Frühere Hochschulreden

Heidelberger Hochschulreden 2016

9. Juni 2016

Martin Schulz
Präsident des Europäischen Parlaments


Heimat, Flucht und Identität in Zeiten der Globalisierung

Aktuell steht nicht nur in Europa, sondern weltweit die Flüchtlingsthematik im Mittelpunkt der Diskussionen und stellt Politik sowie Gesellschaften vor große Aufgaben. Was bedeuten Heimat und Identität in einer Zeit, in der sich - laut UNHCR - etwa 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht befinden und Migrationsfragen zu globalen Angelegenheiten geworden sind? Was Martin Schulz als Präsident des Europäischen Parlaments darüber denkt, erläuterte er im Rahmen der Heidelberger Hochschulreden.

Den Text zu seiner Rede finden Sie [HIER]

 


Heidelberger Hochschulreden 2015

17. Juni 2015

Claus Kleber
Journalist und Erster Moderator des ZDF heute journals

Enttäuschungen und Irritationen - wird Amerika zum fremden Freund?

Deutschland und die Vereinigten Staaten von Amerika verbindet eine lange Freundschaft, die in den letzten Jahrzehnten durch gemeinsame Erfahrungen, Werte und Interessen stetig gewachsen ist. Amerika war für Deutschland lange die Supermacht, die nach dem zweiten Weltkrieg wichtige Hilfestellung leistete und ohne die  - als Garant der Freiheit in den Jahrzehnten des Kalten Kriegs - eine Wiedervereinigung in Frieden nicht möglich gewesen wäre.

Gegenwärtig scheint die deutsch-amerikanische Freundschaft in einer Krise zu stecken: Nach dem Krieg im Irak hat unter anderem die NSA-Affäre zu Irritationen geführt, die das deutsch-amerikanische Verhältnis schwer belasten. Seit dem Abhörskandal steht der Begriff der Freundschaft auf dem Prüfstand, das Gemeinsame droht aus dem Blickfeld zu geraten. Aktuell sorgt das Transatlantische Handelsabkommen TTIP für Kontroversen und ist stark von gegenseitigem Misstrauen geprägt.

Wie steht es um die deutsch-amerikanischen Beziehungen? Darüber sprach der ZDF-Moderator Claus Kleber bei den Heidelberger Hochschulreden 2015.
 


18. November 2015

Gregor Gysi
Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion im Bundestag bis 12. Oktober 2015

Der schwierige Kampf gegen Antisemitismus – wie könnte eine Nahost-Lösung aussehen?

Ohne den modernen Antisemitismus seit dem 19. Jahrhundert hätte es Israel vielleicht nie gegeben. Der Konflikt Israels, insbesondere mit den Palästinensern, aktiviert vorhandene antisemitische Ressentiments auch in Europa. Ein Kampf gegen den Antisemitismus muss auch das Bestreben um die Lösung des Nahostkonfliktes einschließen. 

Dr. Gregor Gysi skizzierte und bewertete in seinem Vortrag drei mögliche Szenarien hinsichtlich einer potentiellen Lösung. 

 


Heidelberger Hochschulreden 2014

30. April 2014

Jan Philipp Reemtsma
Philologe, Literaturwissenschaftler

„Das abgedruckte Bild von Bäumen und vom Grase“ oder Allerlei Atheismus im Gotteslob. Gedanken bei der Lektüre von Brockes‘ Gedichten

Die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg begrüßte als ersten Gast der

Heidelberger Hochschulreden im Jahr 2014 Professor Dr. Jan Philipp Reemtsma. Als Thema wählte der deutsche Germanist, Publizist und Mäzen die Auseinander-setzung mit der Gedichtsammlung „Irdisches Vergnügen in Gott“, bestehend in Physicalisch- und Moralischen Gedichten von Barthold Heinrich Brockes (1680–1747). Die Dichtung erschien zwischen 1721 und 1748 in neun Bänden mit insgesamt mehr als 5500 Seiten. In ihrem Mittelpunkt steht das Motiv der betrachteten Schöpfung, die in ihrer analytischen Erfassung durch den Menschen Wertschätzung erhält: Erst in der Einzelbetrachtung, die die Schönheit in der Nützlichkeit für den Menschen findet, bestätigt sich die rechte Ordnung der Schöpfung als eine Schöpfung Gottes. Jan Philipp Reemtsma bot in seinem Vortrag seine ganz eigene Interpretation des Werkes an und stellte damit gleichzeitig Bezüge zu zeitgenössischen Themen her.

 


28. Mai 2014

Horst Köhler
Bundespräsident a. D.

Zwischen Wunder und Skandal - die Ordnung der Welt und die Zukunft des Westens

Aktuell erleben wir tiefgehende Umbrüche in der Ordnung der Welt. Neue Mächte steigen auf und verändern das Kräftespiel. Die westlichen Demokratien laborieren an den Folgen von Terror und Terrorabwehr, Finanzkrise und Staatsverschuldung. Technologischer Fortschritt verbessert zwar die Chancen für eine globale Ordnungspolitik, gleichzeitig aber auch das Potential grenzüberschreitender Gefährdungen. Die Menschheit wächst in einer Geschwindigkeit, die die Biosphäre zerstört. Die Entwicklungsziele, die sich die Vereinten Nationen mit den Millennium Development Goals gesteckt hat, werden innerhalb der gesetzten Frist (2015) nur teilweise erreicht und erfordern ein neues Nachdenken über globale Nachhaltigkeitsziele. Mit diesen Themen hat sich Bundespräsident a. D. Horst Köhler in den vergangenen Jahren intensiv beschäftigt, in Expertenrunden für eine bessere Finanzarchitektur ebenso wie in einer vom Generalsekretär der Vereinten Nationen berufenen hochrangigen Arbeitsgruppe, die ein neues Paradigma für die internationale Zusammenarbeit entwickelt hat. An der HfJS sprach der  Bundespräsident a. D. Horst Köhler darüber unter dem Titel:

Zwischen Wunder und Skandal - die Ordnung der Welt und die Zukunft des Westens.

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5. November 2014

Peter Frey
Chefredakteur ZDF

Das Fernsehen im Zeitalter der digitalen Öffentlichkeit

Das Fernsehen spielt für viele von uns im alltäglichen Leben eine wichtige Rolle. Doch ist es noch immer die Informationsquelle Nummer 1? Die Digitalisierung durchdringt unseren Alltag, das Internet nimmt in der heutigen Zeit einen immer größer werdenden Stellenwert in unserem Leben ein. Nachrichten werden im besten Fall zeitgleich zum Geschehen konsumiert und dann in Blogs, Twitter oder anderen sozialen Netzwerken weiterverbreitet und kommentiert. Die Digitalisierung hat die Mediennutzung nicht nur verändert, sondern auch die Medienwelt neu gewichtet. Was bedeutet das für das Fernsehen? Brauchen wir den Fernsehjournalismus überhaupt noch in der bisherigen Form? Oder müssen sich Aufgabe und Selbstbild des Fernsehjournalismus unter diesen Bedingungen neu definieren? Im Rahmen der Heidelberger Hochschulreden 2014 sprach ZDF-Chefredakteur Dr. Peter Frey über Chancen und Herausforderungen des Fernsehens in der digitalen Welt.

 


19. November 2014

Iris Berben
Schauspielerin

Entweder man lebt oder man ist konsequent. (Erich Kästner)

Vom Suchen und Finden einer Rolle im Film und im Leben

Iris Berben ist eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen Deutschlands. Bereits mit 18 Jahren startete sie ihre Karriere. Egal ob als zähe Kommissarin, als sensible Charakterdarstellerin oder in komödiantischen Rollen - mit inzwischen über 300 Auftritten in Kino- und Fernsehfilmen begeistert Iris Berben immer wieder Kritiker und Publikum. Von ihrer Beliebtheit zeugen nicht nur hohe Einschaltquoten, sondern auch zahlreiche Auszeichnungen wie Grimmepreis, Bambi, Goldene Kamera oder Romy.

