Frühere Hochschulreden

Termine der Heidelberger Hochschulreden in 2009

21.01.09 Harald Schmidt

01.04.09 Josef Ackermann

03.06.09 Ulrich Wickert

01.07.09 Helmut Markwort

11.11.09 Wolfgang Benz

16.12.09 Mordechay Lewy

 

 

 

Mittwoch, 16. Dezember 2009, 18:15h

Alte Aula, Universität Heidelberg

Mordechay Lewy, Botschafter des Staates Israel beim Heiligen Stuhl

Von Verleugnung zur Akzeptanz- zur Genese und Entwicklung der
Beziehungen des Heiligen Stuhls zum Staat Israel

Mordechai Levy01    Mordechai Levy02

Professor Dr. Johannes Heil und Mordechay Lewy (v.l.)

 

Chanukka    Chanukka01

Im Anschluss an den Vortrag wurde in der HfJS Chanukka gefeiert.

 

 

 

 

 

Mittwoch, 11. November 2009, 18:15h
Alte Aula, Universität Heidelberg
Wolfgang Benz
Neuer Antisemitismus? Tradition und Aktualität eines Vorurteils

   

Professor Wolfgang Benz nahm sich im Anschluss an seinen Vortrag Zeit für Fragen und Diskussion mit dem Publikum.

 

 

 

 

 

 

 

Mittwoch, 1. Juli 2009, 18:15h
Alte Aula, Universität Heidelberg
Helmut Markwort
Die Macht der Medien

 

 

 

 

Mittwoch, 3. Juni 2009

Alte Aula, Universität Heidelberg

Ulrich Wickert

"Lob der deutschen Sprache"

 

Ulrich_Wickert_Aula

 U_Wickert_Korn_Belle Etage

Fotos: Anton Davydov
 
 "Sprechen und Denken sind eins, oder vom Glück Deutsch zu sprechen": Heidelberger Hochschulrede von Ulrich Wickert

 

 

Mittwoch, 1. April 2009
Alte Aula, Universität Heidelberg
Josef Ackermann
"Wettbewerb nach Regeln - Plädoyer für eine marktwirtschaftliche Ordnungspolitik"

Josef Ackermann

 

 

 

 

 

 


 
Foto: Anton Davydov

 

Mittwoch, 21. Januar 2009, 18:15 Uhr
Alte Aula, Universität Heidelberg
Harald Schmidt
"Unterhaltung als Beruf"

H.Schmidt-Pult

Foto: Anton Davydov

 

Die Heidelberger Hochschulrede "Unterhaltung als Beruf" von Harald Schmidt gibt es als Video. >>>Zur Rede von Harald Schmidt

 

 

 

 

 

 

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Mittwoch, 12. November 2008, 18:15 Uhr
Alice Schwarzer
"Über die 'Emancipation' der Frauen und Juden - Gemeinsamkeiten und Unterschiede"
 

Alice Schwarzer, Johannes Heil

Foto: Judith Weißbach

 

 



Mittwoch, 29. Oktober 2008, 18:15 Uhr
Dr. Wolfgang Schäuble
"Staat und Religion in der pluralen Gesellschaft"

 

Schäuble Vortrag Saal 1
Foto: Anton Davydov

 

Vor seiner Rede in der Aula der Alten Universität am 29.10.2008 nahm sich Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble Zeit für ein persönliches Gespräch mit Studierenden der HfJS.

 

Den Text der Rede finden Sie hier.

 

 

 

 

Mittwoch, 2. Juli 2008, 18:15 Uhr
Günther H. Oettinger
"Marktwirtschaft und religiöse Vielfalt – Wie Minderheiten zu Europas Wohlstand und Freiheit beitragen"

 

Oettinger Hochschulrede
Foto: Judith Weißbach

 

 

Den Text der Rede finden Sie hier.

