Der Masoretische Text der Hebräischen Bibel

Der Masoretische Text der Hebräischen Bibel in seinen unterschiedlichen materialen Gestaltungen in Westeuropa


Teilprojekt B04 im SFB 933 Materiale Textkulturen
Finanzierung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft 2011–15; 2015–19

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Aktuelle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Teilprojektleiterin: Prof. Dr. Hanna Liss
Akademischer Mitarbeiter: Jonas Leipziger M.A.
Akademische/r Mitarbeiter/in: N.N.

Ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:

Akademische Mitarbeiterin: Dr. Elodie Attia
Akademischer Mitarbeiter: Clemens Liedtke M.A.
Akademischer Mitarbeiter: Kay Joe Petzold M.A.

 

Projektbeschreibung

Das TP B04 erarbeitet derzeit eine digitale Edition der Digitale Edition der Masora Figurata in Handschrift Ms Vat. ebr. 14, die hier einsehbar ist: bima.corpusmasoreticum.de/figurata/index.

BIMA Screenshot
Digitale Edition: Masorah Figurata in MS Vat. Ebr. 14

 

Das Projekt beschäftigt sich mit Fragen des Vorliegens bzw. Nichtvorliegens bestimmter Gestaltungen des Geschriebenen, der Bedeutung und der praktischen kontextuellen Verwendung der Masora sowie anderer geschriebener Metatexte in mittelalterlichen hebräischen Bibeln. Entgegen der bisherigen kunsthistorischen Ansicht lässt sich nachweisen, dass die masora figurata mehr als einen bloß dekorativen Zweck erfüllt. Die Konfigurationen bieten sehr komplexe figurative Formen, die für weiterführende Studien des Text-Bild-Verhältnisses, aber auch für philologisch-historische Forschung sehr ergiebig sind, denn sie enthalten meta-figurative Elemente und Anspielungen auf rabbinische Literatur oder exegetische Kommentarliteratur. So lassen sich hinsichtlich der Funktionen (pl.!) der materiellen Präsenz der Mikrographie ästhetische, philologische, erzieherische, exegetische und mnemotechnische Aspekte ausmachen. Darüber hinaus konnte bereits jetzt schon aufgezeigt werden, dass der masoretische Text deutlichen Einfluss tiberiensischer Quellen zeigt, aber dennoch eine Reihe nicht-konventioneller masoretischer Traditionen aufweist.

In der weiterführenden Planung des Projektes soll eine Erweiterung des Quellenmaterials sowohl hinsichtlich der Artefakte als auch hinsichtlich der im Artefakt konservierten geschriebenen Entitäten vorgenommen werden, um einerseits eine Typologie der materialen Aspekte der hebräischen biblischen Codices zu erstellen und andererseits den praxeologischen Ansatz an den hebräischen Bibelhandschriften weiter auszubauen. Ziel des Projektes ist es, ausgehend von der Masora sowie anderer im Artefakt manifesten Text-Kulturen zu klären, in welchem Maße die Funktion der Bibel von diesen materialen Komponenten und ihren geo-kulturell unterschiedlichen Designs bestimmt ist. Für die Bibelcodices essentiell ist hier die Relationierung zu den liturgisch verwendeten Tora-Rollen, weil viele der Bibel-Handschriften Metatexte zu Schreiber-Vorschriften enthalten, die ursprünglich aus dem Kontext der Tora-Rolle stammen und den Codex darin in den erweiterten Raum des sakralen Raumes und/oder der Repräsentanz der göttlichen Offenbarung stellen. Dabei stehen materiale Aspekte wie Sichtbarkeit, Lesbarkeit und ihre Relationierung zu Rezipientengruppen im Focus. Es geht also um die Frage, wie die vielfältigen Darstellungsformen mit der unterschiedlichen Rezeption in verschiedenen sozialen Räumen (synagogale Praxis, Lehrhaus, Privatgebrauch oder Schnittmengen davon) verbunden sind. Gleichzeitig soll nachgewiesen werden, dass das im Artefakt konservierte Geschriebene (Bibeltext; tagin; Masora; Metatexte; gezeichnete 'Seitenwächter') keinen festumrissenen Sinngehalt besitzen sollte, um den Codex als Schriftraum in seinem Bezug zur Sakraltopographie offen gestalten zu können (Schrift als miqdashya).