Ihre Bekanntheit nutzt Iris Berben schon seit den 90er Jahren, um sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und jede Form der Ausgrenzung einzusetzen. Über verschiedene Projekte engagiert sich die Schauspielerin für Demokratie und Menschenrechte.

Unter anderem wurde sie dafür am 21. September dieses Jahres mit dem Erich Kästner-Preis ausgezeichnet. Ein Preis, den der "Presseclub Dresden" jährlich an eine Persönlichkeit vergibt, die - laut Homepage – „sich um den Gedanken der Toleranz, der Humanität und der Völkerverständigung verdient gemacht hat.“ In der Laudatio, die Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich hielt, betonte dieser, dass Iris Berben ihre künstlerische Tätigkeit mit der eines politischen Menschen verbinde und damit zeige, wie man konsequent leben und damit andere inspirieren kann.

Entweder man lebt oder man ist konsequent – Iris Berben hat einen Weg gefunden, ihr Leben als Schauspielerin und politische Person zu gestalten. Darüber sprach sie im Rahmen der Heidelberger Hochschulreden. Aber auch darüber, warum dieses Zitat von Erich Kästner für sie bedeutend ist und was es für sie heißt, konsequent zu sein.



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3. Dezember 2014

Christian Berkel
Schauspieler

Identität zwischen Judentum und Christentum

Als letzten Redner im Jahr 2014 begrüßte die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg Christian Berkel - einen der beliebtesten Schauspieler Deutschlands. Er ist einer der wenigen, die es geschafft haben, auch international bekannt zu werden. Laut Tagesspiegel hat sein Gesicht die Lizenz für das Weiche und das Grobe – egal ob als Opfer oder als Täter, immer wieder begeistert Christian Berkel Kritiker und Publikum.

Im Rahmen der Heidelberger Hochschulreden sprach der Schauspieler über seine eigene Geschichte bzw. über die seiner Familie. Mütterlicherseits ist Christian Berkel jüdischer Abstammung, wurde aber katholisch getauft und erzogen. Sein Vater war Stabsarzt bei der Wehrmacht und durfte Berkels Mutter in der Nazizeit nicht heiraten. Erst nach vielen Jahren, nach zahlreichen Hindernissen und auf mehreren Umwegen fanden beide wieder zueinander. Eine Geschichte, die für viele nach der Handlung eines Films oder eines Romans klingen mag. Für Christian Berkel ist es eine Vergangenheit, die sein Leben bis heute maßgeblich beeinflusst hat. Inwieweit, das erläuterte er am Mittwoch, 3. Dezember 2014.

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Heidelberger Hochschulreden 2013

17. April 2013

Renate Künast
Vorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

Epoche der Transformation. Das 21. Jahrhundert politisch gesehen.

Die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg begrüßte als ersten Gast der Heidelberger Hochschulreden im Jahr 2013 die Grünen-Politikerin Renate Künast. In ihrem Vortrag ging Frau Künast  der Frage nach, wie viel Veränderung unser Land braucht und wie diese in den verschiedenen Politikfeldern gestaltet werden kann. Verkrustete Strukturen in der Gesellschaft und im Bildungssystem müssten aufgebrochen werden. Teilhabe und Aufstieg sei nur möglich, wenn alle Kinder von Beginn an gute Chancen haben. Für gleiche Chancen brauche es auch einen neuen Aufbruch in der Familien- und Frauenpolitik.

Deutschland sei wirtschaftlich darauf angewiesen, seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und die ökologische Transformation voranzutreiben. Renate Künast zeigte auf, wo Investitionen nötig sind. Sie sprach darüber, wie es gelingen kann, Ökologie und Ökonomie zusammenzubringen und mit der Energiewende internationaler Vorreiter zu werden. Den Wandel gestalten – Renate Künast zeigte Wege auf, wie trotz Ängsten und Beharrungskräften eine sozial-ökologische Transformation zur Erfolgsgeschichte für Deutschland werden kann.

 


25. April 2013

Dr. Dieter Graumann
Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

Die Jüdische Gemeinschaft in Deutschland: Pläne, Positionen, Perspektiven

Die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg begrüßte im April Dr. Dieter Graumann in Heidelberg. Mit seinem Amtsantritt im November 2010 verbindet sich die Neuausrichtung des Zentralrats der Juden in Deutschland. Graumann wendet sich umfassend gegen die Rolle des Zentralrats als moralische Instanz, die immer nur kritisiere und andere korrigiere. Es gelte, den Facettenreichtum des Judentums zu vermitteln und positiv in die Gesellschaft hinein zu wirken. „Die Opferrolle ist nicht genug, Judentum ist viel, viel mehr", bringt es der Präsident des Zentralrats auf den Punkt. Den jüngeren Generationen Rechnung tragend müsse der Zentralrat raus aus der „Holocaust-Nische“ und „rein ins Leben“. Die Angebote müssten sowohl den Bedürfnissen der Senioren als auch der jüdischen Jugend gerecht werden. Dabei unterstützt Graumann Bildungsinitiativen wie die Eröffnung einer Jüdischen Akademie ebenso wie die Versorgung aller jüdischen Gemeinden in Deutschland mit einem Rabbiner ihrer Wahl. In seinem Vortrag zeigte der Präsident des Zentralrats Wege für die fruchtbare Entwicklung jüdischen Lebens in Deutschland auf.

 


29. Mai 2013

Wolfang Thierse
Vizepräsident des Deutschen Bundestages

Religiöse Toleranz in einer pluralistischen Gesellschaft

Als letzten Redner der Heidelberger Hochschulreden im Sommersemester begrüßte die HfJS den SPD-Politiker Wolfgang Thierse. Der überzeugte Katholik und Demokrat weiß aus persönlicher Erfahrung in der DDR, was religiöse Intoleranz und Diskriminierung bedeuten. Vor diesem Hintergrund betont er die notwendige Trennung von Staat und Religion und engagiert sich gleichzeitig für die Wertschätzung von Religion allgemein in Politik und Gesellschaft. Der Pluralisierungsprozess der deutschen Gesellschaft durch Zuzug von Menschen aus verschiedenen Kontinenten stellt für den SPDler eine kulturelle Bereicherung dar. Die Wertevermittlung durch Judentum, Christentum, Islam und andere Glaubensgemeinschaften hält er für geeignet, um ein friedliches Miteinander zu schaffen. Dabei lässt er reale Probleme aber nicht außer Acht und nimmt Schwierigkeiten in der gesellschaftlichen Umsetzung wahr. In seinem Vortrag schilderte Wolfgang Thierse aktuelle Problemlagen und erläuterte Lösungsansätze für die Schaffung einer pluralistischen, toleranten Gesellschaft in Deutschland.

 


Heidelberger Hochschulreden 2012

21. 11. 12

Christian Wulff (Bundespräsident a. D.)
Gesellschaft im Wandel


Mit Amtsantritt hat sich Wulff mit gesellschaftlichen Themen auseinander gesetzt und sich öffentlich zu diesen geäußert. Das Zusammenleben unterschiedlicher Nationalitäten und Religionen in Deutschland stellen für ihn das Charakteristikum der heutigen Bundesrepublik dar. Dabei wurde er als Bundespräsident nicht müde zu betonen, dass Integration ein Aufeinander-Zugehen von beiden Seiten bedeutet. Den sozialen Wandel fokussierend gibt Christian Wulff in seinem Vortrag Einblicke in die durch Migration bedingten gesellschaftlichen Veränderungen in Deutschland in den letzten Jahrzehnten. Wohin uns dieser Wandel führt und vor welche gesellschaftlichen Herausforderungen er uns stellt beleuchtet er dabei gleichermaßen.
 