 

 

 

 

Mittwoch, 18. Juni 2008, 18:15 Uhr
Karl Kardinal Lehmann
"Rückkehr der Religion. Von der Ambivalenz eines zeitdiagnostischen Schlagwortes"

 

Ein Kommentar von Alexander Dubrau

 

Kardinal Lehmann

    Fotos: Judith Weißbach

Als Stimme des deutschen Katholizismus und dessen moralische Instanz ist Karl Kardinal Lehmann über die Grenzen Deutschlands bekannt. Darüber hinaus hat sich Lehmann als Gesprächspartner im interreligiösen und interkulturellen Dialog engagiert, ohne eigene Positionen aufzugeben. Als vermittelnder Wortführer trat er, daran soll erinnert werden, nach irritierenden Äußerungen deutscher Bischöfe während einer Israelreise im Frühjahr 2007 in Erscheinung.

 

Wenn der Gastredner sich nun in seinen Ausführungen dem Thema „Rückkehr der Religion“ zuwendet, greift er ein aktuelles Zeitwort und ein umfassendes gesellschaftliches Phänomen auf. Bereits der Untertitel seines Vortrags „Von der Ambivalenz eines zeitgenössischen Schlagwortes“ deutet darauf hin, dass er dieses kritisch zu reflektieren gedenkt. Lehmann zitiert einleitend Äußerungen des geradezu boomenden Literaturmarktes und kommentiert aktuelle Stellungnahmen zu diesem Thema. Auffällig ist die emotionale Reaktion vieler zeitgenössischer Kommentatoren, die sich immer dann einstellt, wenn die „Rückkehr der Religionen“ thematisiert wird. Neben wohlwollenden Beobachtern dieses vermeintlichen Paradigmenwechsel zum Religiösen (so beispielsweise „Warum die Rückkehr zur Religion gut ist“) dominieren Skeptiker unterschiedlichster Couleur. Lehmanns Ausführungen lassen das Desiderat einer sachlich-distanzierten Analyse des Phänomens erkennen. Er attestiert den aktuellen Trend eine „postmoderne Beliebigkeit“, die sich zudem negativ auf den interreligiösen Dialog auswirkt.

Im Vortrag skizziert Lehmann den Wandel des Begriffs „Religion“ und erinnert in diesem Zusammenhang auch an die Religionskritik und den Religionsspott der hebräischen Bibel. Lehmann bezieht in einem 5-Punkte-Katalog Position zum Religionsverständnis: 1) der Bezug auf Gott als Grund und Ziel ist die Essenz der Religion, 2) die Würde des Menschen ist nicht zu hinterfragen, 3) die Freiheit des Menschen ist immer zu gewährleisten, 4) die Sinnsuche des Menschen wird durch die Religion motiviert, sowie – dies ist vor allem eine christlich-katholische Position – 5) die gewaltfreie missionarische Sendung an alle Völker ist Teil des religiösen Lebensverständnisses. Die Öffnung nach außen bedarf zunächst der inneren Verortung. Das Heilsverständnis von Jesus Christus ist nach Lehmann für die Kirche unumstößlich.

LehmannDanach kommt Kardinal Lehmann auf den Umgang der katholischen Kirche mit nichtchristlichen Religionen zu sprechen, welcher nach seinem Verständnis durch ein positiv-affirmatives sowie ein verneinendes Moment gleichzeitig bestimmt ist. Eine Vermittlung beider Elemente sollte dem Grundsatz folgen: „Die Einheit der Religionen ist erreichbar ohne eine Aufhebung ihrer Vielfalt“. Mit einem optimistischen Ausblick auf den interreligiösen Dialog schließt dann auch Lehmanns Vortrag. Im Anschluss gab Kardinal Lehmann Gelegenheit zur Diskussion.

