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Hertie-Stiftung Gastprofessur

Die Gastprofessorin im Wintersemester 2026/27

Prof. Dr. Dani Kranz

Dr. Dani Kranz ist angewandte Anthropologin, Direktorin von Two Foxes Consulting und Forschungskoordinatorin am Tikvah Institut in Berlin. Ihre Forschung beschäftigt sich mit jüdischem Leben in der Gegenwart, Migration, Ethnizität, Erinnerungskulturen sowie Antisemitismus und Philosemitismus.

Kranz hat Anthropologie, Sozialpsychologie und Geschichte studiert und an der University of St Andrews in Sozialanthropologie promoviert. Sie war unter anderem an der Ben-Gurion-Universität in Israel, am El Colegio de México, an der Bergischen Universität Wuppertal, der Hochschule Rhein-Waal und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg tätig. Seit 2025 ist sie Erste Vorsitzende von „Präsenzen – Netzwerk jüdische Gegenwartsforschung e. V.“ Ihre Arbeit verbindet ethnografische Forschung mit gesellschaftlichem Transfer: Sie berät unter anderem den Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben und die Bekämpfung von Antisemitismus sowie Stiftungen, Museen und NGOs.

Lehrveranstaltungen im Wintersemester

Jews, Jewish Life-Worlds and Jewish Heritage in Contemporary Germany – Approaches from the Social Sciences

Wie gestaltet sich jüdisches Leben im heutigen Deutschland? Das Seminar nähert sich jüdischen Lebenswelten und jüdischem Erbe aus sozialwissenschaftlicher Perspektive. Im Mittelpunkt stehen die Vielfalt jüdischer Gegenwart und die Frage, wie jüdisches Erbe in der heutigen Gesellschaft verstanden und verhandelt wird.

Was ist Antisemitismus? Forschung, Forschungszugänge und -methoden nach 1945

Was verstehen wir unter Antisemitismus – und wie lässt er sich wissenschaftlich untersuchen? Das Seminar beschäftigt sich mit der Antisemitismusforschung nach 1945 und ihren unterschiedlichen theoretischen und methodischen Zugängen. Dabei geht es darum, wie Antisemitismus definiert, analysiert und zum Gegenstand wissenschaftlicher Erkenntnis wird.

Empirische Methoden in der Antisemitismus- und jüdischen Gegenwartsforschung

Wie lassen sich jüdische Gegenwart und Antisemitismus empirisch erforschen? Das Seminar widmet sich den Methoden, mit denen Forschende Erfahrungen, Wahrnehmungen und gesellschaftliche Zusammenhänge untersuchen. Im Fokus steht das Verhältnis zwischen Forschungsfrage, methodischem Zugang und wissenschaftlicher Erkenntnis.

Israel, Palästina und Deutschland im Spiegel deutschsprachiger Texte: Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf Wissensproduktion und Deutung

Wie wird in deutschsprachigen Texten Wissen über Israel, Palästina und Deutschland hergestellt und vermittelt? Das Seminar untersucht aus sozialwissenschaftlicher Perspektive, wie Deutungen entstehen und welche Sichtweisen sie prägen. Im Zentrum steht die Frage, wie Texte gesellschaftliche Vorstellungen und Debatten mitgestalten.

Eine Gastprofessur für jüdisches Leben in der Gegenwart und Antisemitismusforschung

Die Gastprofessur an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg wird durch die Gemeinnützige Hertie-Stiftung im Rahmen ihres Fonds für Antisemitismusbekämpfung und Aufklärung ermöglicht. Sie wird jeweils für ein Semester pro Studienjahr besetzt und verbindet zwei Schwerpunkte, die untrennbar zusammengehören: die Erforschung jüdischen Lebens in der Gegenwart und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Antisemitismus aus der Perspektive der Betroffenen.

Im Zentrum der Gastprofessur steht die Erforschung jüdischen Lebens heute. Jüdische Existenz ist von einer pluralen, vitalen und dynamischen Kultur geprägt – von religiösen, kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Praxen, von Debatten, Alltagswelten und Selbstverständnissen. Diese Gegenwart lässt sich nicht auf Diskriminierungserfahrungen, Abwehr oder Resilienz reduzieren. Die Gastprofessur macht jüdische Gegenwartskultur deshalb zum eigenständigen Gegenstand akademischer Forschung und Lehre.

Damit erweitert sie die historische und textgeschichtliche Ausrichtung, für die die Hochschule für Jüdische Studien bekannt ist, um eine konsequent gegenwartsbezogene Perspektive. Jüdisches Leben wird so nicht allein als Gegenstand der Vergangenheit betrachtet, sondern in seiner Vielfalt und Aktualität sichtbar gemacht.

Ergänzt wird dieser Schwerpunkt durch die wissenschaftliche Analyse des Antisemitismus aus der Perspektive der Betroffenen. Diese Perspektive kommt in der Forschung häufig zu kurz: Wie nehmen Jüdinnen und Juden Antisemitismus wahr? Wie ordnen sie ihn historisch, gesellschaftlich und theoretisch ein? Und welche Formen des Umgangs, der Selbstbehauptung und der Solidarität entwickeln sich daraus?

Die Gastprofessur bringt diese Fragen in Lehre, Forschung und öffentliche Debatten. Sie soll international renommierte Forschende nach Heidelberg holen, neue Impulse für die Hochschule setzen und den Austausch zwischen Wissenschaft, jüdischen Communities und der breiteren Öffentlichkeit stärken.