24. 10. 2012

Alexander Graf Lambsdorff
Mehr Europa wagen?


Zur Person: Seit 2001 gehört er dem Bundesvorstand seiner Partei an, seit der Europawahl 2004 ist er Mitglied des Europäischen Parlaments.     Der leidenschaftliche EU-Befürworter, der die Stabilitätsunion für zukunftsweisend hält, legt in seinem Vortrag dar, warum es trotz aller Skepsis richtig ist, den europäischen Gedanken weiter zu verfolgen. Während Sozialdemokraten die finanzielle Beweglichkeit und Autonomie Deutschlands durch die Finanzkrisen anderer europäischer Mitgliedsländer gefährdet sehen, bekennt sich der liberale Lindner zur EU. In seinem Vortrag erörtert er auch die Frage, ob die europäische Union nicht sogar noch weiter ausgebaut werden sollte anstatt gewisse Entwicklungen zurück zu nehmen.
 


17.10.2012

Thomas Gottschalk
Lassen sich Quote und Anspruch in der heutigen Fernsehunterhaltung noch auf einen Nenner bringen?


Wie kein anderer kennt er, da er sowohl für öffentlichrechtliche als auch für private Sender tätig war und ist, die Herausforderungen ein breites Publikum anzusprechen und dauerhaft nachgefragte Fernsehunterhaltung zu bieten. Der bekannteste Radio- und Fernsehmoderator der deutschen Medienlandschaft widmet sich in seinem Vortrag der Frage nach Vereinbarkeit von Quote und Anspruch in der Fernsehunterhaltung. Gottschalk wird aus den Jahrzehnte langen Erfahrungen berichten und seinen Standpunkt darlegen.
 


23. Mai 2012

Cem Özdemir (Bundesvorsitzender der Partei Bündnis 90/Die Grünen

„Europa gewinnt zusammen – oder verliert“  

Einem nicht minder spannenden Thema widmete sich im Mai der Bundesvorsitzende der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Unter dem Titel  „Europa gewinnt zusammen – oder verliert“ beleuchtete Cem Özdemir den Umgang der Europäischen Union mit der um sich greifenden Wirtschaftskrise einzelner Mitgliedsstaaten. Als oppositioneller Politiker ging er mit der politischen Elite hart ins Gericht, die, so Özdemir, die Illusion genährt hätte, dass die Mitgliedschaft in der Europäischen Union ein Garant für wirtschaftliche Prosperität und Wohlstand sei. Aber jetzt, wo es um gemeinschaftliche Verantwortung gehe, hebe man einzelne Krisenländer hervor. Er halte es für falsch, einzelne Länder an den Pranger zu stellen und allein verantwortlich für ihre Situation zu machen. Denn es seien unter anderem europäische Entscheidungen, die zu der wirtschaftlich schwierigen Situation geführt hätten.
Erschreckend sei es zu beobachten, wie schnell die viel beschworene europäische Solidarität bröckle, sobald sich eine Krise einstellt. Beinahe reflexartig bahne sich nationales Denken den Weg und bestärke die Gegner Europas in ihrer Antihaltung. Sowohl Rechts- als auch Linksextremen überlasse man auf diese Weise das Feld. Dies zeige sich am Beispiel Griechenlands, über dessen Euro-Austritt er eine offene Diskussion befürwortet, aber als überzeugter Europäer vor einem Austritt deutlich warnte. Özdemir wurde nicht müde sein Bekenntnis zu Europa zu betonen, in dem er sich nicht nur eine gemeinsame Steuer- und Sozialpolitik, sondern auch einen europäischen Finanzminister mit Sitz in der EU-Kommission vorstellen könne. Er und seine Partei wünschten sich aber eine nachhaltigere Ausgabenpolitik, die Klimaschutz, Energiewende sowie Forschung und Bildung in den Mittelpunkt stelle. Der Grünenpolitiker aus dem Schwäbischen lobte das Zustandekommen des EU-Vertrags, denn "Europa hat nur dann eine Chance, wenn sich die halbe Milliarde Menschen einigt.".
 


25. April 2012

Dr. Theo Zwanziger (Präsident des Deutschen Fußballbundes 2006-2012)
"Sport heute - Kommerz oder Wertevermittlung?"


Der erst vor kurzem geschiedene DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger referierte im April zu dem Thema „Sport heute - Kommerz oder Wertevermittlung?“. In seiner beeindruckenden freien Rede nahm er Bezug auf das Spannungsfeld, in dem sich der deutsche Fußball heute befindet. Die Entwicklung der populärsten Sportart in Deutschland hin zu einem lukrativen Wirtschaftszweig dürfe gerade wegen seiner Popularität seine  gesellschaftliche Verantwortung nicht vergessen. Sondern, im Gegenteil, solle der Fußball, so Zwanziger, seine Breitenwirkung dafür nutzen, um sozialen Missständen entschlossen entgegen zu treten. In diesem Zusammenhang sprach der ehemalige DFB-Präsident vom sogenannten Özil-Effekt. Nachdem sich Mesut Özil entschieden hatte für die deutsche und nicht die türkische Nationalmannschaft zu spielen, diente er für viele Jungen und Mädchen mit Migrationshintergrund als Vorbild und animierte sie, Fußball zu spielen und auf diese Weise den Nachwuchs des deutschen Fußballs zu vergrößern.
Sport allgemein und Fußball im Speziellen als Integrationsfeld verschiedenster Nationen und Religionen müsse Rassismus und Antisemitismus energisch die Stirn bieten. Bekenntnisse der Spieler gegen Rassismus und Antisemitismus, so wie man diese vor Bundesligapartien oder Länderspielen sieht, seien allerdings nur ein kleiner Teil der Arbeit, die auf diesem Gebiet vom DFB geleistet wird, erklärte der Referent. Nachhaltiger und breitenwirksamer seien Trainerschulungen und kontinuierliche Gespräche mit Fangruppen. Dass es sich bei diesem Thema um eine Herzensangelegenheit Theo Zwanzigers handelt, wissen alle Fußballinteressierten spätestens seit er im Jahr 2005 den Julius Hirsch-Preis ausgelobt hat. Dieser Preis wird an Einzelpersonen, Initiativen und Vereine vergeben, die sich „in öffentlich wahrnehmbarer Form für Demokratie und Menschenrechte und gegen Antisemitismus, Rassismus, Extremismus und Gewalt wenden. Die Aktivitäten sollten in, um oder durch den Fußball ihr Wirkungsfeld haben.“.

Auch wenn Fußball heute ein knallhartes Geschäft ist, bei dem es um Millionenbeträge geht, konnte Theo Zwanziger glaubhaft vermitteln, dass sich der DFB seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst ist und diese in seine tägliche Arbeit einbringt.
Näheres zu diesem Thema finden Sie unter: www.dfb.de (Nachhaltigkeit).
 


Heidelberger Hochschulreden 2011

 

23. November 2011

Dr. Joachim Gauck
Vorsitzender der Vereinigung „Gegen Vergessen – Für Demokratie“

"Freiheit - Verantwortung - Gemeinsinn"

Den Videomitschnitt der Heidelberger Hochschulreden mit Joachim Gauck vom 23. November 2011 können Sie sich hier ansehen.

 


26. Oktober 2011

Prof. Dr. Dres. h.c. Paul Kirchhof
Bundesverfassungsrichter a. D.

„Die Bewährung von Freiheit und Demokratie unter den Bedingungen eines weltoffenen Markts und eines europaoffenen Staats“

 

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Paul Kirchhof wurde 1943 in Osnabrück geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Freiburg und München promoviert er 1968 an der Universität München. 1974 folgt die Habilitation an der Juristischen Fakultät der Universität Heidelberg für die Fächer Staats- und Verwaltungs- recht, insbesondere Wirtschaftsverwaltungsrecht, Finanz- und Steuerrecht sowie Verwaltungslehre.

