt.‘“ R. Yochanan fragte den Nichtjuden: „… Hast du jemals einen Mann gesehen, der vom Geist des Wahnsinns besessen war?“ Der Nichtjude antwortete: „Ja!“ „Und was macht ihr mit einem solchen Mann?“ „Es werden Wurzeln gebracht, deren Rauch man über ihm aufsteigen lässt, und er wird mit Wasser besprengt, bis der Geist des Wahnsinns flieht.“ Da sagte R. Yochanan: „Mögen deine Ohren hören, was dein Mund geredet hat; so wie dieser Geist [des Wahnsinns], ist auch der Geist der Unreinheit ...“ Als (der Nichtjude) gegangen war, sagten die Schüler von R. Yochanan: „Meister! Du hast den Nicht-Juden mit einem Schilfrohr beiseite gestoßen, aber uns – was antwortest du uns?“ R. Yochanan sagte: „Bei eurem Leben: Nicht verunreinigt der Tote, noch reinigt die [Mischung aus Asche und] Wasser! Es ist vielmehr der Beschluss des Heiligen, er sei gepriesen. Der Heilige, er sei gepriesen sagte: Eine Satzung habe ich gegeben, einen Beschluss habe ich gefasst – und du bist nicht befugt, meinen Beschluss zu übertreten“: Dies ist die Satzung der Tora (Num 19,2)

Pesiqta de Rav Kahana 4,7

Der Lehrstuhl Bibel und Jüdische Bibelauslegung ist der einzige seiner Art in Deutschland, der sich in Lehre und Forschung mit Text, Überlieferung, exegetischer Rezeption und moderner Deutung der Hebräischen Bibel von der Antike bis in die Neuzeit beschäftigt. Dabei umfasst allein das Forschungsgebiet für die biblische Geschichte und Literatur einen historischen Rahmen von mehr als 1000 Jahren. Nimmt man noch die Quellen zur jüdischen Bibelauslegung in Mittelalter und Neuzeit sowie die Masora als Bindeglied zwischen dem (masoretischen) Bibeltext und seiner Auslegung hinzu, so umfasst dieses Fach idealtypisch mehr als 2500 Jahre, die in literarspezifischen Detailfragen ebenso wie in zunehmend fächerübergreifenden Fragestellungen und Forschungsansätzen überblickt sein wollen. Mit Ausnahme einiger Quellen zur jüdischen Bibelauslegung im 19. und 20. Jahrhundert sind alle entscheidenden Quellen auf Hebräisch und Aramäisch verfasst.

Am Heidelberger Lehrstuhl liegen die Schwerpunkte zum einen auf der masoretischen Bibeltext- und Manuskriptforschung (9.–13. Jahrhundert), zum anderem auf den Quellen zur jüdischen Bibelauslegung von der ersten Hälfte des 10. bis zur 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts sowie auf dem 19. und 20. Jahrhundert.

Bücher: Tanach, Liss

Forschungsschwerpunkte

Erst die sog. Masora aus Eretz Israel, d.h. der masoretische Hypertext mit Vokalisation, Akzentsetzung und Beifügung verschiedener Annotationen lässt den antiken Konsonantentext (Qumran) zum mittelalterlichen masoretischen Text werden. Ziel der Forschungen am Lehrstuhl ist die erstmalige Aufarbeitung der westeuropäischen (ashkenasischen) Masora-Tradition zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert, die sich von der orientalischen Masora philologisch und in ihrem äußeren Erscheinungsbild als masora figurata unterscheidet. Dabei geht es auch um den Inkulturationsprozess der Masora und des Hebräischen Bibeltextes in die christliche Umwelt (Architektur; Buchkunst) hinein.

Am Heidelberger Lehrstuhl steht insbesondere die Auslegungstradition der mittelalterlichen nordfranzösischen Exegetenschule im Fokus, d.h. die exegetischen Kommentare von R. Shelomo Yitzchaqi (RaShY) und seiner Schule, R. Avraham Ibn Ezra, die Mitglieder der Familie Qimchi sowie R. Moshe ben Nachman (‘RaMBaN = Nachmanides’). Daneben werden die überlieferten hebräisch-französischen Bibelglossare v.a. aus dem 13. Jahrhundert bearbeitet. Diese Bibelglossare, die die Vernakularglossen in hebräischer Graphie abbilden, sind exzeptionelle Zeugen nicht nur für die exegetische und kulturgeschichtliche judaistische Forschung, sondern auch für die morphologische, phonologische und lexikalische Erforschung des Altfranzösischen zwisachen dem 11. und 13. Jahrhundert. Sie bilden darin Grundlagentexte für die Erforschung der Wechselbeziehungen zwischen der jüdischen Geistesgeschichte und der nicht-jüdischen Umwelt.

