Forschungsprojekte
Drittmittelfinanzierte Forschungsprojekte:
- DFG-Projekt "Kommentar zum Zwölfprophentenbuch"
- DFG-Projekt "Mendelssohn"
- DFG-Projekt
"Integration und
Desintegration der Kulturen im europäischen Mittelalter"
„Barrieren - Passagen.
Intellektuelle
Eliten, Religionsgesetz und die Gestaltung des
Minderheit-Mehrheiten-Verhältnisses von Juden und Nichtjuden
auf der
iberischen Halbinsel zwischen 1032-1413/14“
Seit Juli 2005 fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft
(DFG) das auf insgesamt 6 Jahre eingerichtete Schwerpunktprogramm (SPP) 1173
„Integration und Desintegration der Kulturen im
europäischen Mittelalter“.
Initiiert und beantragt wurde das SPP u. a. von Michael Borgolte
(Humbolt-Universität zu Berlin) und Bernd
Schneidmüller
(Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg), welche beide als
Koordinatoren
und Sprecher des Gesamtprojekts fungieren. In derzeit 21
Einzelprojekten werden Fragen des Kontakts und Konflikts, des
Austauschs und der Abgrenzung, von Gemeinsamkeiten und
Gegensätzen
zwischen den diversen kulturellen Gruppen im mittelalterlichen Europa
problematisiert und analysiert. Dadurch soll das traditionelle Bild
einer vermeintlichen Einheitskultur Europas aufgebrochen werden, um
vielmehr seine kulturelle Vielfalt und Unterschiedlichkeit zu betonen.
Gegenwärtig
vernetzt das interdisziplinär angelegte Schwerpunktprogramm 14
deutsche
Universitäten und führt 12 Einzeldisziplinen
zusammen, darunter u. a.
Archäologie, Germanistik, Islamwissenschaften, Judaistik,
Kunstgeschichte, Mittelalterliche Geschichte und
Osteuropäische
Geschichte.
Unter dem Arbeitstitel „Barrieren
- Passagen. Intellektuelle Eliten, Religionsgesetz und die Gestaltung
des Minderheit-Mehrheiten-Verhältnisses von Juden und
Nichtjuden auf
der iberischen Halbinsel zwischen 1032-1413/14“
haben Wolfgang
Benz vom Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen
Universität Berlin und Johannes Heil vom
Ignatz-Bubis-Lehrstuhl für
Religion, Geschichte und Kultur des europäischen Judentums an
der
Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg einen
gemeinsames, auf vier
Jahre angelegtes und von Frederek
Musall M.A.
bearbeitetes Forschungsvorhaben formuliert, welches die soziale Praxis
der intellektuellen jüdischen Eliten im Mittelalter zum
Gegenstand hat.
Anstatt die beiden Forschungsfelder der Jüdischen
Geistesgeschichte und
der Jüdischen Rechtsgeschichte isoliert von einander zu
betrachten,
sollen hier gerade die Wechselwirkungen zwischen intellektueller
Traditionen und halachischer Praxis im Bezug auf die Gestaltung des
Minderheit-Mehrheiten-Verhältnisses in den Blickpunkt der
Untersuchung
genommen werden.
Das Projekt
beschäftigt sich mit dem jüdischen Bibelausleger
Josef ben Schim'on Kara (ca.1050-1125). Dieser war ein Schüler
des Salomo Jizchaqi (Raschi) und gehörte in den engeren Kreis
der nordfranzösischen Exegeten im Mittelalter, die den Text
streng nach dem Literalsinn (‚Peschat') auszulegen suchten.
Josef Karas Kommentare zur Hebräischen Bibel sind heute nur
noch in Auszügen erhalten und/oder im Kontext der Kommentare
des Raschi (gedruckt und handschriftlich) überliefert. Mit
Ausnahme der beiden ihm zugeschriebenen Hiob-Kommentare liegen bis
heute keine kritischen Texteditionen und Übersetzungen der
Kommentare des Josef Kara vor.
Es soll der Kommentar zum Zwölfprophetenbuch editiert werden,
da dieser Text - von wenigen Exzerpten abgesehen - bislang
überhaupt nicht gedruckt vorliegt. Die Sichtung und
Aufarbeitung der Handschriften unter Einbeziehung bisher bekannter
Textfragmente lässt einen exemplarischen Überblick
zur Textgeschichte des Kommentars und zur nordfranzösischen
Kommentartechnik und -überlieferung erwarten.