 

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Mittwoch, 23. Januar 2008
Henryk M. Broder
"Aus dem Antisemitismus könnte schon was werden, wenn sich die Juden seiner annehmen würden" – jüdischer Selbsthass von Karl Marx bis heute

 

Broder und Bodenheimer
Foto: Judith Weißbach

 

 

 

 

Mittwoch, 14. November 2007
Otto Schily (Bundesinnenminister a. D.)
Absolutheitsanspruch der Religion und Toleranz

 

 

 

 

Mittwoch, 11. Juli 2007
Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel
Toleranz - die Basis des Miteinanders der Religionen und Kulturen

 
2007merkel-neubau

Die Bundeskanzlerin zu Gast in Heidelberg

 

 

2007 Merkel 1Mit großem Interesse hat sich Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel vom Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Prof. Dr. Salomon Korn (r.), und vom Rektor der Hochschule für Jüdische Studien, Prof. Dr. Alfred Bodenheimer (links neben dem baden-württembergischen Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg), die Neubaupläne für den Erweiterungsbau der Hochschule bei ihrem Besuch in Heidelberg erläutern lassen. Gleichwohl sparte Kanzlerin Merkel in ihrem anschließenden Vortrag nicht mit Lob für ihre Gastgeber: Die Hochschule für Jüdische Studien sei einzigartig in Europa. Außerdem hatte die Kanzlerin, mit Studierenden über das Zusammenleben von Juden und Nichtjuden in der Bundesrepublik Deutschland zu diskutieren.

Auf Einladung des Zentralrats der Juden in Deutschland und der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg hat Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel am 11. Juli im Rahmen der Heidelberger Hochschulreden in der Aula der Alten Universität einen Vortrag zum Thema Toleranz - die Basis des Miteinanders der Religionen und Kulturen gehalten. In Ihrer Rede rief die Kanzlerin zu mehr religiöser und gesellschaftlicher Toleranz in Europa auf. Nur so könne die Integration von Ausländern gelingen, hieß es weiter. Merkel ermunterte die Religionen dazu, die Welt mit den Augen des jeweils anderen zu entdecken. "Das ist fast das Spannendste", betonte sie. Dieser Prozess führe zu Dialog und demokratischer Willensbildung.

2007 Merkel 2Der Rektor der Heidelberger Hochschule erinnerte in seiner Begrüßung an Angela Merkels ersten Besuch in der Hochschule für Jüdische Studien im Jahre 1991 in ihrer damaligen Funktion als Bundesministerin für Frauen und Jugend. Sie war anlässlich der Eröffnung einer Konferenz zu dem Thema „Geschichte der jüdischen Frau in Deutschland“ gekommen. Bereits damals hat sie in ihrer Eröffnungsrede ausgesprochen, was heute wissenschaftlicher Standard ist: Die Geschichte des Judentums in Deutschland und ihre Beschreibung ist zugleich auch Teil der deutschen Geschichte. Bodenheimer hob hervor, dass die Hochschule für Jüdische Studien, die erstmals in ihrer knapp dreißigjährigen Geschichte von einem Regierungsoberhaupt besucht wurde, „heute unterwegs ist, sich als europäisches Kompetenzzentrum für Jüdische Studien zu etablieren“. Dabei sei es Ziel der jüdischen und nichtjüdischen Dozierenden und Studierenden „in einer christlich geprägten Umgebung gemeinsam jüdische Studien zu betreiben, um in die pluralistische Gesellschaft auszustrahlen“. Der Rektor der Ruprecht-Karls-Universität, Prof. Dr. Dres. h.c. Peter Hommelhoff, nutzte die Gelegenheit, um Fr. Dr. Merkel für Ihre beeindruckende G8- und insbesondere EU-Präsidentschaft zu danken. Auch dafür gab es aus dem voll besetzten Auditorium in der altehrwürdigen holzvertäfelten Aula viel Applaus.

 

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Hier gelangen Sie zum Video der Rede.Icon External Link

 

 

 

Mittwoch, 25. April 2007
Dr. Hubert Burda
(Verleger und Vorstandsvorsitzender der Hubert Burda Media-Holding)
media in transition

 