Von 1987-1999 ist der Verfassungs- und Steuerrechtler Richter des Bundesverfassungsgerichts. Im Jahr 2000 gründet Kirchhof die Forschungsstelle Bundessteuergesetzbuch beim Institut für Finanz- und Steuerrecht an der Universität Heidelberg.


Er ist Direktor des Instituts für Finanz- und Steuerrecht an der Universität Heidelberg und Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.  

 

Bildnachweis: Institut für Steuer- und Finanzrecht, Universität Heidelberg

 

 


 

1. Juni 2011

Prof. Dr. Norbert Lammert
Präsident des Deutschen Bundestages

"Markt und Moral. Wirtschaftsethik und staatliches Handeln"

 

Norbert Lammert ist seit 18. Oktober 2005 Präsident des Deutschen Bundestages.

Bundestagspr _sident Prof. Norbert Lammert 10.2010 .jpgNach dem Studium der Politikwissenschaft, Soziologie, Neueren Geschichte und Sozialökonomie an den Universitäten Bochum und Oxford und seiner Promotion 1975, ist der Diplomsozialwissenschaftler Lammert freiberuflich als Dozent in der Erwachsenenbildung und Weiterbildung bei verschiedenen Akademien, Stiftungen, Verbänden und Firmen tätig.

Als Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft und Honorarprofessor an der Ruhr-Universität Bochum veröffentlicht Norbert Lammert Artikel im Bereich der Parteienforschung und zu wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Problemen. Seit März 2001 ist der Präsident des Deutschen Bundestages stellvertretender Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Er ist seit 1966 Mitglied der CDU und wird 1980 erstmalig in den Bundestag gewählt.

 

Bitte beachten Sie: Für diese Veranstaltung werden Eintrittskarten vergeben. Die Karten sind ab Mittwoch, den 25. Mai 2011 im Studierendensekretariat der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg erhältlich. Bitte holen Sie Ihre Karten persönlich zu den Öffnungszeiten des Studierendensekretariats ab: Montag-Freitag, 10-13 Uhr.

Bildnachweis: Deutscher Bundestag, Lichtblick/Achim Melde
 


 

27. April 2011

Petra Gerster
Journalistin und Fernsehmoderatorin

"Charakterbildung - ein vergessener Verfassungsgrundsatz" 
 

Gerster Petra Klein

Petra Gerster, 1955 in Worms geboren, ist Journalistin und Fernsehmoderatorin. 

Nach dem Studium der Slawistik und Germanistik begann sie ihre journalistische Karriere  als Redakteurin beim Kölner Stadt-Anzeiger, später war sie als Nachrichtenredakteurin beim WDR tätig. Seit 1989 arbeitet Petra Gerster für das ZDF: zunächst als Moderatorin von Mona Lisa, seit 1998 als Moderatorin der Sendung heute. Sie erhielt den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis, die Goldene Kamera für «Glaubwürdigkeit im deutschen Fernsehen» und den Burda-Medienpreis Bambi.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann Christian Nürnberger, verfasste sie bereits mehrere     Bücher. 2001 veröffentlichten sie ein Buch zum Thema Erziehung:  „Der Erziehungsnotstand. Wie wir die Zukunft unserer Kinder retten“,  2003 die Fortsetzung „Stark für das Leben. Wege aus dem Erziehungsnotstand“. 

In ihrem aktuellen Buch "Charakter" beschäftigt sie sich mit dem Bereich der Bildung. Ber Bildungsbegriff will in diesem Zusammenhang jedoch nicht als technisches und durchökonomisiertes Wissen verstanden werden, sondern gleicht einer Art Lebenshaltung.

Mit der Charakterbildung plädiert sie für eine lebenslange Formung der eigenen Persönlichkeit. Innere Haltung, Überzeugung, Begeisterung und Unverwechselbarkeit bilden einen Charakter erst aus und lassen, so die These, Menschen zu Persönlichkeiten mit Reife und Originalität wachsen.

Wie das knappe Gut Charakterbildung als Verfassungsgrundsatz aussehen könnte, wird Petra Gerster in der Aula der Alten Universität Heidelberg vorstellen.

Bildnachweis: Sebastian Hänel


 

2. Februar 2011

Dr. Guido Westerwelle, Bundesminister des Auswärtigen

"Globalisierung gestalten – Herausforderungen an die deutsche Außenpolitik"

 

Dr. Guido Westerwelle (Bildnachweis: FDP-Bundestagsfraktion)

 Guido Westerwelle ist seit dem 28. Oktober 2009 Bundesaußenminister und Vizekanzler.

 1961 in Bad Honnef geboren, arbeitete er nach Abitur, Studium und Promotion als Rechtsanwalt in Bonn. Seit 1996 gehört er dem Deutschen Bundestag an.

 Guido Westerwelle war von 1994 bis 2001 FDP-Generalsekretär. In seiner Amtszeit wurde das Grundsatzprogramm der FDP, die Wiesbadener Grundsätze, verabschiedet. Hierbei hatte Guido Westerwelle den Vorsitz der Programmkommission.
Seit Mai 2001 ist Guido Westerwelle der Bundesvorsitzende der FDP. Von Mai 2006 bis zum Ende der Koalitionsverhandlungen des Jahres 2009 war er als Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion Oppositionsführer im Deutschen Bundestag.

  Er lebt in Bonn und Berlin.
 

 

Bildnachweis: FDP-Bundestagsfraktion

 


Heidelberger Hochschulreden 2010

 

21. Juli 2010

Prof. Dr. Dr. h. c. Bert Rürup
Mitglied des Vorstand der MaschmeyerRürup AG

"Wirtschaftsstandort Deutschland ─ zwei Jahre nach der Krise"



Im September 2008 brach in den USA die traditionsreiche Investmentbank Lehman Brothers zusammen und stand damit für den Beginn einer Wirtschaftskrise, die bis heute anhält. Knapp zwei Jahre danach zieht der Finanzexperte Bert Rürup eine erste Bilanz und zeigt auf, wie es um den Wirtschaftsstandort Deutschland bestellt ist.

Bert Rürup wurde am 7. November 1943 in Essen geboren. Nach dem Studium der wirtschaftlichen Staatswissenschaften in Hamburg und Köln, war er von 1976 bis 2009 Professor für Finanz- und Wirtschaftspolitik an der Technischen Universität Darmstadt, lehrte aber auch an anderen in- und ausländischen Universitäten und war Gastprofessor in Wien, Leipzig und Bukarest.

Neben seiner Tätigkeit als Wissenschaftler ist Rürup vor allem als Politikberater bekannt geworden. Den Schwerpunkt seiner Beratung bildet die Rentenpolitik. Unter anderem war er in der Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages „Demografischer Wandel“; Mitglied der Kommission der Bundesregierung „Fortentwicklung der Rentenversicherung“ und von 1999 bis 2001 Mitglied im Expertenkreis des Bundesarbeitsministers zur Vorbereitung der Rentenreform 2001. Im Jahr 2000 folgte er dem Ruf in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, dessen Vorsitz er im März 2005 übernommen hat. Bis 2009 war Rürup als einer der fünf Wirtschaftsweisen in der Sachverständigenkommission zur Neuordnung der Besteuerung von Altersvorsorgeaufwendungen und Alterseinkommen und in der Kommission für die Nachhaltigkeit in der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme, auch als Rürup-Kommission bekannt.