Ziel des Projektes ist die computergestützte Erfassung und
editionstechnische Aufbereitung aller bislang dem Kara zugeschriebenen
Textzeugen in Manuskriptform sowie etwaiger Text-Parallelen, die
bislang als Raschi-Kommentare firmieren. Darüber hinaus soll
eine kommentierte Übersetzung ins Deutsche angefertigt werden.
Gleichzeitig wird eine Präsentation und wissenschaftliche
Weiterverwertung des Materials in einer elektronischen Editionsform
angestrebt. Die Edition wird mit dem Programm Classical Text Editor
erstellt.
Das Projekt wird mit zwei Mitarbeiterstellen (Bat IIa/50%)
und
Sachmitteln von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert.
Mitarbeiter:
- Professor Dr. Hanna Liss
- Anette Adelmann, M.A.
- Claudia Brendel
Moses Mendelssohn, Gesammelte Schriften.
Jubiläumsausgabe, hrsg. von Michael Brocke, Eva J. Engel und
Daniel Krochmalnik, Stuttgart-Bad Cannstatt: frommann-holzboog.
Anläßlich der zweihundertsten Wiederkehr von Moses
Mendelssohns Geburtstag begannen die Akademie für die
Wissenschaft des Judentums und die Gesellschaft zur Förderung
der Wissenschaft des Judentums 1929 die Edition seiner Gesammelten
Schriften, einer kritischen Gesamtausgabe der Schriften und des
Briefwechsels. Nachdem sie 1938 noch einen Band zur Drucklegung hatten
bringen können, emigrierten die noch in Deutschland
verbliebenen Herausgeber und Mitarbeiter der Ausgabe in diesem und dem
folgenden Jahr. Seit 1971 setzt der Verlag frommann-holzboog, der
Alexander Altmann als neuen Herausgeber gewinnen konnte, die Edition
der unvollendeten Ausgabe fort. Heute wird die
Jubiläumsausgabe von Eva J. Engel (Wolfenbüttel),
Michael Brocke (Salomon Ludwig Steinheim-Institut, Duisburg) und Daniel
Krochmalnik (Hochschule für Jüdische Studien,
Heidelberg) herausgegeben. Die Jubiläumsausgabe wird von der
Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Alfred Freiherr von
Oppenheim-Stiftung gefördert.
Eine Übersicht über das Gesamtwerk finden Sie auf der
Website des Verlages frommann-holzboog
.
Band 9, Teil 3 und Teil 4: Pentateuchkommentare in deutscher Übersetzung, herausgegeben von Daniel Krochmalnik, übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Rainer Wenzel.

Moses Mendelssohn,
Rötelzeichnung von Daniel Chodowiecki, ca. 1775.
Moses Mendelssohn und seine Mitarbeiter schufen mit ihrer
Pentateuchedition (Sefer netivot ha-schalom), zwischen 1780 und 1782 in
Berlin erschienen, eines der wirkmächtigsten Werke der
jüdischen Aufklärung. Diese Wirkung ist mehr noch als
mit Mendelssohns deutscher Übersetzung mit dem
hebräischen Kommentar (Biur) zu erklären, der vor
allem den Zweck verfolgte, die neue Übersetzung in Beziehung
zur jüdischen exegetischen Tradition zu setzen und auf diese
Weise zu rechtfertigen.