2007 BurdaDie rasante Veränderung der Medienlandschaft und ihre Auswirkung auf unsere Kommunikation in einer globalisierten Welt stehen im Mittelpunkt des Vortrags von Hubert Burda. Der Großverleger weiß, wovon er spricht. Seine Holding gibt 252 Magazine, Zeitschriften und Zeitungen in 19 Ländern heraus (davon 68 in Deutschland) und unterhält etwa 120 Radio- und Internetbeteiligungen. Einer seiner wichtigsten Erfolge auf dem Sektor der deutschen Printmedien war die Gründung des Nachrichtenmagazins Focus in Zusammenarbeit mit Helmut Markwort im Jahre 1993. Der promovierte Kunsthistoriker Burda zeichnet sich aber nicht nur durch seine verlegerischen Fähigkeiten aus. Er zählt zu den wichtigsten Kunst- und Literaturförderern Deutschlands und engagiert sich für jüdische Belange. Er unterstützte finanziell die CD-ROM Produktion von Steven Spielbergs Shoah-Foundation und die Errichtung des jüdischen Gemeindezentrums in München. Für sein Engagement wurde er 2006 mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet.

 

 

 

 

Mittwoch, 22. November 2006
Daniel Cohn-Bendit (Publizist und Mitglied des Europäischen Parlaments)
Europa und der Nahe Osten

 

 

Ein Kommentar von Prof. Dr. Johannes Heil

Daniel Cohn Bendit

Daniel Cohn Bendit hat schon in vielen Sälen gesprochen. Über das Ambiente der Aula der Alten Universität in Heidelberg verlor er dann auch gar nicht erst ein Wort. Er kam, als Gast der Hochschule für Jüdische Studien im Rahmen der Heidelberger Hochschulreden, zielstrebig zur Sache. So hat er das immer gemacht. Diese Gradlinigkeit, die unvermeidliche Konflikte nicht scheut, hat ihn nach vorne gebracht. Nicht umsonst zählt er seit Jahren zu den auffallendsten Akteuren des ansonsten gerne unauffälligen Straßburger Europaparlaments.

Damit sind wir, fast so schnell wie Cohn-Bendit, auch schon mitten im Thema. Europa und der Nahe Osten hätte den Betroffenen vor ein, zwei Jahren wohl nur ein abwehrendes Aufstöhnen entlockt. Europäische Initiativen zur Außenpolitik, gerade in der Krisenregion Nahost, hat sich in der Vergangenheit immer wieder als europäische Innenpolitik entlarvt und musste außerhalb wohl wirklich niemanden interessieren. Dieses Europa, so Cohn-Bendit, sei nun aber gefordert, angesichts des politischen Stillstands in Nahost und des allseits wirkungsvollen Scheiterns der amerikanischen Politik im Irak. Der dort noch gar nicht ausgestandenen Krise werde zu Hause erst noch das große Aufräumen, also – Vietnam lässt grüßen – auch die Rückbesinnung auf die heimischen Interessen, folgen. Die Umstände in Nahost ließen aber kein Vakuum zu, und natürlich müsse Europa dieses Vakuum füllen. "Die Bedrohung nimmt rasant zu." Das war vielleicht die klarste Botschaft von Cohn-Bendits nachdenklichem Vortrag. "Ich war nie Zionist, und ich war nie Anti-Zionist." Ihm ist als Europäer und als Jude in Europa an einem Fortschritt auf dem Weg zur Entspannung in Nahost gelegen. Das nimmt man ihm gerne ab. Cohn-Bendit ist auch Realist genug, nicht auf die ideale Einsicht der Europäer in die Konfliktbedingungen von Nahost zu hoffen. Er kennt seine Leute gut genug, und er weiß, dass sie nur dann zu Hochform auflaufen, wenn sie selbst betroffen sind. Europa ist bedroht, so der Befund, also besteht Aussicht auf Besserung, gerade im Moment, denn: "Dass nichts mehr funktioniert, ist auch eine Chance." Es sind aber zu viele alte Freundschaften und noch ältere Rechnungen, in Deutschland dann auch die historischen Verpflichtungen, im Spiel, als dass ein Land alleine eine aktive Rolle spielen könnte. Nur Europa bietet einen angemessenen Handlungsrahmen. Was Cohn-Bendit vorschwebt ist eine Deeskalationsstrategie unter dem Schirm einer europäisch moderierten Friedenskonferenz, die sich an eine integrierte Lösung der anstehenden Fragen macht: Die Palästinafrage kann nicht ohne Syrien gelöst werden, Libanon nicht ohne Israel, alles nicht ohne den Iran, die Sicherheitsmauer muss weg, wo sie nicht den Grenzen von 1967 folgt, Israels Sicherheit muss garantiert sein; dazu bedarf es internationaler Garantien und Sicherheitsaktionen. Bis dahin ist noch gar nicht die Rede vom Wasser gewesen, was für die Region nicht ohne Mitwirkung der Türkei geleistet werden kann