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Publikationen

  • Hanna Liss, Kay Joe Petzold und Clemens Liedtke, Digitale Edition der Masora Figurata in MS Vat. ebr. 14., 2016– 
    (Externer Inhalt http://bima.corpusmasoreticum.de/figurata/index).
  • Jonas Leipziger, Lesepraktiken im antiken Judentum. Materialität – Schriftgebrauch – Rezeption, Diss. Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (in Vorbereitung; 2019).
  • Kay Joe Petzold, Masora und Exegese. Untersuchungen zur Masora und Bibeltextüberlieferung im Kommentar des R. Schlomo ben Yitzchaq (Raschi), Berlin/Boston 2018 (im Druck).
  • Anna Krauss/Jonas Leipziger/Friederike Schücking-Jungblut (Hgg.), Material Aspects of Reading. Materiality, Performance and Presence of the Written Word in Ancient and Medieval Cultures (Materiale Textkulturen), Berlin/Boston 2018 (im Erscheinen).
  • Jonas Leipziger, „Ancient Jewish Greek Practices of Reading and their Material Aspects“, in: Anna Krauss/Jonas Leipziger und Friederike Schücking-Jungblut (Hgg.), Material Aspects of Reading. Materiality, Performance and Presence of the Written Word in Ancient and Medieval Cultures (Materiale Textkulturen), Berlin/Boston 2018 (im Erscheinen).
  • Hanna Liss, „‚Die niedere Kritik‘: Das Studium der Masora zwischen Wissenschaft des Judentums und Bibelwissenschaft“, in: Daniel Vorpahl, Shani Tzoref und Sophia Kähler (Hgg.), Deutsch-Jüdische Bibelwissenschaft. Beiträge der internationalen Fachtagung 26.-27. September 2016, Leiden/Boston 2018 (im Erscheinen).
  • Hanna Liss, „A Pentateuch to Read in? The Secrets of the Regensburg Pentateuch“, in: Irina Wandrey (Hg.), Jewish Manuscript Cultures. New Perspectives, Berlin/Boston 2017, 89-128 (Externer Inhalt Open Access).
  • Hanna Liss und Kay Joe Petzold, „Die Erforschung der westeuropäischen Bibeltexttradition als Aufgabe der Jüdischen Studien“, in: Andreas Lehnardt (Hg.), Judaistik im Wandel. Ein halbes Jahrhundert Forschung und Lehre über das Judentum in Deutschland, Berlin 2017, 189-210 (Externer Inhalt Online).
  • Kay Joe Petzold, "Die Kanaan-Karten des R. Salomo Ben Isaak (Raschi) – Bedeutung und Gebrauch mittelalterlicher hebräischer Karten-Diagramme", in: Das Mittelalter 22,2 (2017), 332-350 (Externer Inhalt Online).
  • Hanna Liss, „Ein Pentateuch wie andere auch? Die Lese-Geheimnisse des Regensburg Pentateuch“, in: Friedrich-Emanuel Focken u. Michael Ott (Hgg.), Metatexte. Erzählungen von schrifttragenden Artefakten in der alttestamentlichen und mittelalterlichen Literatur (Materiale Textkulturen 15), Berlin 2016, 299-334 (Externer Inhalt Open Access).
  • Hanna Liss, „Vom Sefer Tora zum sefer: Die Bedeutung von Büchern im ‚Buch der Frommen‘ des R. Yehuda ben Shemu’el he-Ḥasid“, in: Joachim Friedrich Quack und Daniela Christina Luft (Hgg.), Erscheinungsformen und Handhabungen Heiliger Schriften (Materiale Textkulturen 5), Berlin 2014, 179–199 (Externer Inhalt Open Access).
  • Hanna Liss, „‚Like a Camel Carrying Silk:‘ Initial Considerations on the Use of the Masorah in Medieval Hebrew Commentaries“, in: Ra'anan Boustan, Klaus Herrmann, Reimund Leicht, Annette Yoshiko Reed und Giuseppe Veltri (Hgg.), Envisioning Judaism: Studies in Honor of Peter Schäfer on the Occasion of his Seventieth Birthday, Tübingen 2013, 1121–1137.
  • Hanna Liss, „Gelehrtenwissen, Drôlerie oder Esoterik? Erste Überlegungen zur Masora der Hebräischen Bibel in ihren unterschiedlichen materialen Gestaltungen im Hochmittelalter“, in: Nathanael Riemer (Hg.), Jewish Lifeworlds and Jewish Thought. Festschrift presented to Karl E. Grözinger on the Occasion of his 70th Birthday, Wiesbaden 2012, 27–40.