Von der Politik wechselt er 2009 in die Privatwirtschaft. Beim Finanzdienstleister AWD übernimmt er die Aufgabe des Chefökonomen und legt sein Amt in der nach ihm benannten Kommission im Februar 2009 nieder. Am Ende des Jahres 2009 scheidet Bert Rürup bei AWD aus, um gemeinsam mit dem AWD-Gründer Carsten Maschmeyer eine unabhängige und international ausgerichtete Beratungsgesellschaft für Banken, Versicherungen wie auch Regierungen zu etablieren: die MaschmeyerRürup AG.

 


23. Juni 2010   Wagner 275px

Dr. Nike Wagner   
Publizistin und Dramaturgin

„Bayreuth und Weimar - zwei deutsche Traditionen“

Bayreuth und Weimar – diese beiden Städte stehen für Nike Wagner in langjähriger Familientradition. Als Ururenkelin des Komponisten Franz Liszt, Urenkelin von Richard Wagner und Tochter Wieland Wagners sieht sie die beiden Städte sinnbildlich als ihre Lebensaufgabe: „Mit Franz Liszt gehört Weimar zu meinem Erbe, mit Richard Wagner wird auch Bayreuth immer dazugehören.“

In Überlingen am Bodensee geboren und in Bayreuth aufgewachsen, studierte Nike Wagner Musik-, Theater- und Literaturwissenschaft in Berlin, Chicago, Paris und Wien. Seit 1975 arbeitet Nike Wagner als freiberufliche Kulturwissenschaftlerin und wirkt an internationalen Symposien und Kolloquien mit. Als Autorin wurde sie bekannt durch ihre Arbeiten zur Kultur- und Geistesgeschichte der europäischen Jahrhundertwende, als Kritikerin und Essayistin durch ihre Auseinandersetzung mit Richard Wagner und Bayreuth.

Nike Wagner, die Anfang Juni ihren 65. Geburtstag feierte, gehört seit 1999 der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung an und wurde 2003 zur Sachverständigen der Enquête-Kommission »Kultur in Deutschland« des Deutschen Bundestags gewählt.

Seit 2004 ist Nike Wagner künstlerische Leiterin von pèlerinages Kunstfest Weimar; einer Pilgerreise durch Musik, Theater, Tanz, Ausstellungen, Literatur, neue Medien und Film in Anlehnung an den Klavier-Zyklus „Années de pèlerinage" von Franz Liszt. Die Ururenkelin des Komponisten wird im Rahmen der Heidelberger Hochschulreden über ihre Pilgerreise zwischen Bayreuth und Weimar sprechen.

 
Foto: Stephen Lehmann


 

26. Mai 2010

Dr. Necla Kelek
Sozialwissenschaftlerin und freie Autorin

„Über die Freiheit im Islam“

Neclakelek-01Geboren 1957 in Istanbul, kam Necla Kelek mit 10 Jahren nach Deutschland. Nach einem Studium der Volkswirtschaft und Soziologie in Hamburg und Greifswald promovierte die heutige Autorin mit einer Untersuchung über „Islamische Religiosität und ihre Bedeutung in der Lebenswelt von Schülerinnen und Schülern türkischer Herkunft“, die unter dem Titel Islam im Alltag 2002 als Buch erschien.

Im November 2005 wurde sie für ihr Buch „Die fremde Braut. Bericht aus dem Inneren des türkischen Lebens in Deutschland“ mit dem Geschwister-Scholl-Preis der Stadt München ausgezeichnet. Für ihr Buch »Die verlorenen Söhne. Plädoyer für die Befreiung des türkisch-muslimischen Mannes« erhielt sie den internationalen Sachbuchpreis CORINE 2006. Ihr jüngstes Buch „Himmelsreise“ erschien im März 2010.

Ihre Bücher und ihr Credo, den Glauben von seinem patriarchalischen Missbrauch befreien und ihn spirituell rehabilitieren zu wollen, haben in den letzten Jahren die Diskussion um Integration und den Islam in Deutschland nachhaltig geprägt. Das Bundesinnenministerium berief sie 2006 als ständiges Mitglied der Deutschen Islam Konferenz; im neuen Plenum unter der Leitung des Bundesinnenministers Thomas de Maizière ist sie jedoch nicht mehr vertreten.

Sie lebt und arbeitet als freie Autorin und Publizistin in Hamburg und Berlin.
 

 
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Fotos: Janne Königsberg

 
15. April 2010

Günther Jauch
Journalist, Moderator und Produzent


„Zwischen Anspruch, Quote und wirtschaftlichem Erfolg – Was Sie schon immer über das Fernsehen wissen wollten.“
 
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Im Wechsel als beliebtester Deutscher, intelligentester Deutscher, Wunschkandidat für das Amt des Bundeskanzlers und als beliebtester Showmoderator Deutschlands gehandelt – der Journalist und Produzent Günther Jauch steht wie kein anderer für den Siegeszug des Fernsehens.
Und bewegt sich dabei sicher und erfolgreich in den Kernbereichen, denen das Medium unterliegt: Information und Unterhaltung.

Beides miteinander zu verbinden, gelingt Jauch bereits während seines Studiums: Nach angefangenem Jura-Studium in Berlin absolviert
er die Münchener Journalistenschule und moderiert für den Bayerischen Rundfunk; unter anderem die B3-Radioshow zusammen mit Thomas Gottschalk. Erste Fernsehe
rfahrung sammelt Günther Jauch mit 29 Jahren als Rätselflug"-Reporter und Moderator der populären Jugendsendung Live aus dem Alabama". Es folgen die Sendungen Na siehste" und das „Aktuelle Sportstudio“ für das ZDF. 1990 wechselt Günther Jauch zu RTL und präsentiert die erste stern TV-Sendung, deren 20jähriges Jubiläum er in diesen Tagen feiert. Knapp 10 Jahre später startet die Quizsendung Wer wird Millionär?", für die er inzwischen mehrfach ausgezeichnet wurde.

Durch die Gründung seiner Produktionsfirma I & U TV im Sommer 2000 vereint Günther Jauch den Anspruch auf Information und Unterhaltung einmal mehr. Inwieweit jedoch Quoten und wirtschaftlicher Erfolg federführend geworden sind und wo dabei der Anspruch bleibt in einem stern TV-Format, das in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung als „ein merkwürdig unbeachtetes, aus der Zeit gefallenes Magazin“ beschrieben wird, diskutiert Günther Jauch im Gespräch mit Studierenden der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg.

 

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20. Januar 2010

Dr. Frank Schirrmacher
Herausgeber der FAZ

„Lebensläufe im digitalen Zeitalter"
 
Foto Schirrmacher Er hat einmal hier studiert, heute ist er einer der führenden Journalisten in einer der führenden Zeitungen Deutschlands. Es gibt nicht wenige Leute, die an dieser Stelle statt der relativ unbestimmten ohne Zögern die bestimmten Artikel setzten würden. 
Studium der Germanistik, Anglistik, Literaturwissenschaft und Philosophie - diese Bündelung schöner Künste, betrieben an den schönen Orten Heidelberg, Montpellier, Yale und Cambridge, führte rasch von der puren Anschauung zur Praxis: 1984 Hospitant und schon 1985 Redakteur beim Feuilleton der konservativen FAZ, der er als Feuilletonchef seit 1987 ein entschieden offeneres Gepräge verlieh. Im gleichen Jahr folgte die wissenschaftliche Promotion zum Dr. phil. in Siegen mit einer Arbeit zu "Schrift als Tradition - die Dekonstruktion des literarischen Kanons bei Kafka und Harold Bloom." Seit 1994 ist er einer fünf Herausgeber des bundesrepublikanischen Zentralorgans. 
Schirrmacher hat Kulturpublizistik immer politisch verstanden und sich auch außerhalb der Tagespresse zu Wort gemeldet. In "Das Methusalem-Komplott" (2004) setzte er sich mit der sich abzeichnenden Vergreisung der Gesellschaft auseinander, und das gleichermaßen auf kritische wie unkonventionelle Weise, die ihm 2004 den Titel eines "Journalisten des Jahres" und 2007 den Jakob Grimme-Preis einbrachte. 
Im vergangenen November erschien sein jüngstes Buch, das nach langem Titel eine sogleich heftig bebloggte Auseinandersetzung mit den dramatischen Veränderungen der Medien- und Wahrnehmungslandschaft bietet: "Payback. Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen." Die dafür fälligen Preise stehen gegenwärtig noch aus; den Ludwig Börne-Preis hat er bereits 2009 erhalten.
 