Cohn-Bendit bezeichnete also sehr genau die Puzzleteile, ohne vorzugeben, das Bild schon vor Augen zu haben. Deshalb aber kann er auch so wenig mit so entschieden gutmeinenden sowohl-als-auch-Positionen anfangen, wie sie sich auch jüngst wieder in akademischen Petitionen eine Stimme verschaffte. Das Belehren-Wollen, selbst wenn in der Sache vielleicht richtig, bringt nicht weiter "So etwas führt nur in ein Patt, wo jeder Recht hat." Und was man von außen einreden könne, hätten die 200.000 Teilnehmer der Rabin-Gedenkfeier dieses Jahres ohnehin längst selbst verstanden. Wie also soll es dann weitergehen? Mit dem "jüdischen Witz", der da lautet: "Wenn du zwei Möglichkeiten hast, entscheide dich für die Dritte", hatte Cohn-Bendit seinen Vortrag eingeleitet. Der eigenwillige Realismus dieses Satzes gehörte ja auch zur Oppositionskultur von Achtundsechzig. Anstatt ob solcher Konditionen gleich aufzugeben, hat er damals ihre Protagonisten beflügelt. Diese Lebenserfahrung ist es wohl auch, warum einer wie Cohn-Bendit selbst nach solcher Bestandsaufnahme und angesichts der Vielzahl gar nicht erst ausgesprochener Hindernisse dennoch nicht als Pessimist erscheinen will. Hoffen wir, dass er Recht behält. Denn wie lautet, leicht abgewandelt, noch mal dieser andere Satz, der nun keine jüdische Weisheit und auch kein Witz ist: Wir wissen nicht, wie es weitergehen soll, aber das mit ganzer Kraft.

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Montag, 3. Juli 2006
Joschka Fischer (Bundesaußenminister A.D.)
Europa, Israel und der Nahe Osten

 

Joschka Fischer
Joschka Fischer bei seiner Rede in der Aula der Alten Universität

 

Ein Kommentar von Prof. Dr. Johannes Heil

"... Ich bin als Realist bekannt" – der knappe Satz fiel irgendwann während Joschka Fischers Vortrag im Rahmen der Heidelberger Hochschulreden in der Aula der Alten Universität. Realisten, Ratgeber und Rechthaber wollen, wie man auch in der Diskussion vernehmen konnte, alle sein. Realist zu sein ist aber nicht einfach, zumal wenn man über Israel und politische Konzepte zur Schaffung eines befriedeten Nahen Ostens nachdenkt. Wer Realist sei, meinte Fischer, werde rasch einsehen, dass "die flammenden Reden seit 1947 die Tragödie nur vergrößert haben."

Fischers Vortrag war, von der Last der Konvention des Amtes befreit, der "bedrückenden Aktualität" des Themas Nahost in jedem Satz gewahr. "Deutschland ist im Nahen Osten nicht unbeteiligt", ist historisch involviert und gegenwärtig an einer einvernehmlichen Lösung der vertrackten Gemengelage auch in ureigenem Interesse interessiert. Trotz aller schlechten Tagesmeldungen erkannte Fischer auch Lichtblicke: Der einseitige Rückzug aus dem Gazastreifen, beschlossen und durchgesetzt durch die israelische Rechte, sei eine historische Wendmarke hin zu einer realistischen Politik. Eine ebenso realistische Politik auf arabischer Seite könne dann auch nur die sein, die für alle Miss- und Rückstände, etwa im Bereich der Breitenbildung, nicht stets Israel als "große Entschuldigung für alles" anführe. Gerade die ungeschminkt auf atomare Rüstung zielende Politik der gegenwärtigen iranischen Führung zeige, wie nötig innere und äußere Reformen seien: "Jetzt ist die Zeit zu agieren und Perspektiven zu öffnen."