Die Bibelauslegung der Vertreter der sog. Wissenschaft des Judentums in Deutschland und Osteuropa wird vor allem hinsichtlich ihres Einflusses auf das moderne Judentum und sein Verständnis von Religion und Kultur hin erforscht.

Lehrveranstaltungen

Die Lehrveranstaltungen werden regelmäßig an die Forschungsschwerpunkte zurückgebunden.

Dabei wird die ganze Bandbreite des Faches – von den biblischen Überlieferungen bis in die neueste Auslegungsliteratur – abgedeckt und in den Bachelor- und Masterstudiengängen im Unterricht behandelt.

In Zusammenarbeit mit dem Abraham Berliner Center werden regelmäßig workshops und Vorträge mit internationalen Gastwissenschaftlern durchgeführt.

Lehre

Sommersemester 2026

  • Grundkurs: Mechina: Einführung in die Hebräische Bibel

Leitung: Prof. Dr. Hanna Liss

Mittwoch, 9.15–10.45 Uhr, S 1

  • Kolloquium: Doktorand*innen-/Post-Doc-Kolloquium Bibel und Jüdische Bibelauslegung

Leitung: Prof. Dr. Hanna Liss 

Mittwoch, 11.15–12.45; S 1

  •  Oberseminar / Übung: Biblische Texte im Fokus moderner und klassischer Auslegungen

Leitung: Prof. Dr. Hanna Liss

Donnerstag, 9.15–10.45 Uhr, S 1

  • Hauptseminar / Übung: Die Hebräische Bibel in der modernen deutschen Literatur

Leitung: Prof. Dr. Hanna Liss / Prof. Dr. Andrea Albrecht (Germanistisches Seminar)

Donnerstag, 11.15–12.45 Uhr, S 4


Forschungsprojekte im Überblick

Masorah Rearranged: Eight Masoretic Lists in MS London Oriental 2091, fol. 335vcorpus masoreticum working papers 6 (2023).

Corpus Masoreticum

Paris Arsenal 5956
Berlin_SPK_Fragment_zum_Hohelied_Public_Domain_1.0

Biblia Rabbinica


Veranstaltungen

Aktuell

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Vergangene Veranstaltungen

Shared Citizenship in Action

Aktuelles Presse

Last week, we had the wonderful privilege of hosting the inaugural workshop of the Volkswagen Stiftung-funded project “Shared Citizenship in Deeply Divided Societies: Comparing Israel, Turkey and Cyprus.” 

The format was small & intensive: 20 guests from Turkey, Cyprus, Israel and Germany gathered for two days of rich discussion, exchange, and joint planning for the research ahead. Together, we brought academics and civil society practitioners into one room – because real change happens when these worlds connect. 

Day 1 explored shared society initiatives across our three case studies through inspiring guest lectures:

  • Nil Mutluer on Turkey
  • Ahmet Sözen on Cyprus
  • Shahira Shalaby on Israel

These three perspectives helped us compare challenges facing civic initiatives ineach context and ask: What can these different societies learn from one another?

We also held powerful panels on:

  • Shared society as an alternative to exclusionary populism
  • Comparative study of Turkey, Cyprus & Israel
  • Practical challenges of building shared societies

Day 2 shifted to internal meetings between our academic team and civil society partners, focusing on:

  • Next stages of the project
  • Field research in Turkey, Israel & Cyprus
  • Academic-CSO cooperation
  • Future dissemination of findings to the public

A heartfelt thank you to the Volkswagen Stiftung for making this project possible and for supporting a research framework that truly brings academic work into conversation with civic engagement. This is what collaborative, impact-driven research looks like!

Grateful for every conversation, every insight, and every partner who joined us on this journey. The road ahead is full of promise! 

Shared Citizenship Workshop
  • Datum: 22. Juni 2026
    Datum 22. Juni 2026
  • Uhrzeit: 
	09:14
	UTC+02:00
    Uhrzeit 09:14 UTC+02:00
  • Teilnahme:
    Teilnahme
  • Sprache:
    Sprache
  • Ansprechperson:
    Ansprechperson
  • Ort / Link:
    Ort / Link
  • Anmeldung erforderlich? Ohne Anmeldung

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Portrait of Professor Abraham Berliner (1833-1914)

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