 

 


 

Heidelberger Hochschulreden in 2009

 

16. Dezember 2009

 

Mordechay Lewy
Botschafter des Staates Israel beim Heiligen Stuhl

Von Verleugnung zur Akzeptanz- zur Genese und Entwicklung der
Beziehungen des Heiligen Stuhls zum Staat Israel

Mordechai Levy01    Mordechai Levy02

Professor Dr. Johannes Heil und Mordechay Lewy (v.l.)

 

Chanukka    Chanukka01

Im Anschluss an den Vortrag wurde in der HfJS Chanukka gefeiert.

 


11. November 2009

Wolfgang Benz
Neuer Antisemitismus? Tradition und Aktualität eines Vorurteils

   

Professor Wolfgang Benz nahm sich im Anschluss an seinen Vortrag Zeit für Fragen und Diskussion mit dem Publikum.

 


1. Juli 2009

Helmut Markwort
Die Macht der Medien

 


3. Juni 2009

Ulrich Wickert

"Lob der deutschen Sprache"

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Fotos: Anton Davydov
 
 "Sprechen und Denken sind eins, oder vom Glück Deutsch zu sprechen": Heidelberger Hochschulrede von Ulrich Wickert

 


1. April 2009

Josef Ackermann
"Wettbewerb nach Regeln - Plädoyer für eine marktwirtschaftliche Ordnungspolitik"

Josef Ackermann

 

 

 

 

 

 

 

 
Foto: Anton Davydov

 


21. Januar 2009

Harald Schmidt
"Unterhaltung als Beruf"

H.Schmidt-Pult

Foto: Anton Davydov

 

 

 

Die Heidelberger Hochschulrede "Unterhaltung als Beruf" von Harald Schmidt gibt es als Video. >>>Zur Rede von Harald Schmidt

 

 

 

 

 

 

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12. November 2008

 

Alice Schwarzer
"Über die 'Emancipation' der Frauen und Juden - Gemeinsamkeiten und Unterschiede"
 

 

Alice Schwarzer, Johannes Heil

Foto: Judith Weißbach

 



29. Oktober 2008

Dr. Wolfgang Schäuble
"Staat und Religion in der pluralen Gesellschaft"

 

Schäuble Vortrag Saal 1
Foto: Anton Davydov

 

Vor seiner Rede in der Aula der Alten Universität am 29.10.2008 nahm sich Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble Zeit für ein persönliches Gespräch mit Studierenden der HfJS.

 

Den Text der Rede finden Sie hier.

 


2. Juli 2008

Günther H. Oettinger
"Marktwirtschaft und religiöse Vielfalt – Wie Minderheiten zu Europas Wohlstand und Freiheit beitragen"

 

Oettinger Hochschulrede
Foto: Judith Weißbach

 

Den Text der Rede finden Sie hier.

 


18. Juni 2008

Karl Kardinal Lehmann
"Rückkehr der Religion. Von der Ambivalenz eines zeitdiagnostischen Schlagwortes"

 

Ein Kommentar von Alexander Dubrau

 

Kardinal Lehmann

    Fotos: Judith Weißbach

Als Stimme des deutschen Katholizismus und dessen moralische Instanz ist Karl Kardinal Lehmann über die Grenzen Deutschlands bekannt. Darüber hinaus hat sich Lehmann als Gesprächspartner im interreligiösen und interkulturellen Dialog engagiert, ohne eigene Positionen aufzugeben. Als vermittelnder Wortführer trat er, daran soll erinnert werden, nach irritierenden Äußerungen deutscher Bischöfe während einer Israelreise im Frühjahr 2007 in Erscheinung.

 

Wenn der Gastredner sich nun in seinen Ausführungen dem Thema „Rückkehr der Religion“ zuwendet, greift er ein aktuelles Zeitwort und ein umfassendes gesellschaftliches Phänomen auf. Bereits der Untertitel seines Vortrags „Von der Ambivalenz eines zeitgenössischen Schlagwortes“ deutet darauf hin, dass er dieses kritisch zu reflektieren gedenkt. Lehmann zitiert einleitend Äußerungen des geradezu boomenden Literaturmarktes und kommentiert aktuelle Stellungnahmen zu diesem Thema. Auffällig ist die emotionale Reaktion vieler zeitgenössischer Kommentatoren, die sich immer dann einstellt, wenn die „Rückkehr der Religionen“ thematisiert wird. Neben wohlwollenden Beobachtern dieses vermeintlichen Paradigmenwechsel zum Religiösen (so beispielsweise „Warum die Rückkehr zur Religion gut ist“) dominieren Skeptiker unterschiedlichster Couleur. Lehmanns Ausführungen lassen das Desiderat einer sachlich-distanzierten Analyse des Phänomens erkennen. Er attestiert den aktuellen Trend eine „postmoderne Beliebigkeit“, die sich zudem negativ auf den interreligiösen Dialog auswirkt.

Im Vortrag skizziert Lehmann den Wandel des Begriffs „Religion“ und erinnert in diesem Zusammenhang auch an die Religionskritik und den Religionsspott der hebräischen Bibel. Lehmann bezieht in einem 5-Punkte-Katalog Position zum Religionsverständnis: 1) der Bezug auf Gott als Grund und Ziel ist die Essenz der Religion, 2) die Würde des Menschen ist nicht zu hinterfragen, 3) die Freiheit des Menschen ist immer zu gewährleisten, 4) die Sinnsuche des Menschen wird durch die Religion motiviert, sowie – dies ist vor allem eine christlich-katholische Position – 5) die gewaltfreie missionarische Sendung an alle Völker ist Teil des religiösen Lebensverständnisses. Die Öffnung nach außen bedarf zunächst der inneren Verortung. Das Heilsverständnis von Jesus Christus ist nach Lehmann für die Kirche unumstößlich.

LehmannDanach kommt Kardinal Lehmann auf den Umgang der katholischen Kirche mit nichtchristlichen Religionen zu sprechen, welcher nach seinem Verständnis durch ein positiv-affirmatives sowie ein verneinendes Moment gleichzeitig bestimmt ist. Eine Vermittlung beider Elemente sollte dem Grundsatz folgen: „Die Einheit der Religionen ist erreichbar ohne eine Aufhebung ihrer Vielfalt“. Mit einem optimistischen Ausblick auf den interreligiösen Dialog schließt dann auch Lehmanns Vortrag. Im Anschluss gab Kardinal Lehmann Gelegenheit zur Diskussion.

 

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23. Januar 2008

Henryk M. Broder
"Aus dem Antisemitismus könnte schon was werden, wenn sich die Juden seiner annehmen würden" – jüdischer Selbsthass von Karl Marx bis heute

 

Broder und Bodenheimer
Foto: Judith Weißbach

 


14. November 2007

Otto Schily (Bundesinnenminister a. D.)
Absolutheitsanspruch der Religion und Toleranz

 


11. Juli 2007

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel
Toleranz - die Basis des Miteinanders der Religionen und Kulturen

 
2007merkel-neubau

Die Bundeskanzlerin zu Gast in Heidelberg

 

2007 Merkel 1Mit großem Interesse hat sich Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel vom Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Prof. Dr. Salomon Korn (r.), und vom Rektor der Hochschule für Jüdische Studien, Prof. Dr. Alfred Bodenheimer (links neben dem baden-württembergischen Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg), die Neubaupläne für den Erweiterungsbau der Hochschule bei ihrem Besuch in Heidelberg erläutern lassen. Gleichwohl sparte Kanzlerin Merkel in ihrem anschließenden Vortrag nicht mit Lob für ihre Gastgeber: Die Hochschule für Jüdische Studien sei einzigartig in Europa. Außerdem hatte die Kanzlerin, mit Studierenden über das Zusammenleben von Juden und Nichtjuden in der Bundesrepublik Deutschland zu diskutieren.