Joschka Fischer 2

Bei alledem wurde deutlich, wie dicht politische Positionen und persönliche Überzeugungen beieinander liegen können: Fischers unbedingtes Plädoyer für einen gerechten Interessenausgleich in Nahost, gesicherte Grenzen und Lebensbedingungen der Völker und Staaten, die besondere Verantwortung Deutschlands für Israel und eine aktive Rolle in der Region, schließlich auch die Bedeutung der Türkei als (kommendes) Modell einer erfolgreichen europäischen Integration und inneren Reform einer islamischen Gesellschaft und auch die unentbehrliche Führungsrolle der USA – das alles waren Themen und Positionen, die schon der Außenminister Fischer beherzt vertreten hatte. Der Redner machte klar, dass das Ausscheiden aus dem Amt für ihn kein Rückzug aus der Verantwortung sein kann: statt Plenarsaal nun also Hörsaal, zunächst einmal.

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Mittwoch, 10. Mai 2006
Michael Naumann (Journalist, Publizist und Verleger)
Imago Dei und Bildung – eine deutsche Begriffsgeschichte

 

Michael Naumann, 1941 in Sachsen-Anhalt geboren, studierte Politik, Geschichte und Philosophie. Der habilitierte Politikwissenschaftler, Journalist, Publizist und Verlagsleiter bekleidete von 1998 bis 2000 das unter Gerhard Schröder neu eingerichtete Amt des Staatsministers für Kultur und Medien. Im Januar 2001 wechselte er als Herausgeber zur Wochenzeitung "Die Zeit" nach Hamburg. Zusammen mit Tilman Spengler kam 2005 die Herausgabe der von der "Zeit" übernommenen Zeitschrift "Kursbuch" hinzu.

 

 

 

 

Mittwoch, 15. Februar 2006
Rabbiner Israel Singer (Vorsitzender des World Jewish Congress)
Der Vatikan und die Juden. Zwischenbilanz eines schwierigen Annäherungsprozesses

 

 

Rabbiner Israel Singer

Die zweite Heidelberger Hochschulrede des Semesters gab am 15. Februar 2006 Rabbiner Israel Singer, Vorsitzender des World Jewish Congress.

Sichtlich bewegt zeigte er sich vom Ort des Vortrages, der Alten Aula der Universität. Ihm, der in Brooklyn geboren wurde und dessen Eltern aus Wien geflohen waren, erschien der prächtige, geschichtsgeladene Ort auf eigene Weise spannungsvoll. Auch die folgenden Ausführungen waren von einer persönlichen Note bestimmt: Singer formulierte über das Thema des Abends hinausgreifend grundsätzliche Positionen zum Verhältnis der Religionen und Kulturen. Der schwierige, aber auch ertragreiche Annäherungsprozess zum Vatikan bietet da einen reichen Erfahrungsschatz. In Hinblick auf den gegenwärtigen Karikaturenstreit warnte Singer vor simplen Schemata, die einen unvermeidlichen "Zusammenprall der Kulturen" ausmachen wollen. Er betonte, dass demokratische Prinzipien und kulturelle Verständigungsprozesse nicht ohne das Moment des Respekts für den Gegenüber und seine Überzeugungen auskommen.

 

 

 

 

Mittwoch, 7. Dezember 2005
Marcel Reich-Ranicki
Literatur ohne Heimat

 

2005 Reich Ranicki

Marcel Reich-Ranicki während des Vortrages

 

 

Die Heidelberger Hochschule für Jüdische Studien begann am 7. Dezember 2005 die Vortragsreihe Heidelberger Hochschulreden mit einem Vortrag von Marcel Reich-Ranicki zu dem Thema Literatur ohne Heimat. Der Vortrag fand in der Aula der Alten Universität Heidelberg statt.

 


2005 Reich Ranicki _2

Salomon Korn, Marcel Reich-Ranicki und Alfred Bodenheimer (v.l.n.r) im Gespräch

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Verantwortlich: E-Mail
Letzte Änderung: 08.04.2010