 

Vorträge

Die Projektmitglieder von TP B04 haben ihre Ergebnisse vielfach vor (inter-)nationaler wissenschaftlicher Öffentlichkeit präsentiert: 
 

Jonas Leipziger: 

  • 28.10.2016, Universität Erfurt, Konferenz „Describing and Explaining Ritual Dynamics“, Research Centre Dynamics of Jewish Ritual Practices in Pluralistic Contexts from Antiquity to the Present: „Reading Ritual(s): Locating an Anthropology of Reading in Ancient Judaism“.
  • 07.05.2017, 45. Internationale Ökumenische Konferenz der Hebräischlehrenden (IÖKH), Heidelberg: „Nomina Sacra als Differenzkriterium zwischen jüdischen und christlichen Artefakten?“.
  • 30.06.2017, Gemeinsame Jahrestagung des SFB 933 und des Berliner SFB 980 „Umschreiben / Re-Writing. Materiale und epistemische Dimensionen von Retextualisierung in der Vormoderne“, Landgut Stober bei Nauen, Workshop „Zerbrochene Tafel und offenbare Schrift – Transfer von materialem und imaginärem Offenbarungswissen im Juden- und Christentum und im frühislamischen Kontext“ (Leitung des Workshops zus. mit N. Schmidt, J. C. Gertz, K. J. Petzold).
  • 13.11.2017, SFB 933 Heidelberg, Präsentation der AG Umbruchsituationen: „Materiale Ausgestaltungen der jüdischen Bibel im Umbruch: Von der Rolle zum Codex und von der Handschrift zum Druck“.
  • 11.02.2018: International Conference Material Aspects of Reading, Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg: „Ancient Jewish Greek Practices of Reading and their Material Aspects“.
  • 29.05.2018, Graduiertenkolleg 1728 Theologie als Wissenschaft, Heidelberg: „Das antike Judentum als Buchreligion? Lesepraktiken – Materiale Aspekte des Lesens – Historische Kontexte“.
  • 19.07.2018, XIth Congress of the European Association of Jewish Studies, Kraków: „Practices of Reading in Ancient Judaism: The Usage of Greek Bible Codices Reconsidered“.
  • 28.07.2018, The Seventh Enoch Graduate Seminar, Université de Lausanne (CH): „Tracing Shared Traditions of Reading in Ancient Judaism and Early Christianity: Evidences – Material Aspects – Practices of Reading“.