Auf Einladung des Zentralrats der Juden in Deutschland und der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg hat Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel am 11. Juli im Rahmen der Heidelberger Hochschulreden in der Aula der Alten Universität einen Vortrag zum Thema Toleranz - die Basis des Miteinanders der Religionen und Kulturen gehalten. In Ihrer Rede rief die Kanzlerin zu mehr religiöser und gesellschaftlicher Toleranz in Europa auf. Nur so könne die Integration von Ausländern gelingen, hieß es weiter. Merkel ermunterte die Religionen dazu, die Welt mit den Augen des jeweils anderen zu entdecken. "Das ist fast das Spannendste", betonte sie. Dieser Prozess führe zu Dialog und demokratischer Willensbildung.

2007 Merkel 2Der Rektor der Heidelberger Hochschule erinnerte in seiner Begrüßung an Angela Merkels ersten Besuch in der Hochschule für Jüdische Studien im Jahre 1991 in ihrer damaligen Funktion als Bundesministerin für Frauen und Jugend. Sie war anlässlich der Eröffnung einer Konferenz zu dem Thema „Geschichte der jüdischen Frau in Deutschland“ gekommen. Bereits damals hat sie in ihrer Eröffnungsrede ausgesprochen, was heute wissenschaftlicher Standard ist: Die Geschichte des Judentums in Deutschland und ihre Beschreibung ist zugleich auch Teil der deutschen Geschichte. Bodenheimer hob hervor, dass die Hochschule für Jüdische Studien, die erstmals in ihrer knapp dreißigjährigen Geschichte von einem Regierungsoberhaupt besucht wurde, „heute unterwegs ist, sich als europäisches Kompetenzzentrum für Jüdische Studien zu etablieren“. Dabei sei es Ziel der jüdischen und nichtjüdischen Dozierenden und Studierenden „in einer christlich geprägten Umgebung gemeinsam jüdische Studien zu betreiben, um in die pluralistische Gesellschaft auszustrahlen“. Der Rektor der Ruprecht-Karls-Universität, Prof. Dr. Dres. h.c. Peter Hommelhoff, nutzte die Gelegenheit, um Fr. Dr. Merkel für Ihre beeindruckende G8- und insbesondere EU-Präsidentschaft zu danken. Auch dafür gab es aus dem voll besetzten Auditorium in der altehrwürdigen holzvertäfelten Aula viel Applaus.

 

Hier gelangen Sie zur Pressemappe.

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Hier gelangen Sie zum Video der Rede.Icon External Link

 

 

 25. April 2007


Dr. Hubert Burda (Verleger und Vorstandsvorsitzender der Hubert Burda Media-Holding)
media in transition

2007 BurdaDie rasante Veränderung der Medienlandschaft und ihre Auswirkung auf unsere Kommunikation in einer globalisierten Welt stehen im Mittelpunkt des Vortrags von Hubert Burda. Der Großverleger weiß, wovon er spricht. Seine Holding gibt 252 Magazine, Zeitschriften und Zeitungen in 19 Ländern heraus (davon 68 in Deutschland) und unterhält etwa 120 Radio- und Internetbeteiligungen. Einer seiner wichtigsten Erfolge auf dem Sektor der deutschen Printmedien war die Gründung des Nachrichtenmagazins Focus in Zusammenarbeit mit Helmut Markwort im Jahre 1993. Der promovierte Kunsthistoriker Burda zeichnet sich aber nicht nur durch seine verlegerischen Fähigkeiten aus. Er zählt zu den wichtigsten Kunst- und Literaturförderern Deutschlands und engagiert sich für jüdische Belange. Er unterstützte finanziell die CD-ROM Produktion von Steven Spielbergs Shoah-Foundation und die Errichtung des jüdischen Gemeindezentrums in München. Für sein Engagement wurde er 2006 mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet.

 


22. November 2006

Daniel Cohn-Bendit (Publizist und Mitglied des Europäischen Parlaments)
Europa und der Nahe Osten

Ein Kommentar von Prof. Dr. Johannes Heil

Daniel Cohn Bendit

Daniel Cohn Bendit hat schon in vielen Sälen gesprochen. Über das Ambiente der Aula der Alten Universität in Heidelberg verlor er dann auch gar nicht erst ein Wort. Er kam, als Gast der Hochschule für Jüdische Studien im Rahmen der Heidelberger Hochschulreden, zielstrebig zur Sache. So hat er das immer gemacht. Diese Gradlinigkeit, die unvermeidliche Konflikte nicht scheut, hat ihn nach vorne gebracht. Nicht umsonst zählt er seit Jahren zu den auffallendsten Akteuren des ansonsten gerne unauffälligen Straßburger Europaparlaments.

Damit sind wir, fast so schnell wie Cohn-Bendit, auch schon mitten im Thema. Europa und der Nahe Osten hätte den Betroffenen vor ein, zwei Jahren wohl nur ein abwehrendes Aufstöhnen entlockt. Europäische Initiativen zur Außenpolitik, gerade in der Krisenregion Nahost, hat sich in der Vergangenheit immer wieder als europäische Innenpolitik entlarvt und musste außerhalb wohl wirklich niemanden interessieren. Dieses Europa, so Cohn-Bendit, sei nun aber gefordert, angesichts des politischen Stillstands in Nahost und des allseits wirkungsvollen Scheiterns der amerikanischen Politik im Irak. Der dort noch gar nicht ausgestandenen Krise werde zu Hause erst noch das große Aufräumen, also – Vietnam lässt grüßen – auch die Rückbesinnung auf die heimischen Interessen, folgen. Die Umstände in Nahost ließen aber kein Vakuum zu, und natürlich müsse Europa dieses Vakuum füllen. "Die Bedrohung nimmt rasant zu." Das war vielleicht die klarste Botschaft von Cohn-Bendits nachdenklichem Vortrag. "Ich war nie Zionist, und ich war nie Anti-Zionist." Ihm ist als Europäer und als Jude in Europa an einem Fortschritt auf dem Weg zur Entspannung in Nahost gelegen. Das nimmt man ihm gerne ab. Cohn-Bendit ist auch Realist genug, nicht auf die ideale Einsicht der Europäer in die Konfliktbedingungen von Nahost zu hoffen. Er kennt seine Leute gut genug, und er weiß, dass sie nur dann zu Hochform auflaufen, wenn sie selbst betroffen sind. Europa ist bedroht, so der Befund, also besteht Aussicht auf Besserung, gerade im Moment, denn: "Dass nichts mehr funktioniert, ist auch eine Chance." Es sind aber zu viele alte Freundschaften und noch ältere Rechnungen, in Deutschland dann auch die historischen Verpflichtungen, im Spiel, als dass ein Land alleine eine aktive Rolle spielen könnte. Nur Europa bietet einen angemessenen Handlungsrahmen. Was Cohn-Bendit vorschwebt ist eine Deeskalationsstrategie unter dem Schirm einer europäisch moderierten Friedenskonferenz, die sich an eine integrierte Lösung der anstehenden Fragen macht: Die Palästinafrage kann nicht ohne Syrien gelöst werden, Libanon nicht ohne Israel, alles nicht ohne den Iran, die Sicherheitsmauer muss weg, wo sie nicht den Grenzen von 1967 folgt, Israels Sicherheit muss garantiert sein; dazu bedarf es internationaler Garantien und Sicherheitsaktionen. Bis dahin ist noch gar nicht die Rede vom Wasser gewesen, was für die Region nicht ohne Mitwirkung der Türkei geleistet werden kann