Band 9,3 der Jubiläumsausgabe bietet
von Mendelssohn selbst
verfaßte Passagen aus dem Biur erstmals in deutscher
Übersetzung und erschließt sie durch einen
wissenschaftlichen Kommentar. Die Auswahl versucht dem exegetischen
Werk Mendelssohns in allen seinen Facetten gerecht zu werden. Neben
Texten, die für Mendelssohns Philosophie, Theologie und
Ästhetik von Bedeutung sind, darunter etwa
Überlegungen zur Theodizee (Genesis 1-2) und Exkurse zum
Offenbarungsbegriff (Exodus 20,2) und zur biblischen Poesie (Exodus 15,
Prolog), verdienen auch die Kommentare Aufmerksamkeit, die Mendelssohns
deutsche Übersetzung erklären und rechtfertigen und
in denen darüber hinaus seine Rezeption der exegetischen
Tradition zu Tage tritt. So erschließt Mendelssohn den Sinn
des biblischen Textes durch eine Analyse der syntaktischen Funktion der
masoretischen Akzentzeichen, löst exegetische Schwierigkeiten
mit grammatischen Erklärungen, rekonstruiert und
übersetzt unverständlich gewordene
altfranzösische Vokabeln, mit denen Raschi einzelne
hebräische Wörter erläutert, und
erörtert Realia wie biblische Geographie, Flora und Fauna. Die
Übersetzung berücksichtigt ferner Texte, in denen
halachische Fragen verhandelt werden. Mendelssohn erweist sich nicht
zuletzt darin als Exeget von Rang, daß sein Kommentar den
Leser zum biblischen Text zurückführt. Die Auswahl
hat das Ziel, Mendelssohns intensiver Auseinandersetzung mit dem
biblischen Text gerecht zu werden und zu einem neuen und vertieften
Verständnis seines Verhältnisses zur
jüdischen Tradition beizutragen.
Der die Übersetzung des Biur begleitende Kommentar
verzeichnet
die unmittelbaren literarischen Quellen des Biur und macht damit das
kompositorische literarische Verfahren Mendelssohns transparent.
Mendelssohn zitiert aus Talmud und Midrasch sowie den Kommentaren der
jüdischen Exegeten des Mittelalters und der Renaissance
(Raschi, Raschbam, Abraham ibn Esra, David Kimchi, Ramban, Isaak
Abravanel, Elijahu Misrachi, Salomo ibn Melech u.a.). Der Vergleich mit
der exegetischen Tradition hat gezeigt, daß Mendelssohn seine
Quellen in den meisten Fällen nicht angibt. Nicht selten ist
weitere Literatur heranzuziehen, beispielsweise das Sefer Jezira, der
Kusari des Jehuda ha Levi, Maimonides’ More nevuchim und
Mischne tora, der Reisebericht des Benjamin von Tudela oder das
kabbalistische Werk Ginnat egos von Josef Gikatilla. Der Kommentar
weist ferner nach, daß Mendelssohn sich mit der christlichen
Hebraistik und der entstehenden historisch-kritischen Bibelwissenschaft
auseinandersetzte. Er benutzte, wie im einzelnen sich zeigen
läßt, u.a. die Werke von Samuel Bochart, Robert
Lowth, Johann David Michaelis und Johann Gottfried Herder und zog auch
zeitgenössische Reiseberichte heran. Der Kommentar macht
darüber hinaus auf Verbindungen zwischen Mendelssohns Biur und
seinem philosophischen Werk aufmerksam. Überdies kommt ihm die
Aufgabe zu, das jeweilige exegetische Problem sowie Mendelssohns darauf
antwortende Argumentation deutlich zu machen. Dabei werden auch
jiddische und deutsche Bibelübersetzungen von Luther bis zu
den christlichen Gelehrten des 18. Jahrhunderts berücksichtigt.
Soeben erschienen:
Moses Mendelssohn, Gesammelte Schriften. Jubiläumsausgabe,
Band 9, Teil 3: Schriften zum Judentum III,3: Pentateuchkommentare in
deutscher Übersetzung, herausgegeben von Daniel Krochmalnik,
übersetzt von Rainer Wenzel, frommann-holzboog Verlag, X, 437
Seiten, ISBN 978-3-7728-1579-9.
Band 9, Teil 4: Schriften zum Judentum III,4: Einleitungen, Anmerkungen
und Register zu den Pentateuchkommentaren in deutscher
Übersetzung, herausgegeben von Daniel Krochmalnik, bearbeitet
von Rainer Wenzel, ca. 300 Seiten, wird im 1. Halbjahr 2010 erscheinen.
Eine Probe aus der Übersetzung finden Sie in Kalonymos
9
(2006), 2, S. 1-3; 9 (2006), 3, S. 6-9: "Was soll ich ihnen
sagen?" Moses Mendelssohn und Salomo Dubno über die
Gottesnamen.
Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und
der
Alfred Freiherr von Oppenheim-Stiftung gefördert.
Mitarbeiter:
- Prof. Dr. Daniel Krochmalnik
- Rainer Wenzel, M.A.