 

Clemens Liedtke: 

  • 08.08.2017, 70th World Congress of Jewish Studies, Hebräische Universität Jerusalem, Jerusalem: „The Digital Edition of the Masorah in MS vat. ebr. 14 as a Challenge for the Digital Humanities“.
  • 09.05.2018, Projekt-Workshop Philology and Aesthetics, Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg: „New Features on the Digital Edition of the Masorah in Western European Bible Manuscripts.“

 

Hanna Liss: 

  • 06.–08.06.2016, EAJS Laboratory Workshop 2016 „Research Approaches in Hebrew Bible Manuscript Studies. A Critical Overview Based on Evidence from the Dead Sea Scrolls, Cairo Genizah and European Genizah“, MMSH-Aix-Marseille University in Aix en Provence, Organisation Dr. Elodie Attia (ehemals SFB 933 Heidelberg; jetzt Aix en Provence): „Corpus Masoreticum – The Masora of the Jews in Northern and Western Europe from the 11th to the 14th Centuries as a Source for Exegetical Polyphony“.
  • 19.–22.06.2016, Universität Innsbruck, Tagung zur Ausstellung 700 Jahre Jüdische Präsenz in Tirol: „Bibelcodices als Träger theologischer Geheimnisse“.
  • 21.–22.09.2016, Historikertag 2016, Hamburg: „‚Arbeit des Himmels‘: Vom Umgang mit Heiligen Schriften im Judentum“.
  •  26.–27.09.2016, Universität Potsdam, Tagung „Deutsch-jüdische Bibelexegese: Theologische Perspektiven“: „Die niedere Kritik“: Das Studium der Masora zwischen Bibelwissenschaft und Wissenschaft des Judentums“.
  • 28.–30.11.2016, Goethe Universität Frankfurt am Main: International Conference Ashkenaz at the Crossroads of Cultural Transfer II: Traditon and Identity: „The Challenges of the Infiltration of Oriental Textual Tradition into Ashkenazic Bible Text Tradition“.
  • 21.02.2017, University of Aberdeen, Divinity and Religious Studies Department, Aberdeen: „Scholarly Knowledge, Drollery or Esotericism? The Masorah of the Hebrew Bible in Medieval Western Europe as an Exegetical Tool“.
  • 08.08.2017, 70th World Congress of Jewish Studies, Hebräische Universität Jerusalem, Jerusalem (eigenes Projektpanel): „The Function of the Masora Figurata in Western European Bible Manuscripts“.
  • 09.05.2018, Projekt-Workshop Philology and Aesthetics, Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg: „Figurative Masorah against Christian Hebraism“.
  • 16.07.2018, XIth Congress of the European Association of Jewish Studies, Kraków: „‚On Grandfather’s Lap‘: Glosses in MS Vienna Cod. hebr. 220 and Their Critical Discourse Against Traditional Exegesis“. 
  • 17.–20.11.2018, Annual Conference der Society of Biblical Literature (SBL), Denver: „Masorah as a Place Marker for Exegesis and Theology in Different Fields of Knowledge“.

 

Kay Joe Petzold: 

  • 30.06.2017, Gemeinsame Jahrestagung des SFB 933 und des Berliner SFB 980 „Umschreiben / Re-Writing. Materiale und epistemische Dimensionen von Retextualisierung in der Vormoderne“, Landgut Stober bei Nauen, Workshop „Zerbrochene Tafel und offenbare Schrift – Transfer von materialem und imaginärem Offenbarungswissen im Juden- und Christentum und im frühislamischen Kontext“ (Leitung des Workshops zus. mit J. Leipziger, N. Schmidt, J. C. Gertz).
  • 08.08.2017, 70th World Congress of Jewish Studies, Hebräische Universität Jerusalem, Jerusalem: „The Masorah Figurata (Form and Content) of MS Vat. ebr. 14 and Its Relation to the Commentaries.“ 
  • 09.05.2018, Projekt-Workshop Philology and Aesthetics, Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg: „Masorah and Rashi Commentary in MS Vat. Ebr. 14“.
  • 16.07.2018, XIth Congress of the European Association of Jewish Studies, Kraków: „‚A Question of Honor‘: The Rashʺi-Commentary, Its Early Textual State, and the Pseudepigraphical Extrapolations in Manuscripts and Incunable Prints“.

 

 

Letzte Änderung: 30.10.2018