Cohn-Bendit bezeichnete also sehr genau die Puzzleteile, ohne vorzugeben, das Bild schon vor Augen zu haben. Deshalb aber kann er auch so wenig mit so entschieden gutmeinenden sowohl-als-auch-Positionen anfangen, wie sie sich auch jüngst wieder in akademischen Petitionen eine Stimme verschaffte. Das Belehren-Wollen, selbst wenn in der Sache vielleicht richtig, bringt nicht weiter "So etwas führt nur in ein Patt, wo jeder Recht hat." Und was man von außen einreden könne, hätten die 200.000 Teilnehmer der Rabin-Gedenkfeier dieses Jahres ohnehin längst selbst verstanden. Wie also soll es dann weitergehen? Mit dem "jüdischen Witz", der da lautet: "Wenn du zwei Möglichkeiten hast, entscheide dich für die Dritte", hatte Cohn-Bendit seinen Vortrag eingeleitet. Der eigenwillige Realismus dieses Satzes gehörte ja auch zur Oppositionskultur von Achtundsechzig. Anstatt ob solcher Konditionen gleich aufzugeben, hat er damals ihre Protagonisten beflügelt. Diese Lebenserfahrung ist es wohl auch, warum einer wie Cohn-Bendit selbst nach solcher Bestandsaufnahme und angesichts der Vielzahl gar nicht erst ausgesprochener Hindernisse dennoch nicht als Pessimist erscheinen will. Hoffen wir, dass er Recht behält. Denn wie lautet, leicht abgewandelt, noch mal dieser andere Satz, der nun keine jüdische Weisheit und auch kein Witz ist: Wir wissen nicht, wie es weitergehen soll, aber das mit ganzer Kraft.

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 3. Juli 2006

Joschka Fischer (Bundesaußenminister A.D.)
Europa, Israel und der Nahe Osten

Joschka Fischer
Joschka Fischer bei seiner Rede in der Aula der Alten Universität

 

Ein Kommentar von Prof. Dr. Johannes Heil

"... Ich bin als Realist bekannt" – der knappe Satz fiel irgendwann während Joschka Fischers Vortrag im Rahmen der Heidelberger Hochschulreden in der Aula der Alten Universität. Realisten, Ratgeber und Rechthaber wollen, wie man auch in der Diskussion vernehmen konnte, alle sein. Realist zu sein ist aber nicht einfach, zumal wenn man über Israel und politische Konzepte zur Schaffung eines befriedeten Nahen Ostens nachdenkt. Wer Realist sei, meinte Fischer, werde rasch einsehen, dass "die flammenden Reden seit 1947 die Tragödie nur vergrößert haben."

Fischers Vortrag war, von der Last der Konvention des Amtes befreit, der "bedrückenden Aktualität" des Themas Nahost in jedem Satz gewahr. "Deutschland ist im Nahen Osten nicht unbeteiligt", ist historisch involviert und gegenwärtig an einer einvernehmlichen Lösung der vertrackten Gemengelage auch in ureigenem Interesse interessiert. Trotz aller schlechten Tagesmeldungen erkannte Fischer auch Lichtblicke: Der einseitige Rückzug aus dem Gazastreifen, beschlossen und durchgesetzt durch die israelische Rechte, sei eine historische Wendmarke hin zu einer realistischen Politik. Eine ebenso realistische Politik auf arabischer Seite könne dann auch nur die sein, die für alle Miss- und Rückstände, etwa im Bereich der Breitenbildung, nicht stets Israel als "große Entschuldigung für alles" anführe. Gerade die ungeschminkt auf atomare Rüstung zielende Politik der gegenwärtigen iranischen Führung zeige, wie nötig innere und äußere Reformen seien: "Jetzt ist die Zeit zu agieren und Perspektiven zu öffnen."

Joschka Fischer 2

Bei alledem wurde deutlich, wie dicht politische Positionen und persönliche Überzeugungen beieinander liegen können: Fischers unbedingtes Plädoyer für einen gerechten Interessenausgleich in Nahost, gesicherte Grenzen und Lebensbedingungen der Völker und Staaten, die besondere Verantwortung Deutschlands für Israel und eine aktive Rolle in der Region, schließlich auch die Bedeutung der Türkei als (kommendes) Modell einer erfolgreichen europäischen Integration und inneren Reform einer islamischen Gesellschaft und auch die unentbehrliche Führungsrolle der USA – das alles waren Themen und Positionen, die schon der Außenminister Fischer beherzt vertreten hatte. Der Redner machte klar, dass das Ausscheiden aus dem Amt für ihn kein Rückzug aus der Verantwortung sein kann: statt Plenarsaal nun also Hörsaal, zunächst einmal.

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10. Mai 2006

Michael Naumann (Journalist, Publizist und Verleger)
Imago Dei und Bildung – eine deutsche Begriffsgeschichte

Michael Naumann, 1941 in Sachsen-Anhalt geboren, studierte Politik, Geschichte und Philosophie. Der habilitierte Politikwissenschaftler, Journalist, Publizist und Verlagsleiter bekleidete von 1998 bis 2000 das unter Gerhard Schröder neu eingerichtete Amt des Staatsministers für Kultur und Medien. Im Januar 2001 wechselte er als Herausgeber zur Wochenzeitung "Die Zeit" nach Hamburg. Zusammen mit Tilman Spengler kam 2005 die Herausgabe der von der "Zeit" übernommenen Zeitschrift "Kursbuch" hinzu.

 


15. Februar 2006

Rabbiner Israel Singer (Vorsitzender des World Jewish Congress)
Der Vatikan und die Juden. Zwischenbilanz eines schwierigen Annäherungsprozesses

 

Rabbiner Israel Singer

Die zweite Heidelberger Hochschulrede des Semesters gab am 15. Februar 2006 Rabbiner Israel Singer, Vorsitzender des World Jewish Congress.

Sichtlich bewegt zeigte er sich vom Ort des Vortrages, der Alten Aula der Universität. Ihm, der in Brooklyn geboren wurde und dessen Eltern aus Wien geflohen waren, erschien der prächtige, geschichtsgeladene Ort auf eigene Weise spannungsvoll. Auch die folgenden Ausführungen waren von einer persönlichen Note bestimmt: Singer formulierte über das Thema des Abends hinausgreifend grundsätzliche Positionen zum Verhältnis der Religionen und Kulturen. Der schwierige, aber auch ertragreiche Annäherungsprozess zum Vatikan bietet da einen reichen Erfahrungsschatz. In Hinblick auf den gegenwärtigen Karikaturenstreit warnte Singer vor simplen Schemata, die einen unvermeidlichen "Zusammenprall der Kulturen" ausmachen wollen. Er betonte, dass demokratische Prinzipien und kulturelle Verständigungsprozesse nicht ohne das Moment des Respekts für den Gegenüber und seine Überzeugungen auskommen.

 


7. Dezember 2005

Marcel Reich-Ranicki
Literatur ohne Heimat

 

2005 Reich Ranicki

Marcel Reich-Ranicki während des Vortrages

 

 

Die Heidelberger Hochschule für Jüdische Studien begann am 7. Dezember 2005 die Vortragsreihe Heidelberger Hochschulreden mit einem Vortrag von Marcel Reich-Ranicki zu dem Thema Literatur ohne Heimat. Der Vortrag fand in der Aula der Alten Universität Heidelberg statt.

 


2005 Reich Ranicki _2

Salomon Korn, Marcel Reich-Ranicki und Alfred Bodenheimer (v.l.n.r) im Gespräch

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Letzte Änderung: 18.07.2016