Biblia Rabbinica: Der Bibeltext in der rabbinischen Literatur – Erfassung der Textvarianten anhand der babylonisch-jemenitischen Texttradition (DFG)


Finanzierung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft ab Oktober 2020

Logo: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - zur Startseite
 

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:

Projekt von Prof. Dr. Hanna Liss mit PD Dr. Gianfranco Miletto

 

Projektbeschreibung:

Der sog. Textus Receptus (TR) der Hebräischen Bibel beruht auf einer tiberiensischen masoretischen Tradition, die hauptsächlich auf die Masoretenfamilie Ben Ascher zurückgeht. Diese Texttradition hat sich – möglicherweise auch durch die besondere Wertschätzung des Maimonides (c. 1135–1204; Hilkhot Sefer Torah 8,4) – zuerst im islamisch dominierten maghrebinisch und ibero-sefardischen Raum und später vor allem durch den hebräischen Buchdruck in der christlichen Welt durchgesetzt und gelangte mit der sog. Zweiten Rabbinerbibel durch Daniel Bomberg (1525) zu einer ersten Standardisierung, die bis heute ihre Gültigkeit besitzt. Daneben sind allerdings weitere Textformen (palästinisch; jemenitisch-babylonisch; aschkenasisch) erhalten, von denen eine Vielzahl mittelalterlicher Handschriften – insbesondere die aschkenasischen und italienischen – echte Textvarianten aufweisen. Allerdings sind die Bibelzitate in den modernen Ausgaben der rabbinischen Literaturen über die letzten vier bis fünf Jahrhunderte sukzessive dem TR angepasst worden, so dass heute keine klare philologische Aussage über die Bibeltexttraditionen in den rabbinischen Schriften getroffen und damit auch kein Überblick über die Diversität des hebräischen konsonantischen Bibeltextes in den verschiedenen geokulturellen Räumen des Judentums vorliegt.

Ziel des Projektes ist die vollständige computergestützte Erfassung und Auswertung der Lesevarianten in ausgewählten rabbinischen Texten anhand der babylonisch-jemenitischen Texttraditionen. Die Textvarianten werden mit anderen Textzeugen verglichen und traditionsgeschichtlich eingeordnet werden. Bearbeitet werden die samaritanischen Rezensionen, griechische Bibeltext-Rezensionen: Septuaginta(e), Aquila, Symmachus und Theodotion, die Peschitta (syrisch), Vetus Latina und Vulgata (lateinisch), die Targum-Rezensionen (aramäisch) sowie weitere Variantensammlungen von Kennicott und de Rossi. Die Analyse dieser Varianten wird eine bislang vernachlässigte Perspektive für die Rekonstruktion der Variabilität der biblischen Textgeschichte bis ins Hohe Mittelalter hinein erschließen und bislang nahezu unerforschtes Material zur Flexibilität der Bibeltext-Traditionen in den rabbinischen Literaturen zur Verfügung stellen.

 

Letzte Änderung: 07.05.2020